Fußball | Bundesliga SC Freiburg: Hochgefühle, Beständigkeit, Standards

Der SC Freiburg gilt als einer der sympathischsten Vereine der Bundesliga. Das liegt nicht nur an ihrem Trainer. Die Breisgauer sind sozial engagiert, gehen in Sachen Umweltschutz voran und strahlen im Fußball das aus, was viele immer nur fordern: Ruhe und Beständigkeit.

Logo des SC Freiburg
Bildrechte: imago images/Sportfoto Rudel

Kurze Historie

Der SC Freiburg entstand 1912 durch die (damals gängige) Fusion zweier Klubs, die beide 1904 gegründet wurden und bis zur Vereinigung mehrfach die Namen und Spielorte wechselten. Der FC Schwalbe wurde zum FC Mars (1905) und dann zum FC Union (1908). Der zwei Monate ältere Freiburger FV 04 musste sich 1910 in SV 04 umbenennen.

Der entstandene SC Freiburg stand lange im Schatten des Freiburger FC. 1978 spielten, nach dem Aufstieg des SC, beide Vereine erstmals gemeinsam in der 2. Bundesliga. 1980 dann wechselte die lokale Rangfolge in Sachen Erfolg. Der FFC spielt jetzt übrigens in der Oberliga Baden-Württemberg.

Stuttgarter Kickers - SC Freiburg
1978: andere Zeit, anderer Fußball (Szene aus Freiburg gegen Stuttgarter Kickers) Bildrechte: imago/Pressefoto Baumann

Letzte Saison

Dass der Klub einen langen Atem hat, bewies er zu Beginn der vergangenen Spielzeit, als auch nach neun sieglosen Bundesliga-Partien in Folge keine echte Unruhe aufkam. Letztlich landete Freiburg am Ende auf Rang zehn, konnte sich vor dem letzten Spieltag sogar noch Hoffnung auf ein Ticket für den Europapokal machen.

Bilanz gegen RB Leipzig

Die beiden Duelle der letzten Saison verlor Freiburg jeweils 0:3. Davor war die Bilanz allerdings ausgeglichen. Jetzt steht der SC bei 4 Siegen, 2 Remis und 6 Niederlagen.

Aktuelle Saison

Derzeit befindet sich der SC Freiburg in einem beeindruckenden Hoch, ist als einziges Bundesliga-Team nach sieben Spielen noch ungeschlagen und liegt auf Rang vier – nur einen Punkt hinter den Bayern. Zu den vier Siegen gehört auch ein 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund und Erling Haaland.

Pro und Kontra

Sucht man bei Freiburg nach den Löchern im derzeit sehr hochwertigen Käse, findet man diverse Ungenauigkeiten im Spielaufbau, mit denen es sich die Breigauer oft selber schwer machen. Dieses Manko machen sie aber mit großer Laufbereitschaft und Mannschaftsgeist wieder wett. Nichtsdestotrotz läuft es spielerisch ziemlich gut. So richtig gefährlich ist der SC aber auch in dieser Saison vor allem bei  Standards. Beim letzten Sieg (2:1 gegen Hertha) fielen beide Tore nach Eckbällen. Es waren die Tore vier und fünf in dieser Bundesliga-Saison nach ruhenden Bällen. Sechs fielen aus dem Spiel heraus.

Der Edeljoker: Nils Petersen

Er ist seit sechs Jahren in Freiburg, und nach seiner überstandenen Meniskusverletzung im Sommer knipst er jetzt wieder. Natürlich als Joker. Gegen Hertha schoss er das Siegtor genau 104 Sekunden nach seiner Einwechslung. Der Treffer war Nils Petersens Jokertor Nr. 30 – das ist der Spitzenwert in der Bundesliga-Geschichte.

Handshake zwischen Nils Peterson und Trainer Christian Streich
Kommt und knipst gern: Nils Petersen Bildrechte: imago/Witters Sportphoto

Aktuell treffsicher: Vincenzo Grifo

Der italienische Linksaußen (sechs Länderspiel-Einsätze) ist gerade gut drauf und schoss sich in die Freiburger Geschichtsbücher: Grifo erzielte das letzte SC-Tor im alten Dreisamstadion (3:0 gegen Augsburg) und markierte auch noch die ersten beiden Treffer im nigelnagelneuen Europa-Park-Stadion (3:0 gegen St. Pauli).

Jung und aufstrebend: Kevin Schade

Der SC Freiburg hat diverse Rohdiamanten im Kader. Einer ist Offensivspieler Kevin Schade. Der 19-Jährige wurde im Sommer aus Freiburgs U23 (3. Liga) hochgezogen, absolvierte schon vier Einsätze und holte sich in der Länderspielpause zusätzliches Selbstvertrauen: In seinen ersten beiden Partien für die deutsche U21-Auswahl (3:2 gegen Israel, 5:1 gegen Ungarn) traf er drei Mal.

Stabil und beständig: Die Abwehr

Fünf Gegentore in sieben Punktspielen: das ist aktueller Spitzenwert in der Bundesliga. Großen Anteil daran haben die Abwehrspieler Lukas Kübler, Manuel Gulde und Philipp Lienhart. Sie sind eingespielt und aufeinander abgestimmt – immer hin spielen sie schon seit 2015, 2016 bzw. 2017 in Freiburg.

Einziger Einkauf: Maximilian Eggestein

Eigentlich ist Eggestein ja ein norddeutscher Jung‘. Aber der 24-jährige wagte nach zehn Jahren in Bremen und dem Werder-Abstieg letzte Saison etwas Neues. In Freiburg, wo Beständigkeit ja Trumpf ist, könnte er tatsächlich eine neue Heimat finden. Eggestein ist beim SC der Ersatz für den nach Frankreich heimgekehrten  Baptiste Santamaria (14 Mio. Euro Ablöse) – und ist Freiburgs einziger Sommer-Einkauf (5 Mio.).

Milot Rashica (Werder Bremen), hinten Maximilian Eggestein (Werder Bremen)
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Klug und sympathisch: Trainer Christian Streich

Christian Streich stand als Spieler in zehn Bundesliga-Partien auf dem Rasen. Das war in der Saison 1989/90 für den FC Homburg. Für den SC Freiburg kickte er in der 2. Bundesliga. Als Trainer von Freiburgs Aushängeschild macht er Ende Dezember sein zehntes Jahr voll. Damit ist er der mit Abstand dienstälteste Coach der Bundesliga. Christian Streich ist einer der charismatischsten und beliebtesten Trainer. Der 55-Jährige blickt gern über den sportlichen Tellerrand hinaus – das hat allerdings auch immer Hand und Fuß.

v.l. Christian Streich (SC Freiburg, Trainer) gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen
Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Ein neues Stadion

Die Partie gegen RB Leipzig ist Freiburgs Pflichtspiel-Premiere im nagelneuen Europa-Park-Stadion. 80 Mio. Euro kostete der in drei Jahren errichtete Neubau, der einer GmbH gehört, deren Anteile von der Stadt Freiburg gehalten werden. Zur Finanzierung steuerte der SC reichlich 25 Mio. Euro Eigenkapital bei. In die Arena passen über 10.000 Zuschauer mehr hinein als ins alte Dreisamstadion. Auch was die Businessplätze und Logen betrifft, ist die neue Arena deutlich besser ausgerüstet.

Logo des SC Freiburg
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Sven Kups

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