Timo Werner (11, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 3:1 und jubelt mit den Teamkollegen
Timo Werner (11, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 3:1 und jubelt mit den Teamkollegen Bildrechte: Picture Point

Fußball | Bundesliga RB Leipzig: Viel Tam-Tam auf und neben dem Rasen

3. Spieltag

Diskussionen über Politik im Stadion, über einen „zweitklassigen“ Fanbetreuer und über die Personalie Jean-Kévin Augustin, dazu noch der spektakuläre 3:2-Sieg gegen Hannover 96 – Langeweile kommt bei RB Leipzig derzeit überhaupt nicht auf.

von Sven Kups

Timo Werner (11, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 3:1 und jubelt mit den Teamkollegen
Timo Werner (11, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 3:1 und jubelt mit den Teamkollegen Bildrechte: Picture Point

"Es war ein Offensivspektakel", waren sich Hannover-Trainer André Breitenreiter und sein Gegenüber Ralf Rangnick einig. Die reichlich 90 Fußballminuten seien für die Zuschauer ausgesprochen unterhaltsam gewesen. "Für uns Trainer aber weniger", fügte Rangnick noch an. Grund zum Haare-Raufen hatte Leipzigs Chefcoach trotz des 3:2-Sieges wirklich genug. Denn seine Spieler waren in der Defensive mal wieder sehr anfällig, und im Angriff trotz drei Toren alles andere als effizient. Die drei Punkte waren am Ende nicht unverdient, übertünchten aber diverse Probleme und auch einige Misstöne vor dem Anpfiff.

Streit um "Politik im Stadion"

Ein großes Thema in den Tagen vor dem Punktspiel war die ewige Frage, wie viel Politik mit ins Stadion darf. Die Vorkommnisse von Chemnitz und Köthen mit Hetzjagden, Hitlergrüßen und so weiter waren für RB Leipzig jedenfalls kein Grund, vor dem Spiel ein deutliches Zeichen zu setzen. Im Gegenteil: Ralf Rangnick betonte am Donnerstag, der Fußball müsse "eine unpolitische Rolle einnehmen“, was unter den RB-Fans gleichermaßen kritisch und zustimmend, in jedem Falle aber sehr emotional kommentiert wurde.

Negative Kommentare gab es natürlich auch von außen. Zu den umstrittensten gehörten die des sächsischen Grünen-Politikers Jürgen Kasek. Der erkannte bei RB "ein rechtes Problem“, weil der Verein "zu den Werten des Grundgesetzes“ keine klare Stellung beziehe und keine Spielführerbinde in den Regenbogenfarben wolle. Lok-Fan Kasek lag damit jedoch daneben. Denn RB Leipzig hatte sich in der Vergangenheit in Stadion-Durchsagen mehrfach gegen Rassismus und Diskriminierung ausgesprochen. Vor reichlich zwei Jahren noch hatte sich RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sogar mit einem "Kein Fußball den Faschisten"-Trikot fotografieren lassen. Und zuletzt unterstützte RB auch noch das "Nazis raus aus den Stadien"-Projekt des SV Babelsberg - wenngleich auch nur sehr halbherzig.

Fußball-Posse um Augustin

Für Achselzucken oder Stirnrunzeln sorgt RB aber nicht nur mit seiner aktuellen "Keine Politik im Stadion"-Leitlinie. Fragende Gesichter provozierte auch die Besetzung eines Fanbetreuer-Postens  - mit einem HSV-Fan. Und dann ist da noch die Personalie Jean-Kévin Augustin, der gegen Hannover überraschend auf der Tribüne saß. Der gebürtige Pariser hatte einen Einsatz in der französischen U21-Auswahl wegen muskulärer Probleme abgelehnt, dann aber ein RB-Testspiel bestritten. Frankreichs Verband beschwerte sich daraufhin bei der FIFA, und Leipzig zog Augustin aus dem Kader ab. Zu groß war die Gefahr einer nachträglichen Sperre, die Hannover einen Sieg am Grünen Tisch hätte einbringen können.

Wirklich sinnig erscheint das Prozedere allerdings nicht. Denn im Zentrum von Leipzigs Argumentationslinie stand bislang, dass man den Spieler durchaus bei der U21 hätte spielen lassen und Augustin den Verzicht letztlich selbst entschieden habe. Gleichzeitig aber betonte Ralf Rangnick, man habe mehrfach extra die DFL angerufen und dort die Auskunft erhalten, dass es für die U21 keine Abstellungspflicht gebe. Rangnicks Gelassenheit in der Sache jedenfalls verwandelte sich innerhalb von zwei Tagen in eine Sicherheitsnummer, die der Sportdirektor bedauerte, "weil er in einer guten Form ist".

Jean-Kevin Augustin
Vorsichtsmaßnahme: Ralf Rangnick verzichtete auf Jean-Kevin Augustin. Bildrechte: dpa

Nach dem Spektakel ist vor dem Spektakel

In relativ guter Form befinden sich aber auch Augustins Offensiv-Kollegen: Der für ihn in die Startelf gerückte Yussuf Poulsen machte gegen Hannover ein starkes Spiel und das 1:0, das Duo Emil Forsberg/Timo Werner erlebte ein sehenswertes Comeback und besorgte im Zusammenspiel die beiden anderen Treffer. Über die weitere Chancenverwertung soll hier der Mantel des Schweigens gedeckt werden. Unterhaltsam und dramatisch war das 3:2 gegen Hannover in jedem Falle.

