Fußball | Corona-Pandemie So planen die sächsischen Clubs die Zulassung von Zuschauern

Der Freistaat Sachsen hat in Aussicht gestellt, ab September wieder Zuschauer in die Fußball-Stadien zu lassen. Voraussetzung sei ein geeignetes Hygienekonzept. Doch wie sieht dieses aus und welcher Club möchte mit wie vielen Zuschauern loslegen? "Sport im Osten" hat nachgefragt.

Leipzigs Angelino läuft zum Eckstoß vor leeren Zuschauerrängen an.
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Ab 1. September 2020 sollen in Sachsen wieder Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern und damit auch Fußball-Spiele über die Bühne gehen. Voraussetzung sei "eine Nachverfolgbarkeit der Kontakte sowie ein geeignetes Hygienekonzept", sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag (07.07.2020). Zudem müssten Großveranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen mit genügend Vorlauf geplant werden. Während für die Profiligen derzeit ein bundesweites Hygienekonzept erarbeitet wird, fiebert man in der Regionalliga Nordost zunächst einem konkreten Starttermin der Saison entgegen.

RB Leipzig erstellt Hygienekonzept

Bundesligist RB Leipzig hat in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt ein Hygienekonzept erstellt, um die Serie der "Geisterspiele" zu beenden. Dabei würde RBL weitere finanzielle Einbußen billigen, wie Geschäftsführer Oliver Mintzlaff im "Kicker" (06.07.2020) erklärte. Demnach sollen in der neuen Saison 50 Prozent der Fans (mehr als 20.000 Zuschauer) mit personalisierten Tickets ins Stadion dürfen.

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann mit Maske vor der leeren Tribüne.
RB-Trainer Julian Nagelsmann beim Geisterspiel gegen den SC Freiburg. Bildrechte: dpa

Jeder Zuschauer soll einen festen Sitzplatz haben, die Plätze links und rechts bleiben frei. Bei Familien oder Personen aus einem Haushalt ist kein Sicherheitsabstand nötig. Für alle Zuschauer gilt Maskenpflicht. Bei den vorgestellten Plänen handelt es sich allerdings um einen Entwurf, ein Hygienekonzept für jeden Verein muss erst genehmigt werden.

Auch Aue will vor Zuschauern spielen

Zweitligist FC Erzgebirge Aue setzt auf das Konzept, das derzeit von der Deutschen Fußball Liga erarbeitet wird. Und Präsident Helge Leonhardt setzt auf eine baldige Rückkehr der Zuschauer in die Stadien: "Es wäre wichtig für die Gesellschaft. Wenn man die Regeln beachtet und ein ordentliches Konzept hat, ist es unwahrscheinlich wichtig. [...] Geisterspiele waren eine Notwendigkeit, aber nun müssen wir uns unter Einhalten von Kriterien weiter öffnen. Die Fans sind die Seele des Vereins. Vorher sollte man die Saison nicht beginnen", sagte Leonhardt am Donnerstag in einer vereinseigenen Interviewrunde.

Helge Leonhardt
Aue-Präsident Helge Leonhardt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dynamo arbeitet mit aktiver Fanszene

Auch Dynamo Dresden nimmt die geplanten Lockerungen positiv auf. "Spiele ohne Zuschauer können nur die Ultima Ratio sein, weil wir unseren Sport doch gerade deshalb ausüben, um Wochenende für Wochenende tausende Menschen in unseren Stadien zu begeistern", erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born auf MDR-Nachfrage. Zusammen mit der aktiven Fanszene arbeitet die SGD an einem Hygienekonzept für die Spiele im Rudolf-Harbig-Stadion. Wie die meisten Vereine möchte Dynamo eine optimale Auslastung des Stadions, doch die finale Entscheidung liegt auch in Dresden beim Gesundheitsamt. Ab welcher Zuschauerzahl sich die Öffnung des Stadions aus finanzieller Sicht lohnt, hängt Born zufolge von diversen Faktoren ab.

Michael Born
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born Bildrechte: IMAGO

FSV Zwickau setzt auf Mitglieder

Maskenpflicht, personalisierte Tickets und freie Plätze mittendrin: Drittligist FSV Zwickau orientiert sich am Hygienekonzept von RB Leipzig. Die Westsachsen haben eine Kapazität von mehr als 10.000 Zuschauern und wollen knapp 4.500 Fans ins Stadion lassen. Laut FSV-Vorstandssprecher Tobias Leege sollen die Karten zunächst an Mitglieder und Dauerkarteninhaber gehen. Die restlichen Tickets gehen dann in den freien Verkauf.

Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau 1 min
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Mi 08.07.2020 20:57Uhr 00:50 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-425964.html

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CFC orientiert sich an RB-Konzept

Auch der Chemnitzer FC orientiert sich am Hygienekonzept von RB Leipzig. Der Drittliga-Absteiger ist Mitglied im Zusammenschluss "TeamSport Sachsen" und plant mit etwa 2.000 Zuschauern.

Chemie Leipzig fiebert Starttermin entgegen

Regionalligist BSG Chemie Leipzig hofft hingegen auf den angepeilten Zuschauerschnitt von 3.000. Doch um mit den Planungen (einschließlich eines Hygienekonzeptes) "richtig beginnen zu können", benötigt die BSG zunächst einen konkreten Starttermin der neuen Saison. Das betonte Pressesprecher René Jacobi auf MDR-Nachfrage. Aktuell prüfen die Leutzscher mit Sicherheitsexperten die Gegebenheiten im Alfred-Kunze-Sportpark, damit möglichst alle Zuschauer am Geschehen teilhaben können.

Alfred-Kunze-Sportpark
Alfred-Kunze-Sportpark Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Lok Leipzig wartet NOFV-Videokonferenz ab

Anders ist die Situation beim Leipziger Stadtrivalen 1. FC Lok. Geschäftsführer Martin Mieth sagte dem MDR: "Wir kennen die Anforderungen des Landes und des Fußballverbandes noch nicht. Wir warten zunächst die Videokonferenz des NOFV am Freitag ab und richten uns nach den Vorgaben des Verbandes." Zwei Tage nach der Entscheidung der Politik sei es Lok nicht möglich gewesen, ein detailliertes Konzept zu entwickeln, so Mieth.

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dh/fth

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 10. Juli 2020 | 19:30 Uhr

2 Kommentare

Udo841 vor 4 Wochen

Unter Maske gehe ich nicht in ein Stadion.

seikilos vor 4 Wochen

Bitte lieber MDR , neues von Dünamo in Zukunft unter 3. Liga.