Fußball | Bundesliga Söder und Laschet kritisieren RB Leipzig - Nagelsmann kontert

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat deutliche Kritik am Zuschauer-Sonderweg von RB Leipzig geäußert. Unterstützungen erhält er dabei von seinem NRW-Amtskollegen Armin Laschet. Beiden weht aber von vielen Seiten Wind entgegen. Unter anderem begrüßte DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Leipziger Weg. Am Cottaweg stößt die Meinung der Landesfürsten auf zuckende Schultern - das Hauptaugenmerk der RasenBaller liegt weiter auf der Suche nach einem Werner-Nachfolger. Und diese stockt aktuell.

Armin Laschet und Markus Söder
Armin Laschet (li.) und Markus Söder. Bildrechte: imago images/Future Image

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist vom Vorstoß von RB Leipzig bei der Zuschauerrückehr nicht begeistert. "Leipzig sendet kein gutes Signal. Die Liga muss selbst überlegen, ob sie jetzt tatsächlich einen Flickenteppich will", sagte der CSU-Politiker im Interview mit den Funke-Medien: "Das führt zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung unter den Vereinen, wenn nur an bestimmten Spielorten einheimische Fans ins Stadion dürfen."

Leipzig sendet kein gutes Signal. Die Liga muss selbst überlegen, ob sie jetzt tatsächlich einen Flickenteppich will.

Den Leipzigern war die Zulassung von 8.500 Zuschauern beim ersten Heimspiel am 20. September gegen den FSV Mainz 05 von den örtlichen Behörden gestattet worden. Auch weitere Klubs kündigten an, mit Fans auf den Rängen in die Spielzeit starten zu wollen. Am Samstag spielt Union Berlin ein Testspiel in der Alten Försterei vor bis zu 5.000 Besuchern. Es ist der Auftakt zur von allen Bundesligisten so herbeigesehnten Zuschauerrückkehr.

In der Vorwoche hatte der Bund-Länder-Gipfel in Berlin noch verkündet, dass der Profisport bis mindestens Ende Oktober generell auf Zuschauer verzichten müsse. Söder wolle bis dahin eine "einheitliche Regelung" für alle schaffen.

Unterstützung für Söder aus NRW: "Wettbewerbsverzerrung"

Diese gesamtdeutsche Regelung unterstützt auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und kritisierte am Freitag unfaire Sonderwege. "Natürlich ist das eine Wettbewerbsverzerrung, wenn in einem Stadion 8.000 Zuschauer sind und man einen Heimvorteil hat, und in einem anderen spielt man vor leeren Rängen», sagte Laschet. "Man braucht in Deutschland vergleichbare Regeln." Die Deutsche Fußball Liga (DFL) habe nun die Aufgabe, faire Lösungen für alle 18 Vereine zu erarbeiten. DFL-Präsident Christian Seifert hatte den Leipziger Weg am Donnerstag als "gut und besonnen" bezeichnet.

Nagelsmann kontert Söder: "Keine Neiddebatte entfachen"

RBL-Trainer Julian Nagelsmann kann die Kritik von Söder an der Rückkehr von Zuschauern in die Stadien nicht nachvollziehen. "Das ist keine Entscheidung aus dem Bauch heraus, sondern dies ist wissenschaftlich begründet", sagte Nagelsmann am Freitag beim Medientraining in Leipzig. Der Schritt sei unter Berücksichtigung eines Hygienekonzepts und der lokalen Infektionslage erfolgt.

Nagelsmann warnte davor, aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten eine Neid-Diskussion zu entfachen. "Als es damals um die Öffnung von Restaurants ging, gab es auch viele Neid-Diskussionen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Es ist doch besser, wenn zwei Restaurants offen haben, als wenn keines geöffnet hat", sagte der 33-Jährige.

Julian Nagelsmann - Trainer RB Leipzig - auf dem Trainingsplatz
Julian Nagelsmann Bildrechte: Picture Point

Lob aus der Bundesliga für RB Leipzig

Aus der Bundesliga hatte Leipzig Rückendeckung von anderen Clubs erhalten. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte seinem Leipziger Amtskollegen Oliver Mintzlaff öffentlich gratuliert. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte das Vorgehen als mutigen und besonnenen Schritt gelobt. Dennoch wird ein einheitliches Konzept in der Bundesliga aufgrund der unterschiedlichen Verfügungslagen zum Saisonstart nicht umsetzbar sein. Lob gab es auch von DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Er empfiehlt Teamsportarten den Blick nach Sachsen. Die Veranstaltungen dort mit Zuschauern könnten zum Pilotprojekt werden, so Hörmann.

