Salif Sane mit Kopfball
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Fußball | 1. Bundesliga Forsberg nach Zittersieg: "Wir sind RB Leipzig, wir machen es immer spannend"

Nach der dem Zittersieg gegen Hannover 96 herrschte bei den Verantwortlichen von RB Leipzig pure Erleichterung. Dank des 3:2 Erfolges ist die Champions-League-Qualifikation wieder in greifbarer Nähe. Doch der starke Leistungseinbruch in den letzten 30 Minuten wirft Fragen auf.

von Marcus Teichmann

Salif Sane mit Kopfball
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Die zwei Gesichter des Vizemeisters

RB Leipzig hat in der Partie gegen Hannover 96 ein Spiegelbild der bisherigen Saison abgeliefert. Da spielen sie die Gastgeber über 60 Minuten an die Wand, lassen kaum Torchancen zu und führen hochverdient mit 2:0. Die Partie ist scheinbar gelaufen. Doch von einem auf den anderen Moment ist die Mannschaft nicht wiederzuerkennen, kann keinen Ball mehr behaupten und hat in der Defensive mehr Löcher aufzuweisen als ein Schweizer Käse. Beispiele gefällig? Innerhalb der ersten 60 Minuten sprach die Torschussstatistik mit 11:2 für Leipzig, danach drehte sich die Angelegenheit zu einem 4:11 in nur 30 Minuten! Elf zugelassene Torabschlüsse in einer halben Stunde, so viele lassen sie sonst selbst über 90 Minuten kaum zu. Der Ballbesitz fiel bis zum Abpfiff von knapp 67 Prozent auf nur noch 55 Prozent, am Ende hatte Hannover sogar die Zweikampfquote mit knapp 56 Prozent für sich entscheiden können, obwohl sie in der ersten Halbzeit fast gar keine Gegenwehr lieferten. Wie konnte das passieren?

RB in der 2. Halbzeit zu leichtsinnig?

Die Spieler lieferten nach der Partie unterschiedliche Erklärungsansätze. Kapitän Willi Orban entschied sich für folgende Variante: "Wir haben die Coolness verloren, die wir in der ersten Halbzeit vielleicht zu viel hatten. Wir konnten den Ball nicht mehr halten und somit gab es keine Entlastung mehr." Der eingewechselte Yussuf Poulsen monierte die eigene Überheblichkeit: "Wir waren zu leichtsinnig. Wir dachten, die zweite Halbzeit würde genauso easy weitergehen wie die Erste." Abwehrspieler Konrad Laimer wies auf eigene Unzulänglichkeiten hin: "Wir müssen nach dem 3:1 schlauer spielen. Es war ein Fehler von uns, so viele Freistöße und Ecken zuzulassen, wo Hannover doch viele kopfballstarke Spieler hat." 

In der von Poulsen angedeuteten "Larifari-Einstellung" setzte auch Sportdirektor Ralf Rangnick an, um die letzten 30 Minuten zu erklären: "Wir waren eigentlich die klar bessere Mannschaft und dann ist es schon so, dass sich die Mannschaft in der eigenen Spielweise gefällt. Das war auch nicht das erste Mal so." War es in der Tat nicht. Beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln Ende Februar zeigten die Leipziger ebenfalls zwei völlig verschiedene Gesichter, am Ende verloren sie die Partie noch, obwohl es zur Halbzeit mindestens hätte 3:0 stehen müssen. Genau diese Gier nach dem zweiten und dritten Tor, die frühzeitige Entscheidung zu suchen, die Entschlossenheit und Effektivität beim Abschluss fehlt den Leipzigern bislang. In der aktuellen Spielzeit konnten erst sieben Partien mit mindestens zwei Toren Unterschied gewonnen werden, in allen anderen 33 Spielen brauchten die RB-Fans Herztabletten und Baldrian.

