Fußball | Bundesliga Deutscher Meister RB Leipzig? Was für und gegen RB im Titelkampf spricht

Nicht wenige hatten sich bereits mit dem neunten Meistertitel des FC Bayern München in Folge abgefunden. Doch seit dem vergangenen Wochenende herrscht plötzlich wieder Spannung im Titelrennen. Fakt ist: RB Leipzig kann aus eigener Kraft für eine Wachablösung im deutschen Profifußball sorgen.

 Javi Martinez Bayern München, Leon Goretzka Bayern München und Jerome Boateng Bayern München gegen Emil Forsberg RB Leipzig, Niklas Süle Bayern München
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Da waren es nur noch zwei Zähler. RB Leipzig hat die Spannung im Kampf um die Meisterschale neu entfacht. Dank eines souveränen 3:0-Erfolgs gegen Hertha BSC hat das Team von Julian Nagelsmann die jüngsten Patzer des FC Bayern München eiskalt ausgenutzt und aus grauer Monotonie einen vielversprechenden Zweikampf an der Tabellenspitze der Bundesliga gemacht. Einen Duell, an das viele Fans kaum noch geglaubt haben.

Dank Bayern-Patzer - RB pirscht sich ran

Noch vor zwei Wochen hatte Bayern München satte sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Leipzig. Zwei Spieltage später sieht die Situation deutlich anders. Während sich der deutsche Rekordmeister - nach einem historisch erfolgreichen Jahr mit sechs (!) Titeln - zwei Ausrutscher in Folge leistete (3:3 gegen Bielefeld, 1:2 gegen Frankfurt), hat sich RB dank vier Bundesliga-Dreier in Folge herangepirscht.

Marcel Sabitzer (7, RB Leipzig) trifft per Foulelfmeter zum 2:0.
Marcel Sabitzer nimmt die Rolle des Herausforderers an. Bildrechte: PICTURE POINT / Petzsche

Fakt ist: Das Team von Nagelsmann traut sich den Titel-Coup zu. "Es ist jetzt ein Zweikampf", machte der gegen Hertha überragende Kapitän Marcel Sabitzer nach dem Schlusspfiff am "Sky"-Mikrofon unmissverständlich klar. "Aber wir dürfen nicht nur darüber reden, wir müssen dranbleiben, fokussiert sein. Dann kann es am Ende reichen." Yussuf Poulsen schlug in die gleiche Kerbe und versprach einen "geilen Kampf" an der Tabellenspitze: "Wir nehmen es gerne an, dass wir jetzt schon ein bisschen näher dran sind."

Erlebt RB ein bitteres Deja-vu?

Doch hat RB tatsächlich das Zeug zum Titel? Bekanntlich sorgten die Leipziger auch in der Vorsaison für ordentlich Furore und führten die Tabelle zwischenzeitlich sogar an. Was folgte, war eine große Schwächephase, an deren Ende ein dritter Rang stand – mit 16 Punkten Rückstand auf die Bayern. Das, glaubt Nagelsmann, passiert seiner Mannschaft nicht noch einmal. "Ich habe schon den Anspruch, dass sich mein Team innerhalb eines Jahres entwickelt. Ich glaube, wir haben uns in allen Bereichen entwickelt", sagte der Coach: "Sollte die Entwicklung weitergehen, kann es eine gute Saison werden."

Julian Nagelsmann
Könnte mit RB Leipzig zum ganz großen Wurf ausholen: Cheftrainer Julian Nagelsmann. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Noch sind zwölf Spieltage zu absolvieren. Bis dahin haben beide Teams noch ordentliche Bretter in der Liga zu bohren, sind zudem beide noch in der Königsklasse vertreten. RB kämpft darüber hinaus noch um den DFB-Pokal. Ein Leipziger Titelgewinn in der Bundesliga ist aber durchaus möglich - und könnte am Ende von folgenden Faktoren abhängen:

Pro

Restprogramm: Leipzig hat alles in der eigenen Hand. Schon am nächsten Spieltag kann RB vorne sein. Und der Spielplan meint es gut. Alle Konkurrenten aus den Top Vier gastieren noch in der Messestadt. Zum Meister-Showdown kommt es am Osterwochenende. Karsamstag (3. April) kommen die Bayern, die haben die vergangenen drei Spiele in Leipzig nicht gewonnen.

Typen: Bayern hat sein Mentalitätsmonster Joshua Kimmich, RB hat gleich mehrere. Sabitzer, Willi Orban oder Yussuf Poulsen gehören zwar nicht zu den brillantesten Fußballern der Welt, können aber eine Mannschaft mitreißen, aufbauen und im Spiel coachen. Hinzu kommt Torwart Peter Gulacsi, der in entscheidenden Momenten oft herausragend agiert und keine Angst vor großen Duellen hat.

