Sportchef Ralf Rangnick
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Fußball | Bundesliga Rangnick: "Bei Forsberg habe ich entschieden"

Ralf Rangnick spricht immer Klartext. So auch nach dem 4:1-Sieg von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg. Der Sportdirektor äußerte sich zum Hin und Her bei Emil Forsberg, zum Auf und Ab von Augustin, zum Abschied von Dominik Kaiser und zur Zukunft von Doppeltorschütze Ademola Lookman.

Sportchef Ralf Rangnick
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Welches Gefühl dominierte bei Ihnen nach dem Abpfiff: Freude über das 4:1, oder Ärger darüber, dass RB bei einem Sieg in Mainz jetzt auf einem Champions-League-Platz stehen würde?

Ralf Rangnick: "Mir war schon letzte Woche klar, dass das so sein könnte. Rechnerisch können wir aber immer noch auf einen Champions-League-Platz kommen. Wenn wir gewinnen und Leverkusen sowie Hoffenheim verlieren. Das mag nicht besonders realistisch klingen, ist aber auch nicht völlig ausgeschlossen."

Was war heute anders als zuletzt?

"Das gab es ja in dieser Saison bei uns ja noch nicht so oft, dass man zehn Minuten vor Schluss sagen konnte: Das Spiel ist gegessen. Das hat der Mannschaft gut getan. Heute haben wir unsere Chancen besser verwertet. Hätten wir das schon in Mainz in der Anfangsphase so gemacht, hätte sich Mainz davon wohl auch nicht mehr erholt. Außerdem haben wir heute mal nur ein Tor zugelassen.

Wie sieht Ihre Planung mit Emil Forsberg aus? Er hat heute wieder ein viel- und nichtssagendes Interview gegeben.

"Um mich über viel- und nichtssagende Dinge zu unterhalten, dafür fehlen mir Energie und Zeit. Ich habe in den letzten Monaten mehrmals gesagt, dass wir bis auf Naby Keita alle Leistungsträger zusammenhalten werden. Für mich gehört Emil Forsberg zu den Leistungsträgern, auch wenn er diese Saison nicht nahtlos an die vorherige anknüpfen konnte. Was nicht nur für ihn gilt, sondern auch für andere. Trotzdem ist er ganz klar ein Leistungsträger. Deswegen denke ich keine Sekunde darüber nach, dass Emil den Verein verlassen könnte. Das können Sie mich gern noch zehn Mal fragen, aber meine Antwort wird immer die gleiche sein. Sie kennen mich nun schon ein paar Jahre und sollten wissen, dass ich meine Meinung nicht wöchentlich oder monatlich ändere."

Weiß das Emil Forsberg auch?

"Ja, das weiß er auch. Dieses Spiel macht keinen Sinn. Wenn es nach mir geht, bleibt Emil Forsberg. Und in den letzten sechs Jahren ging es im Verein nach mir. Also wird er nächstes Jahr hier spielen."

Im Bild v.l.: Co Trainer Zsolt Löw (RB Leipzig) und Emil Forsberg (10, RB Leipzig).
Emil Forsberg und Co-Trainer Zsolt Löw Bildrechte: imago/Picture Point LE

Jean-Kevin Augustin (20) hat heute ein gutes Spiel gemacht. Zuletzt lief es bei ihm eher durchschnittlich. Woran liegt dieses ständige Auf und Ab bei ihm? Am Alter?

"Wir sind uns alle einig, dass es bei ihm nicht an fehlendem Talent liegt. Talent hat er eher im Überfluss. Der Schlüssel liegt darin, mit welcher Mentalität und Einstellung er das Talent auf den Platz bringen möchte. Und was er bereit ist zu investieren, um sich zu verbessern. Das, was er heute gezeigt hat, war gut und ist für mich Benchmark. Das möchte ich von ihm in jedem Spiel sehen. Dabei muss er nicht in jedem Spiel ein Tor machen und eins vorbereiten."

Es ist also nur eine Kopfsache?

"Ja. Ändern muss er es selbst. Wir können ihm nur gut zureden oder in den Hintern treten. Von mir bekommt er im Moment eher das Zweite. Immer noch. Egal, ob bei uns oder in einer anderen Liga: Wenn er ein Spitzenspieler werden will, müssen solche Leistungen wie heute Normalität sein. Dann darf man nicht sagen 'Oh, heute war er aber gut!', sondern 'Für mich war er heute normal'."

Heute war Dominik Kaisers letztes Bundesliga-Heimspiel für RB. Wie sehr werden Sie ihn vermissen?

"Ich fand großartig, dass er bei seiner Auswechslung dieses Szenenapplaus bekommen hat. Wenn das einer verdient hat, dann er. Sie haben es ja gesehen: Alle Spieler sind zu ihm hingelaufen. Selbst Spieler, die erst ein Jahr bei uns sind, wissen um die Person und die Rolle, die er spielt. Dafür, dass er schon lange keine 90 Minuten mehr bei uns gespielt hat, hat er es richtig gut gemacht. Wenn wir als junger Verein jemanden haben, der ein Gesicht für den Verein ist, dann ist das Dominik Kaiser."

Gibt es für Kaiser einen Weg zurück zu RB, nur halt in einer anderen Funktion?

"Na klar, das weiß Dominik auch. Wenn er nicht noch so jung wäre, würden wir schon jetzt darüber sprechen. Aber dafür ist er noch zu fit und mit 29 eben noch zu jung. Wenn er irgendwann seine sportliche Karriere beendet, kann er jederzeit zurückkommen. Und das nicht nur zur Hintertür."

Für Ademola Lookman (20/bis Saisonende vom FC Everton geliehen; zwei Tore gegen Wolfsburg; d.Red.) war das heute wie ein Bewerbungsspiel für die neue Saison. Wie sind die Chancen, ihn zu behalten?