 Videoassistent wird eingesetzt
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"Solange wir gewissen, ist mir das egal"

Man kann es natürlich auch wie Emil Forsberg sehen, der nach dem Spiel mit einem Lächeln meinte: "Wir sind RB Leipzig, wir machen es immer spannend. In diesem Jahr werden diese Spiele immer eng, aber solange wir sie gewinnen, ist mir das egal." Tatsächlich zählen im Fußball im Endeffekt nur die drei Punkte. Aber vor allem in den regelmäßigen englischen Wochen wäre es von Vorteil, dass ein oder andere Spiel locker und leicht nach Hause zu bringen und nicht bis zur letzten Minuten kämpfen zu müssen. Aber auch das ist ein Lernprozess dieser noch jungen Mannschaft, die in ihrer erst zweiten Bundesliga-Saison schon wieder Kurs auf die Champions-League nimmt und nebenbei auf internationalem Parkett im Viertelfinale der Europa-League steht. Da kann die Leipziger Anhängerschaft auch in Kauf nehmen, dass die eigenen Nerven stärker beansprucht werden als noch zu Oberliga-Zeiten, in der man mit 70:17 Toren in 30 Spielen durch die Liga spazierte und schon vor Anpfiff der Partie über die Höhe des Siegs philosophieren konnte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. März 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2018, 11:18 Uhr

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12 Kommentare

03.04.2018 08:30 Schappio5 12

An alle Nörgler....
Fakt ist eins...jeder und wirklich jeder Verein würde die Kohle nehmen! Stellt ihr euch dann auch hin und zieht über euren herein her? Was ist mit lev mit bayer ...hsv mit kühne...wob mit vw...schalke mit gazprom... merkst was? Jeder Verein hat seine fetten Geldgeber....geht ja auch nicht anders und wenn nächste Woche einer mir satten millionen bei Lok vor der Tür steht schickt ihr ihn nat. weg. Wohl kaum! Also Klappe!

02.04.2018 18:42 Jojo 11

@Lok: Auch ich kenne Österreicher (Salzburger) und sie konnten mir berichten, dass das Stadion in Salzburg mal wieder ausverkauft war.
Und am kommenden Donnerstag gehen in Leipzig zum Glück wieder die Flutlichter an; Dank Red Bull, mit Verzicht auf Tradition!
Wir haben unseren Spaß.

02.04.2018 13:45 Bernd 10

@Erfurter, wobei der Klassenerhalt für Chemie noch nicht durch ist. Denn steigt auch Chemnitz ab und Cottbus nicht auf muessen 4 Mannschaften runter. Habe gestern Erfurter Fans bei uns auf dem Bahnhof gesehen. Trotz der Situation die Unterstützung, alle Achtung!

02.04.2018 12:25 Erfurter 9

Lok ist keine Traditionsmannschaft. Chemie schon. Freue mich nächste Saison auf Rot-Weiss gegen Chemie. Als Traditionalist schaue ich mir auch gerne RB Leipzig an. Verstehe dieses Rumgejammere nicht.

02.04.2018 11:44 Voice 8

@ 7 Lok
In Leipzig nur Lok und Chemie??
Beide zusammen haben nicht ansatzweise so viele Zuschauer wie das "sogenannte" Konstrukt. Woran liegt es, dass oft die Bude voll ist, wenn doch alle RB Leipzig hassen, wie Du behauptest?

...merkste selbst....?!!!!

02.04.2018 07:51 Lok 7

Gespräche mit richtigen Österreicher im Urlaub gehabt. Auch in Österreich liebt keiner das Kunstprodukt von den Dosen.
RED B... ist so unbeliebt wie keine andere Mannschaft.
Ihr werdet eines Tages merken, ihr habt hier im Fussball nichts zu suchen.
In Leipzig nur Lok und Chemie.
Im Osten nur die Traditionsmannschaften.

02.04.2018 06:48 Checker 6

@3, natürlich sind wir nicht Leipzig, aber wir haben die Zeitumstellung bewältigt!!,

01.04.2018 01:11 RBLer 5

@3 Alex: Also ich bin definitiv kein österreichisches Produkt und mein ganzes Leben schon in der Region verwurzelt. Und die in den 60ern gegründeten Vereine der Staatsorgane und Kombinate zähle ich nicht zu den Traditionsvereinen. Und wenn ich in die beiden anderen leipziger Stadien schaue und die kümmerlichen Reste sehe, dann ist klar, wie die Mehrheit in Leipzig denkt.

01.04.2018 22:50 Quentin aus Mondragies 4

@ Alex Ja, und? RB Leipzig macht mit tollen Fußball Werbung für Red Bull und Leipzig. Ist doch vollkommen Rille, ob dies ein Produkt Made in Austria ist. Dieses ständige Neider-Rumgejammere interessiert doch keinen mehr.

01.04.2018 18:18 Alex 3

Ihr seid nicht Leipzig und werdet es auch nie sein. Ihr seid ein Produkt aus Österreich. Mehr nicht.