Pyrotechnik
Bildrechte: imago/Jan Hübner

Fußball | Diskussion Pyrotechnik: Politik und Fans auf Konfrontationskurs

Im Vorfeld der Ende November in Magdeburg stattfindenden Innenministerkonferenz schlagen die Diskussionen um die Bestrafung von Pyrotechnik in Fußballstadien und Repressionen gegen Fußballfans hohe Wellen. Die Fronten auf beiden Seiten scheinen verhärtet.

Pyrotechnik
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Für Aufregung hatte erst kürzlich Hessens Innenminister Peter Beuth gesorgt. Der CDU-Politiker forderte, das Abbrennen von Pyrotechnik mit einer Gefängnisstrafe zu sanktionieren. "Wer rechtswidrig agiert, der muss damit rechnen, dass er hart bestraft wird", sagte Beuth in dieser Woche im Hessischen Rundfunk. "Wer in einer Menschenmenge mit Pyrotechnik umgeht, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld."

"Vorschlag eines Innenministers unwürdig"

Faninitiativen wehren sich gegen geplante Verschärfung der Gesetze. Als Protest gegen die Pläne der Innenminister gründete sich in Magdeburg das Bündnis #unheimlichsicher, das am Donnerstag (15.11.2018) zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Faninitiativen und Amnesty International lud. Dort wurde der Vorstoß aus Hessen scharf zurückgewiesen. "Solch ein Vorschlag ist eines Innenministers unwürdig", sagt beispielsweise Thomas Gürke, der als Anwalt die Fanhilfe Magdeburg unterstützt. "Der Vorschlag kommt von jemandem, der von der Sache wenig Ahnung hat. Menschen für das Zünden von Rauchtöpfen ins Gefängnis stecken zu wollen, wäre so unverhältnismäßig, dass es überhaupt nicht im Einklang mit unserer Polizei steht."

"Fußballfans Experimentierfeld der Polizei"

René Lau, ebenfalls Anwalt und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte vermutet hinter der Idee aus Hessen Kalkül. "Fußballfans sind das Experimentierfeld der Polizei. Fußballfans bekommen es als Erste zu spüren, wenn die Polizeigesetze verschärft werden", sagt der Berliner, der vermutet: "Die Verschärfung des Tons ist von der Politik gewollt."

Amnesty International fordert unabhängige Untersuchungen

Unterstützung bekommen die Fans von Amnesty International. Andreas Lohner von der Menschenrechtsorganisation hat beobachtet, dass "die Polizeiarbeit im Fußballbereich repressiv, teilweise aggressiv" ist und fordert daher eine "Kennzeichnungspflicht für Beamtinnen und Beamte und unabhängige Untersuchungen der Vorfälle."

DFB-Vize Koch unterstützt Beuth

Während Faninitiativen vor härteren Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik warnen und auf andere Länder wie Dänemark verweisen, wo sogenannte Kaltpyro getestet wird, bekommt Beuth Unterstützung von DFB-Vizepräsident Reiner Koch. "Im Rechtsstaat darf es keine rechtsfreien Räume geben", sagte der Bayer Anfang November: "Der Einsatz von Pyrotechnik ist verboten. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn der Staat Maßnahmen ergreift, die der Polizei und den Sicherheitskräften helfen, für Recht und Ordnung in den Stadienkurven sorgen zu können."

Beuth unterstrich seine Forderung mittlerweile und plädierte auch für Kollektivstrafen: "Wir müssen die ächten, die dem Fußball nichts Gutes wollen."

Lau: "Polizei muss sich verändern"

Lau reagiert auf solche Aussagen mit Kopfschütteln – und ebenfalls mit einer zugespitzen Forderung: "Die Politik sagt, die Fußballfans müssen sich verändern. Es ist genau andersrum, die Polizei muss sich verändern." Gürke ergänzt: "Da werden Begriffe verwendet, die aus der Militärberichterstattung kommen. Dabei ist Entschärfung angesagt."

Proteste während Innenministerkonferenz angekündigt

Die Fronten von Fans, Polizei und Politik scheinen verhärtet. Eine weitere Eskalation droht, wenn sich die Innenminister der Bundesländer vom 28. bis 30. November in Magdeburg treffen und tatsächlich die Verschärfung der Strafen beschließen. Die Fans haben für die Tage schon einmal Proteste angekündigt.

Hamburger Fans zünden Pyrotechnik
Hamburger Fans zündeten am 26. Oktober Pyrotechnik in Magdeburg. (Archiv) Bildrechte: imago/Jan Huebner

dh

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 16. November 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 20:38 Uhr

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18 Kommentare

18.11.2018 11:40 Alex 18

Die Hexenjagd auf Fußballfans nimmt bisweilen bizarre Züge an. Vielleicht soll ja von anderen, wirklichen und gravierenden Problemen abgelenkt werden. Die Politiker sollten sich besser um marodierende Männerhorden, Massenvergewaltigungen, Intensivstraftäter, Libanesenclans etc. kümmern. Selbstredend ist natürlich auch, dass sich mittlerweile Amnesty International der Sache angenommen hat oder das parlamentarische Beobachter zu Fußballspielen müssen um die Polizei zu beobachten um denen Einhalt zu gebieten.

