Naby Keita (8, RB Leipzig) nicht im Startaufgebot. v.l.:, Emil Forsberg (10, RB Leipzig), Kevin Kampl (44, RB Leipzig), Torwart Yvon Mvogo (28, RB Leipzig), Naby Keita (8, RB Leipzig) und Dominik Kaiser (24, RB Leipzig)
Ist die Bank von RB Leipzig "tief" genug? Die Spiele der letzten Woche werfen einige Fragen auf. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Fußball | 1. Bundesliga RB Leipzig geht die Puste aus

60 Minuten dominierte RB Leipzig die Partie beim VfL Wolfsburg, danach ließen wie in den letzten Spielen die Kräfte nach. Der Drei-Tages-Rhythmus durch Champions-League- und Bundesliga-Spiele fordert mittlerweile seinen Tribut. Die Rotation greift nicht wie gewünscht, dem Kader täte in der Breite wohl mehr Qualität gut.

von Marcus Teichmann

Naby Keita (8, RB Leipzig) nicht im Startaufgebot. v.l.:, Emil Forsberg (10, RB Leipzig), Kevin Kampl (44, RB Leipzig), Torwart Yvon Mvogo (28, RB Leipzig), Naby Keita (8, RB Leipzig) und Dominik Kaiser (24, RB Leipzig)
Ist die Bank von RB Leipzig "tief" genug? Die Spiele der letzten Woche werfen einige Fragen auf. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Für die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl war die Partie in Wolfsburg bereits die neunte englische Woche innerhalb von vier Monaten. Während der VfL bislang 18 Pflichtspiele absolvierte (inkl. DFB-Pokal), spulten die Roten Bullen bereits 24 Partien (inkl. Champions League) ab und hatten aufgrund der Länderspielreisen keine einzige freie Woche. Das sich dies irgendwann bemerkbar machen würde, war absehbar.

Englische Wochen und Länderspielreisen

So richtig sichtbar war diese Phase allerdings erst Mitte November. Beim Auswärtsspiel in Leverkusen hatten die Leipziger trotz Überzahl dem Gegner nicht mehr viel entgegenzusetzen, der mit einem Mann weniger nicht nur zum Ausgleich kam, sondern auch zahlreiche Sieg-Chancen hatte. In Hoffenheim fiel die Mannschaft in der Schlussphase komplett auseinander, im Heimspiel gegen Mainz am vergangenen Samstag kassierten sie nach einer lethargischen zweiten Halbzeit noch den Ausgleichstreffer. Die letzten 30 Minuten in Wolfsburg zeigten erneut, wie nahe die Mannschaft der Belastungsgrenze gekommen ist. Kevin Kampl, der die letzten vier Spiele allesamt über 90 Minuten durchspielte und auch in Wolfsburg wieder in der Startelf stand, forderte Verständnis: "Es ist völlig normal, dass die Power irgendwann fehlt, wenn man im Drei-Tages-Rhythmus spielt. Für viele junge Spieler ist es auch ein Lernprozess, für sie sind es die ersten englischen Wochen. Dafür machen wir es aber überragend - wir sind Zweiter in der Bundesliga und international noch vertreten."

Tor für RB Leipzig.  Jubell nach dem Treffer zum 1:1 durch Marcel Halstenberg (23, RB Leipzig)
In der ersten Stunde in Wolfsburg zeigte RB sein gewohntes Gesicht. Temporeiches Angriffsspiel. Bildrechte: Picture Point

Ist der Kader nicht breit genug?

Das die Leipziger derzeit noch auf Platz zwei stehen, ist allerdings weniger der Stärke des Vizemeister zuzuschreiben, sondern vielmehr der schwachen Konkurrenz. In den letzten sieben Ligaspielen holten sie nur neun Punkte, in der Regel reicht das nicht für die Spitzengruppe der Bundesliga. Das ursprüngliche Ziel, durch regelmäßige Rotation die Belastung für jeden einzelnen gering zu halten, hat zuletzt nicht mehr funktioniert. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Sabitzer und Forsberg sind für die Hasenhüttl-Elf derzeit nicht zu kompensieren, weil Bruma noch nicht die erhoffte Verstärkung ist und Kampl sich eher im defensiven Mittelfeld statt auf der Außenbahn zu Hause fühlt.

Kevin Kampl (Leipzig)
Durch die Ausfälle von Forsberg, Sabitzer und Kaita rücken andere Spieler wie Kampl nach. Doch damit verschiebt sich auch die Belastung in Gänze auf sie. Bildrechte: IMAGO

Fallen zusätzlich noch Spieler für einzelne Partien aus (beispielweise Keita oder Augustin), müssen die restlichen Akteure wie Kampl mehrere Partien in Folge durchspielen. Das zerrt auf Dauer an den Kräften, wie auch Peter Gulacsi nach dem Spiel zugab: "Wir konnten hinten raus nicht mehr, es war das dritte Spiel innerhalb von sechs oder sieben Tagen, das ist schon anstrengend. Hinzu kommen noch ein paar verletzte Spieler, das macht die Situation nicht einfacher." RB-Coach Hasenhüttl stimmte nachdenklich zu: "Die Jungs gehen auf den Zahnfleisch, es war unser 24. Saisonspiel. Das ist schon schwer".