Bestwerte: In zwei Kategorien ist Leipzig schon top. Das beste Heimteam und die beste Abwehr stellt RB. Gerade die Defensive könnte den Ausschlag geben. Die Fußball-Weisheit kennt man auch in Leipzig: Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Titel.

Fitness: Februar und März hat Nagelsmann als neuralgische Monate ausgemacht. Schlechte Plätze, Müdigkeit in der Corona-Saison. Verletzungen können zur Gefahrenquelle werden. Derzeit steht RB gut da. Wenige Ausfälle sind zu beklagen. Ausfälle, wie die vom künftigen Münchner Dayot Upamecano, werden kompensiert. Und im Gegensatz zu den Bayern gibt es derzeit auch keine positiven Corona-Fälle.

Torwart Peter Gulacsi RB Leipzig und Dayot Upamecano RB Leipzig klären vor Leroy Sane Bayern München und Robert Lewandowski
Am 3. April könnte es zum Showdown zwischen RB und Bayern in Leipzig kommen. Bildrechte: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S/Pool

Contra

Torflaute: Das Spiel bei der Hertha hat erneut die Leipziger Schwachstelle im Sturm offengelegt. Im Vergleich zum Vorjahr hat RB nach 22 Spielen 16 Tore weniger geschossen, was zweifelsohne an den nicht ersetzbaren Abgängen von Timo Werner und Patrik Schick liegt. Hätte man die 16 Tore mehr, "wären wir vielleicht Tabellenführer", meinte Nagelsmann.

Topspiel-Bilanz: Während RB in der Champions League europäischeTop-Mannschaften schlägt, ist das Team in der Liga gehemmt, wenn es gegen Kaliber wie die Bayern oder den BVB geht. Das 1:0 Ende Januar gegen Leverkusen war Nagelsmanns erster Bundesliga-Erfolg als RB-Coach gegen eine Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt unter den besten Vier stand.

Dreifach-Belastung: Leipzig ist noch in drei Wettbewerben vertreten, was die Mannschaft körperlich gut wegsteckt. Mental könnte es aber eine Herausforderung werden, wenn die Ergebnisse nicht mehr stimmen und man eine Titelchance wie den DFB-Pokal immer im Hinterkopf hat.

Titelkampf-Erfahrung: Leipzig hat wenig Erfahrung darin, in einem Wettbewerb bis zum Ende um den Titel zu spielen. Und wenn doch, gab es klare Pleiten. Das Pokalfinale 2019 und das Halbfinale der Champions League 2020 wurden jeweils 0:3 verloren. In der Liga brach man als Herbstmeister der vergangenen Saison in der Rückrunde ein.

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jsc/dpa/sid

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. Februar 2021 | 19:30 Uhr

33 Kommentare

Voice vor 1 Wochen

Es lässt sich trefflich spekulieren, wer warum Meister werden könnte. Ebenso lässt sich wunderbar fabulieren wer wessen Favorit auf die Meisterschaft ist und auch warum.
Letzten Endes haben alle hier darauf keinen Einfluss. Meiner Meinung nach ist RB noch nicht reif dafür. Sollte sich aber aufgrund der Tabellensituation und des Restprogramms was ergeben, würde ich mich sehr darüber freuen. Auch wenn mal wieder Chemie was reißen würde, wäre die Freude nicht geringer. Letzteres halte ich für ausgeschlossen, gehe aber trotzdem weiter zum AKS(wenn es wieder möglich ist) um zu unterstützen. Herrlich, bei der einen Mannschaft kriege ich Bratwurschtqualm, Schalmeien und viel grün-weisse Tradition. Bei der anderen Mannschaft Fußball höchster Qualität mit CL und vorn dabei in der BL. Und das alles in einer Stadt. Besser geht es nicht!!

Beste Grüße aus der Messestadt!!

Storch Heiner vor 1 Wochen

"Ich sage immer wieder, weder RB noch Bayern. Alles nur mit Gekd gepushte Clubs"

ist Unsinn, weil 1900 Bayern München gegründet, in Nazizeit gegen Juden missbraucht und lange hinter 1860 München lag bevor in den 1960 der "Kaiser" + "Bomber" sowie die legendären Grundstein für jahrzehntelangen Erfolg legten
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mit österreichischer Brausebude überhaupt nicht zu vergleichen !!!

Generation 55 vor 1 Wochen

"Ich gönne RB die Meisterschaft und den Pokal und vieles mehr."

DAUMEN RUNTER

solch reines Finanz-Konstrukt gehört nicht in Deutschlands Bundesliga und sollte nicht mit TraditionsClub spielen dürfen.

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