Viel Zeit zum Luftholen und Puls runterbringen haben Fans wie Spieler nicht, denn bereits am Donnerstag geht es für Leipzig in der Europa League weiter. Ob die Leistung vom Hannover-Spiel auch gegen Salzburg reichen würde, konnte der diese Woche wiedergewählte RB-Kapitän Willi Orban nicht sagen. Aber der 25-Jährige ist sich sicher: "Das wird das nächste Spektakel. Darauf können wir uns schon mal einstellen."

Update (17.09.): Jürgen Kasek relativiert Tweet

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 15. September 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 12:17 Uhr

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23 Kommentare

18.09.2018 11:10 Jojo 23

@Sr.Raul: Na, dann möchte ich Sie und das Ihnen eingetrichterte "Weltbild" nicht stören.

18.09.2018 06:25 Sr.Raul 22

@21 (jojo), mal von ab, dass bzgl. der "vollen staatlichen Kontrolle" nichts wirtschaftliches gemeint war ist sicher nicht unbekannt, dass wir seit der Kehre auch schon einige "Glanzleistungen" der "Nieten in Nadelstreifen" aus der "freien" Wirtschaft erleben durften. Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal öffentlich-rechtlichen/staatlichen Wirtschaftens. Dabei will ich es aber auch belassen denn mir scheint, dass Du aus @20 etwas anderes herausliest als ich damit zum Ausdruck bringen wollte. Macht aber Nix, gibt Schlimmeres.

17.09.2018 21:41 Jojo 21

@Sr.Raul: "...volle staatliche Kontrolle..." Diese Zeiten sind noch in guter Erinnerung. Was, wenn im staatlichem Gefüge unfähige "Wirtschaftler" das Sagen haben? Persönlich habe ich nichts gegen das Unternehmen eines Österreichers aus Fuschl am See. Dieses Unternehmen betreibt auch den Sender SERVUS.TV und nun nennen Sie mir bitte eine Sendung dieses Unternehmens, in der Menschen wie bei den schlimmsten Privatfernsehens in Deutschland vorgeführt werden. Letztes Beispiel: " Be one with the ocean" mehr muss nicht erwähnt werden. Das nächste RB - Spiel werde ich mit gutem Gewissen anschauen.
Servus!

17.09.2018 12:13 Sr.Raul 20

Wenn man, @17 (RBLer) und 18 (Leo), Kapitalismusfan ist, dann sieht man es eben so, kann ich sogar nachvollziehen. Es ändert jedoch null Komma nix daran, dass @Toni mit seinen Aussagen nicht unbedingt Unrecht hat. 99% ist die RB GmbH., Fuschl a. See, Österreich, Eigner der Rasenballisten. Nun und in einigen Dingen täte volle staatliche Kontrolle in Anbetracht aktueller Ereignisse dringender Not, als je zuvor. Übrigens kann ich mir nicht vorstellen, dass der @Toni am Cottaweg vor dem großen Tor demonstriert hat.

17.09.2018 11:12 Sr.Raul 19

Da hat @2 (Rennsteiger) komplett Recht und ich erweitere es auf den Leistungssport mit seiner Strahlkraft allgemein. Aber selbst im kleinen Verein, wo Ausländer aktiv sind. Das ist dann schon ein Stück weit Integrationspolitik. Sport war, ist und wird auch immer ein Stück weit Politik sein. Ob das nun SK R.R. so sieht oder nicht, spielt dabei keine Geige. Aber der Kollege sieht ja auch, lt. "Strafenglücksrad", Training mit Nachwuchsmannschaften, Stadionführungen, Verkäufer im Fanshop als Strafe. hat eben jeder so seine Sicht.

17.09.2018 11:08 Leonard 18

Toni hat immer noch nicht begriffen, die Welt dreht sich weiter. Und 40000 Besucher können nicht falsch liegen. Punkt.

17.09.2018 10:34 RBLer 17

@toni: "Bitte erst denken und dann schreiben!" Solltest du dir mal zu Herzen nehmen.
Denn wie allseits schon bekannt ist, generiert RB mittlerweile einen großen Teil seiner finanziellen Mittel durch Sponsoring, Tickets, Fernsehgelder, Merchandising, Spielertransfers etc., wie jeder andere Verein auch. Das sollte auch mal langsam bei dir angekommen sein, dass der Didi nicht die gesamte Party bezahlt und das auch durch Financial Fair Play nicht darf.
Und außerdem noch willkommen in der realen Welt! Die volle staatliche Kontrolle gab´s früher mal zu Erichs Zeiten. Braucht und will kein Mensch, außer solche Relikte wie Du! PS: Und oft sind die, die nach staatlicher Kontrolle schreien diejenigen, die bei der nächsten Demo "Scheiss Bullen" schreien.

16.09.2018 23:50 Dunkeldeutscher 16

Ich will im Stadion nichts von Politik sehen und will da auch keine Folklore (Helene Fischer o.ä.). Ich will Spektakel ala Rangnick und genau dies gibt es. Dazu gehören auch Exoten, wie Augustin und damals Keita.
Darauf eine gute rote Brause.

16.09.2018 22:53 KMR 15

@12 im Deutschaufsatz würde es heißen ' Thema verfehlt! 5! Nochmal versuchen.'.
Toni versuche es mal nicht mit Marx sondern mit Popper :-)
Zum Thema : Herr Kassek, ob nun Lok Fan oder nicht hat, glaube ich, eher ein Problem mit seiner eigenen Wahrnehmung. Steht er auf dem Boden des Grundgesetzes?

16.09.2018 21:37 NurDerRBL 14

Ach Mensch toni,

mal davon abgesehen, dass dies wieder dieses endlose "Bla Bla Bla, böser Red Bull, Bla Bla Bla, unfair, Bla Bla Bla ..." ist, vielleicht noch ein wichtiger Hinweis für weitere Kommentare:

Völlig falsches Forum dafür und hier glatt am Thema vorbei!