Die Frage, die sich zwangsläufig stellt, ist: Besitzt der Kader die notwendige Qualität in der Tiefe, wenn Stammspieler ausfallen? RB-Neuzugang Laimer sucht noch nach seiner Form aus Salzburger Zeiten, Konate ist mit seinen 18 Jahren in der Aufbauphase und die Ersatzspieler Compper, Kaiser und Schmitz sowie Augustin sammelten in den letzten Wochen sehr wenig Einsatzzeit, obwohl frisches Personal gebraucht wurde. Die Verantwortlichen müssen überlegen, ob sie im Winter auf zwei oder drei Positionen noch einmal nachlegen, wenn im Februar die Doppelbelastung mit den Europa-League-Spielen wieder von neuem beginnt.

Trainer Ralph Hasenhüttl tobt
Die Spielidee von RB-Coach Ralph Hasenhüttl geht nicht immer auf. Doch der Österreicher ist sich des Problems bewusst. Bildrechte: Picture Point

Jetzt hat die Mannschaft aber erst einmal vier Tage Zeit, sich zu regenerieren und auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Mit Hertha BSC kommt zum Jahresfinale eine Mannschaft nach Leipzig, die aufgrund der Europa-League ebenfalls auf dem Zahnfleisch kriecht. Wer wohl noch die meisten Körner haben wird? Sonntagabend wissen wir die Antwort.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 16. Dezember 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2017, 15:06 Uhr

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7 Kommentare

15.12.2017 01:27 F.G. 7

Meine Meinung ist, das einige Neuverpflichtungen nicht zu RB passen bzw. passen werden.
Man sieht wie sich RB ohne einen Forsberg, Sabitzer oder Keita schwer tun.
Deshalb sollte man sich unbedingt in der Winterpause verstärken, sonst wird man am Ende der Saison mit leeren Händen da stehen, heißt Platz 8-10.

14.12.2017 10:57 hodoe 6

@Mike...nun ist das mit dem Denken ja so eine Sache. Die "Hochgejubelten" sind (Stand heute) besser als 15 andere Vereine/GmbH&Co KG; AG (was auch immer). Nun ist die Frage sind 15 von 17 Andere "viele". Ich glaube die meisten Leute würden das mit ja beantworten. Was hast du dagegen vorzubringen?
Übrigens, so ganz nebenbei, RBL hat bisher 9 Auswärtsspiele und 7 Heimspiele bestritten. Da man heuer wesentlich heimstärker ist, wäre dieser Fakt zu berücksichtigen...wenn man will!

13.12.2017 22:39 Mike 5

hab es mir gedacht und auch schon letzte saison gemeint. abwarten wenn die mehrfachbelastung kommt. wie gut dann die hochgejubelten sind.
nicht besser als viele andere bundesliga mannschaften.

13.12.2017 19:47 Klatschpappe 4

RH könnte ja auch mal im Spiel auch mal tief verteidigen lassen. Man kann nicht eine Saison durch bei Doppelbelastung hoch pressen lassen. Letzte Saison hatte Leipzig nach meiner Auffassung nicht so hoch gepresst. Da stand hinten mit Ilsanker und Demme teilweise eine wesentlich defensivere Variante auf dem Feld. Außerdem ist das Bundesliga-Feld diese Saison wahnsinnig ausgeglichen (und nicht schlecht). Dies ist gut so und macht die ganze Sache wahnsinnig spannend. Für mich fehlt im Wesentlichen auch Sabitzer. Der hat die Bälle immer sehr gut nach vorne "gesteckt". Von den Außenverteidigern kommt nach wie vor zu wenig nach vorne. Tore nach Flanken ala Kimmich gab es glaube ich noch gar nicht. Nach Ecken kommt auch zu wenig. Da hatte noch die besten Ecken Kaiser getreten. Aber dies ist ja Kritik auf hohem Niveau. Zweiter Platz ist immer noch einfach toll. Aber so schnell ist man halt verwöhnt.

13.12.2017 16:24 heino 3

Der Einschäzung von Herrn Teichmann stimme ich 100% zu.Ich weiß nur nicht, ob es richtig ist, dass man von der ersten Minute an so drauf gehen muß,
wenn die körperliche Verfassung nicht mehr für 90 Minuten reicht.Diese Doppelbelastung ist für die junge Mannschaft einfach zu hoch. Schmerzlich sind auch die Verletzungen von Sabitzer und Forsberg. Das sind die Ideengeber, neben Keita.
Keita rennt sich im Mittelfeld dadurch zu oft fest, Werner leidet darunter am meisten. Es kommen keine überraschenden Zuspiele in die Tiefe, deshalb steht er zu oft im Abseitz. Wenn die Doppelbelastung im neuen Jahr so weitergehen würde, dann werden wir solche Spiele noch öfter sehen. Mir persöhnlich wäre es viel lieber, RBL würde in der zweiten Halbserie die Bundesliga wieder richtig aufmischen, dies geht aber nur ohne Doppelbelastung!!!

13.12.2017 12:41 dr. b 2

Da hilft mehr Rote Brause

13.12.2017 11:00 Rumpelstielz 1

Der Autor hat recht; dass der Dosenverein immer noch den zweiten Platz hält, ist nicht eigener Stärke sondern der Schwäche der Konkurrenz geschuldet.
Aber wie sagte doch der Altkanzler Kohl: Wichtig ist, was hinten rauskommt!