"Das kann ich heute noch nicht sagen. Dass wir von ihm viel halten, ist klar. Sonst hätten wir ihn im Winter nicht geholt. Langsam bestätigt er das auch. Dabei hatten wir nicht mal richtig Zeit, uns um den Jungen zu kümmern. Außerdem kam er in einer Phase zu uns, wo es nicht gerade gut lief. Dafür macht er es richtig gut. Auch heute. In seiner Entwicklung ist natürlich noch Luft nach oben, aber man darf nicht vergessen, wie alt er ist. Was die nächste Saison betrifft, ist das allerdings Kaffeesatz-Leserei. Das hängt sicher auch davon ab, was er selbst will. Aber es ist auch abhängig davon, was in Everton passiert. Wer wird dort Trainer? Wer hat dort das Sagen? Die können das dort über Lookman entscheiden. So wie wir bei Emil Forsberg. Bei Forsberg habe ich entschieden."

Ademola Lookman und Jeffrey Bruma
Ademola Lookman (li.) gegen Wolfsburgs Bruma Bildrechte: Picture Point

Die geforderte Ablösesumme kennen Sie noch nicht?

"Nein, aber das ist im Moment auch noch nicht wichtig. Derzeit ist er auf Leihbasis hier. Mit der Sache beschäftigen wir uns Montag in einer Woche. Jetzt konzentrieren wir uns auf das letzte Spiel. Wie wichtig das ist, zeigt ja der Umstand, dass wir noch Vierter, aber auch Neunter werden können."

Was stimmt Sie optimistisch?

"Wir haben letztes Jahr in Berlin einen wichtigen Sieg gelandet. Das trauen wir uns auch dieses Mal zu. Dass so ein Sieg nicht im Vorbeigehen kommt, ist klar. Aber durch den Sieg heute hat die Mannschaft den Glauben an sich selbst zurückgewonnen."

(notiert von Sven Kups)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 06. Mai 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2018, 10:50 Uhr

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10 Kommentare

07.05.2018 22:10 Rasenballermann 10

Bitte Keita im letzten Spiel im offensiven Mittelfeld aufstellen und mittelfristig Lookman und Haidara leihen oder kaufen. In der Sommerpause Standards trainieren. Da kam diese Saison gar nichts. Danke.

07.05.2018 21:39 RBLer 9

Die Aussage von Ralf Rangnick ist löblich, aber ein unzufriedener Forsberg bringt uns nicht weiter. Der lässt sich andauernd neue Flöhe von seinem "Berater" ins Ohr setzen und das sieht man dann auf dem Platz. Nach hinten dackelt er dann nur halbherzig hinterher. Also wenn jemand kommt und ein unanständiges Angebot macht, dann sollte man die Kohle nehmen und sie in Spieler mit Potential und der entsprechenden Mentalität investieren.

06.05.2018 21:21 Roter Bulle 8

Habe heute Aue gegen Dresden gesehen. Das war Absprache oder Angsthasenfußball. Nicht schön anzusehen, das Ganze. Da lob ich mir mein Leipzig.

06.05.2018 21:17 Klatschpappe 7

Für Lookman sieht es gut aus. So wie ich dies sehe spielt Everton nächste Saison nicht international und hängt hinter den Top-Teams zurück. Was soll Lookman da? Keita dagegen hat alles richtig gemacht. Liverpool spielt bei noch einem Sieg nächste Saison wieder CL und schlägt vielleicht noch Real.

06.05.2018 18:14 FUßBALLFREUND 6

Es war wieder möglich zu gewinnen,und dies ohne Forsberg und K.Geht doch!Und Kaiser ,eine echte Symbolfigur für diesen Verein.Es ist nicht zu erklären,warum es immer wieder Leute gibt,die ihren Frust über diesen Verein auslassen.Man sollte froh sein,diesen Verein in Sachsen zu haben.Es sieht doch sonst trostlos aus.

06.05.2018 17:17 Quentin aus Mondragies 5

Rote Brause war schon zu Ostzeiten Kult. Von mir auch Dank an Herrn Rangnick für den tollen, unterhaltsamen Fußball, den RB spielt und den Gegnern abverlangt. Wenn sie verloren haben, hat der Gegner tollen Fußball gespielt. Wenn man Fußball mag, gibt es bei RB immer was zu sehen.

06.05.2018 14:50 MR51 4

@2: Kannst Du Deine hirnlosen Kommentare nicht in Deinem Keller ablassen?

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06.05.2018 14:45 Pombär 3

Gegen Golfsburg in dieser Verfassung hätte auch Meuselwitz gewonnen...

06.05.2018 12:51 No-Rangnick-Fan 2

Hoffentlich ist der Limospuk bald vorbei.
Lieselotte Müller übernehmen sie bitte

06.05.2018 10:33 Rangnick-Fan 1

Danke Ralf Rangnick auch für diese Saison. Der Fußball ist zwar diese Saison nicht so erfolgreich gewesen, aber immer schön anzuschauen. Ich gehe gerne aufs Stadion und saß gestern auch wieder neben netten Wolfsburg-Fans. Es ist weiterhin ein Erlebnis für Familien. Keine Schmähgesänge, Pyrotechnik, Randale und sonstiger Mist. Sowas braucht kein echter Fußball-Fan. Freut mich auch, dass der Kader nahezu zusammenbleibt. Der Verlust von Keita tut mir leid. Alleine für ihn hat sich ein Stadionbesuch fast immer gelohnt. Über eine weitere Leihe oder Verpflichtung von Lookman würde ich mich freuen. Bitte den Kader von Salzburg nicht zu sehr ausdünnen. Die haben eine CL-Teilnahme verdient.