Fußball | Bundesliga 100 Tage Marsch - RB Leipzigs Trainer verteidigt seinen Stil

Jesse Marsch ist mit viel Euphorie in das Abenteuer RB Leipzig gestartet und hat sie durch seine sympathische Art auch im und um den Verein entfacht. Die erste Zwischenbilanz nach 100 Tagen als Cheftrainer fällt allerdings weniger euphorisch aus. RB Leipzig läuft den Saisonzielen bisher klar hinterher, was auch am US-Amerikaner nicht spurlos vorbeigeht. Seine Herangehensweise will Marsch dennoch nicht ändern.

Jesse Marsch RB Leipzig
Die ersten 100 Tage waren eine Achterbahn-Fahrt für Jesse Marsch und RB Leipzig. (Archiv) Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Hinter RB Leipzig und Jesse Marsch liegt eine schwierige Phase. Die Fußstapfen seines Vorgängers Julian Nagelsmann sind offenbar größer als gedacht, die Umstellung auf ein neues System und eine neue Spielweise fällt den Spielern sichtlich schwer. Die Abgänge der Leistungsträger Marcel Sabitzer, Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté erschweren den Umbruch zusätzlich.

Achterbahnfahrt zieht sich durch die Saison

Das Ergebnis all dieser Faktoren ist eine in Leipzig so kaum gekannte Inkonstanz. 1:4 gegen den FC Bayern, 3:6 bei Manchester City, 6:0 gegen Hertha BSC, 1:2 gegen den FC Brügge und zuletzt 3:0 gegen Aufsteiger Bochum. Diese Achterbahnfahrt sorgt auf den Fan-Tribünen für Unruhe, nicht aber bei Marsch. Bei ihm weckt sie eher den Ehrgeiz. "Es ist auch nicht schlecht, wenn wir für alles kämpfen müssen", so Marsch. Auch gegen Bochum war das nötig, denn trotz des klaren Erfolgs entwickelte sich der Kampf um die Tore, wie so oft in dieser Saison, zum Geduldsspiel.

Jesse Marsch
Jesse Marsch ist weiter mit viel Elan und Ehrgeiz bei der Sache. (Archiv) Bildrechte: imago images/MIS

Marsch: "Es braucht Zeit"

Seine Herangehensweise als Trainer will Marsch dennoch nicht ändern und hält sie für richtig. "Es tut mir leid, wenn ich das so sage, aber in Deutschland gibt ein Trainer oft einiges vor, und der Spieler sagt: 'okay'", sagte der US-Amerikaner im Interview mit der "Sport Bild". Seine Art sei anders: "Wir tauschen uns über alles aus, um zu erfahren, was für die Gruppe wichtig ist, um top zu sein" - und weil er "nicht bis ins letzte Detail vorgebe, wie sich die Spieler zu verhalten haben". Er sei zu "100 Prozent sicher, dass das der beste Weg ist. Aber es ist für viele Spieler neu." Es brauche Zeit, "damit die Jungs mich verstehen und ich die Jungs." Marsch sucht das richtige Fingerspitzengefühl, um mit seinen Spielern den Spagat zwischen "Umbruch vorantreiben" und "Anschluss nicht verlieren" zu meistern.

Marsch will Titel gewinnen

Den Anschluss in der Tabelle hat RB Leipzig durch den Sieg gegen Bochum als Achter immerhin wieder hergestellt - auch wenn es in dem Fall nur um die Europapokal-Plätze geht. Den hohen Ansprüchen des Klubs genügt das noch lange nicht und Marsch zeigt sich wieder ehrgeizig und mit Blick nach vorn: "Ich denke nicht zuallererst an Sieg oder Niederlage - auch wenn es natürlich mein Job ist, Spiele zu gewinnen. Für mich ist es aber nicht der Endpunkt, dass wir uns am Saisonende wieder für die Champions League qualifizieren. Mein Ziel ist es, mit dieser Mannschaft in der Zukunft einen Titel zu holen." Dem Trainer ist klar, dass sich dieses Ziel durch das Auf und Ab der vergangenen Wochen "vielleicht noch weit weg" anfühle, aber dieses Ziel würden die Spieler auch nicht an einem einzigen Tag erreichen.

Trink - und Coachingpause mit Trainer Jesse Marsch (mi., RB Leipzig)während einer Behandlungsunterbrechung
Ein Titel mit RB Leipzig ist das Ziel von Jesse Marsch. (Archiv) Bildrechte: Picture Point

Vereinsführung steht hinter dem Trainer

Trainer und Mannschaft müssen also noch richtig zusammenfinden. Die Frage, ob es dafür im Trainerstab zu wenig Erfahrung gebe, was die Liga betrifft, verneinte der 47-Jährige, der in Leipzig zum ersten Mal als Cheftrainer in der Bundesliga arbeitet. Er habe mit Achim Beierlorzer, Marco Kurth und Freddy Gößling ein gutes Team. "Wir brauchen da keine zusätzlichen Kräfte", so Marsch. Dennoch ist klar: Er braucht Ergebnisse und zwar konstant, denn sonst droht die Unterstützung, die er aktuell noch von der Vereinsführung genießt, irgendwann zu schwinden.

(ten/dpa/sid)

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Viele Fans in einem Stadion.
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Ein Fussballer beim Schuss.
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CZ Jena - TSG Hoffenheim
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 08. Oktober 2021 | 19:30 Uhr

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