v.l.: Yussuf Poulsen (9, Leipzig) und Torwart Jiri Pavlenka (1, Bremen).
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Fußball | Bundesliga Ein Honigkuchenpferd und noch mehr Sieggaranten

Es ist eine Fußballfloskel, aber es passt: RB Leipzigs 2:0-Sieg gegen Werder Bremen war etwas glücklich, aber nicht unverdient. Nach dem Schlusspfiff gab es nicht nur zufriedene Gesichter zu sehen, sondern auch merkwürdige Statements zu hören.

von Sven Kups

v.l.: Yussuf Poulsen (9, Leipzig) und Torwart Jiri Pavlenka (1, Bremen).
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Vielleicht war es der nervende Dauerregen, vielleicht waren es aber auch nur die Anstrengungen einer temporeichen Bundesliga-Begegnung: Nach der Partie RB Leipzig gegen Werder Bremen (2:0) waren die Sinne einiger Spieler etwas - nun ja - benebelt. Und zwar bei beiden Mannschaften. So sah Werder Bremens Stürmer Max Kruse hinterher einen "unverdienten Sieg für Leipzig“. Auf der anderen Seite konnte sich RB-Kapitän Willi Orban nach über 90 "gut verteidigten Minuten" an keine hundertprozentige Torchance der Bremer erinnern". Und sein Kollege Diego Demme befand, dass man während Bremens 20-minütiger Druckphase nach der Pause "gut gestanden und wenig zugelassen" habe.

Nun ja. Siege sind aber auch nicht zum Rummäkeln da, sondern zum Feiern. Und damit wären wir bei Leipzigs 2:0-Torschütze Bernardo. Der 22-Jährige war nach dem Schlusspfiff unübersehbar der glücklichste Mensch im Leipziger Stadion. Wie ein Honigkuchenpferd grinste er in den Katakomben der Arena. "Ich habe lange auf mein erstes Bundesliga-Tor gewartet. Ich bin sehr glücklich", freute er sich. Der Brasilianer hatte den mit Oberschenkelproblemen zur Halbzeit ausgewechselten Marcel Halstenberg ersetzt – und sorgte in der Schlussphase für die spielentscheidenden Akzente: Sein dritter Torschuss innerhalb von 73 Sekunden ("Ich war ein bisschen sauer und habe beim dritten Mal gedacht: Jetzt muss ich aber das Tor machen!") machte den berühmten Sack zu.

von links: Max Kruse (10, Bremen) und Diego Demme (31, RB Leipzig)
Max Kruse (li.) gegen Diego Demme. Bildrechte: Picture Point

Aus Coltortis Schatten getreten

Dass in diesem Sack drei Punkte waren, lag natürlich nicht nur an Bernardo. Die Reihe der Helden im Spiel gegen selbstbewusste, sehr gefährliche und über weite Strecken auch sehr ballsichere Bremer war schon etwas größer. Da wäre zum einen Péter Gulácsi. Der Keeper ist seit dem Bundesliga-Aufstieg der Leipziger die Nummer eins im Tor, stand aber trotzdem lange im Schatten von Publikumsliebling Fabio Coltorti und wurde von vielen Fans besonders kritisch begleitet. In dieser Saison mauserte er sich jedoch zu einem unübersehbaren Rückhalt und war auch gegen Werder mehrfach als Retter zur Stelle. „Es war wichtig, dass wir zu Null gespielt haben. Das letzte Mal ist schon lange her“, äußerte er sich hinterher ausgesprochen erleichtert.

Gleich vor Gulacsi ist die Position eines Spielers, der inzwischen zu den "üblichen Verdächtigen" auf der Suche nach den Schlüsselspielern gehört. Die Rede ist von Dayot Upamecano. Der Innenverteidiger strahlt trotz seiner gerade mal 19 Jahre eine erstaunliche Ruhe und Souveränität. Gegen Werder war er der Spieler mit der besten Zweikampfquote auf dem Feld (79 Prozent) bekam von Trainer Ralph Hasenhüttl ein Extra-Lob: "Es ist unfassbar, was er in den letzten Wochen gespielt hat. Er hat eine wahnsinnige Entwicklung gemacht. Mit seiner Schnelligkeit ist er brutal wichtig da hinten, weil er damit in höchster Not noch klärt."

v.l.:  Yussuf Poulsen (9, Leipzig) und Lamine Sané / Sane (26, Bremen)
Yussuf Poulsen (li.) und Lamine Sané. Bildrechte: Picture Point

Eine überraschende Wandlung

Brutal wichtig für RB war gegen Bremen noch ein dritter Spieler: Naby Keita. Der 22-Jährige aus Guinea war in vielen Spielen akut rotgefährdet und wurde so zu einem Unsicherheitsfaktor. Doch diese Phase ist scheinbar vorbei. Mehr noch: Keita wirkt seit einigen Spielen wie verwandelt, geht bei den Zweikämpfen nicht mehr das große Risiko ein, spielt selbstlos und ist auch beim Abschluss wieder erfolgreich: Gegen Monaco traf er, und gegen Bremen besorgte er gedankenschnell das erlösende 1:0. Die Spielstatistik weist für ihn zudem 14 Balleroberungen und die meisten Ballkontakte auf. Coach Hasenhüttl war vom künftigen Liverpooler begeistert: „Er hat den Zugang zu seinem Spiel wieder gefunden und ist wesentlich fokussierter auf dem Platz. Er hat gezeigt, dass er bereit ist, in diesem Jahr noch mal alles für uns reinzupacken." Kapitän Willi Orban sieht das ähnlich: "Mit den zwei Toren hat er seine Klasse bestätigt. Von mir aus kann er so weiter machen."

Fußball ist eben auch eine Frage des Kopfes. Und da stimmt es offensichtlich bei den Leipzigern, die nicht frei von Nackenschlägen blieben, diese aber genauso gut weggesteckt haben wie die kräftezehrenden englischen Wochen. Es ist beeindruckend: In den fünf Bundesliga-Spielen nach der Champions League hat RB 13 Punkte geholt. "Nicht selbstverständlich" findet das auch Kapitän Orban: "Vor der Saison hat Ralph Hasenhüttl uns gesagt, dass große Herausforderungen auf uns warten. Jeder meint, dass die Herausforderung die Champions League ist. Aber es sind die Spiele wie heute, nach der Champions League, nach der großen Bühne im Alltag." Das kann man so stehen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. November 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2017, 12:40 Uhr

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