17.11.2018 19:37 Mitleser 17

Koch redet von rechtsfreien Raum und das Pyrotechnik verboten sei...da wirft sich mir die Frage auf was er unter "rechtsfreien Raum" meint und warum Pyrotechnik offiziell verkauft werden darf mit gültigen Sicherheitssiegel...

Macht der DFB da nicht seine eigenen Gesetze? Viele Fragen die die Angelegenheit nur noch mehr verschärfen.

Der DFB sollte mal lieber vor der eigenen Haustüre kehren bevor sie mit solchen Verbalentgleisungen wie "rechtsfreier Raum" um sich werfen!

17.11.2018 15:09 #8 16

@Weimar Blau Gelb Weiß
Dieser Vergleich ist eines Thüringers absolut würdig. Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!

17.11.2018 12:11 Weimar Blau Gelb Weiß 15

@14 Ja genau, nieder mit den Birken rund um die Stadien!!! Es könnte ja ein Zuschauer mit Atemwegserkrankungen anwesend sein!

17.11.2018 10:35 @ #8 14

"3.) Nebeltöpfe etc. sind zwar eklig, weil sie stinken, aber auch nicht dramatisch!"

Und diesen ausgemachten Schwachsinn erzählen Sie mal einem Fan mit Atemwegserkrankungen!

17.11.2018 10:29 Nurmalso 13

Pyrotechnik ist doch langweilig geworden, das interessiert doch kaum noch jemanden. Ist doch auch nur Show was die machen und nichts anderes. Die Ultra-Szene ist doch nichts mehr. Gegen Montagspiele sein, aber trotzdem immer brav ins Stadion rennen. Schmeißt weiter Tennisbälle und macht Stimmungsboykott, dass beeindruckt wirklich alle.

Sport frei aus Bautzen

17.11.2018 10:17 SGDHarzer66 12

Fans sollen zum Experimentierfeld werden - das stimmt!
Bei libanesischen Clans, kriminellen Syrern und Afghanen versagt die Polizei leider regelmäßig.

Oder ist dies schon ein Test für bürgerkriegsähnliche Situationen…? Wer weiß, wer weiß...???

17.11.2018 09:47 Normaler Bürger 11

@10
Welcher normale Bürger war denn aufgrund des Dresdner Marsches zu irgendeiner Zeit nicht geschützt? Wann hast du dich im Allgemeinen überhaupt im Stadion einmal unsicher gefühlt? Das ist doch alles Kokolores und vom Boulevard herbei geredet. Es gibt keinen Grund, sich unsicher zu fühlen. Und aufgrund von kontrolliertem Einsatz von legaler (!) und zertifizierter Pyrotechnik schon gar nicht. Zum Glück sehen das 20.000 Magdeburger regelmäßig auch so. Und zwar die, die Fußball im Stadion und nicht vorm TV gucken. Die stehen bei Pyroshows auf, klatschen Beifall und machen Fotos. Das ist nämlich die Wahrheit und nicht, was uns BILD, Johannes B. Kerner oder Rainer Wendt vermitteln wollen. Lasst euch nicht für dumm verkaufen!

Wer entscheidet zudem, was mit Fußball zu tun hat und was nicht? Du allein? Jeder für sich? Da kann ich mich Ralf R (Kommentar 7) nur anschließen. Einfach auch mal eine andere Meinung akzeptieren. Gut finden musst du es ja trotzdem nicht.

17.11.2018 02:54 OstBürger 10

@2: Ich gebe Dir vollkommen Recht. Pyro gehört in kein Stadion, auch weil es gefährlich für Fans jeglichen Alters ist, die einfach nur Fußball sehen wollen. Und demonstrierende Horden, die teils auch noch vermummt sind, wie einst die Dresdner Fan-Armee in Karlsruhe, braucht kein Mensch. Das hat auch nichts mit Fußball zu tun. Hier muss der Staat mit aller Härte reagieren und die normalen Fans schützen.

17.11.2018 01:42 Kmr 9

@3, seit wann ist ein Stadion Kriegsgebiet? Und das Vermummungsverbot hat auch seinen Sinn. Es gibt immer noch ein Gewaltmonopol, ausser die Herren Anwälte sagen, was sie wirklich wollen - Anarchie. Ja, noch gilt, was jeder Revolutzer kennt- macht kaputt, was euch kaputt macht. Nein Danke, liebes Chemieschwein.

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