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), teilt Söders Bedenken derweil nicht. "Ich würde das scharfe Schwert der Wettbewerbsverzerrung mal stecken lassen, aber das hat heute auch keiner gezogen", hatte Seifert nach der DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag gesagt. Der Begriff treffe nicht den Kern, "weil der Wettbewerb immer noch unter so außergewöhnlichen Voraussetzungen stattfindet". Die Klubs scheinen also auf Linie, denn über Ungleichbehandlung beschwert sich niemand, obwohl sich die Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern derzeit stark unterscheiden.

In Bayern dürfen aktuell noch keine Fans kommen, in Nordrhein-Westfalen ist mit maximal 300 Zuschauern zu rechnen und in Bremen sind es 400 unter freiem Himmel. Die meisten Klubs haben die Bemühungen also wohlwollend aufgenommen, auch wenn sie selbst noch auf die Erlaubnis der Behörden warten.

Fans von RB Leipzig auf dem Weg ins STadion. 2 min
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Durch die 8.500 Zuschauer bekommt RB Leipzig keinen sportlichen Vorteil. Das findet DFL-Chef Christian Seifert. Ingo Hahne berichtet.

MDR aktuell 19:30 Uhr Do 03.09.2020 19:30Uhr 01:30 min

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Erstmals Medien bei RB-Training - Stürmer-Suche läuft stockend

Ohne die zu den Nationalmannschaften abgestellten Spielern präsentierte Nagelsmann am Freitag zudem Trainingseindrücke für die Medien. Aufgefüllt durch zahlreiche U19-Spieler drehte der verbliebene Teil des Champions-Leagues-Teilnehmers um Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann, Kevin Kampl, Neuzugang Benjamin Henrichs und Co. seine Runden. Ibrahima Konaté und der aus Salzburg gekommene Hee-chan Hwang trainierten wegen kleiner Verletzungen individuell. Zuletzt traten beim Bundesliga-Dritten der abgelaufenen Spielzeit gehäuft Sehnenverletzungen auf, die Nagelsmann mit der Belastungssteuerung erklärte. "Dass wir für Pokalspiel alles fit haben, ist nicht zu erwarten. Aber wir werden genug dabei haben, dass wir in Nürnberg gewinnen können", so der 33-Jährige.

"Der Transfermarkt kommt nicht in Schwung"

Allerdings ist gut eine Woche vor dem Start in die neue Saison ist bei RB Leipzig noch immer kein Ersatz für Nationalstürmer Timo Werner in Sicht. "Der Markt an Stürmern ist nicht so üppig, dass man aus 50 Leuten auswählen könnte", sagte Nagelsmann am Freitag. "Der Transfermarkt kommt nicht in Schwung, es passiert fast gar nichts. Wir können aus finanzieller Sicht auch nicht alles machen. Andererseits verlieren wir insgesamt 56 Scorerpunkte, das ist ein Brett. Da muss man etwas machen." Neben Werner muss RB auch auf die Dienste von Patrik Schick verzichten. Mit dessem Stammklub AS Rom konnte sich Leipzig nach dem Leih-Ende nicht auf eine feste Verpflichtung einigen.

Einlaufen beim Training von RB Leipzig (04.09.2020), u.a. mit Daniel Behlau (Athletiktrainer RB Leipzig), Kevin Kampl (Mittelfeldspieler RB Leipzig, Rueckennummer 44, #44), Marcel Halstenberg (Abwehrspieler RB Leipzig, Rueckennummer 23, #23), Benjamin Henrichs (Rechter Verteidiger RB Leipzig, Rueckennummer 39), Lukas Klostermann (Abwehrspieler RB Leipzig, Rueckennummer 16, #16) (v.r.n.l.)
Einlaufen beim Training von RB Leipzig (04.09.2020), u.a. mit Daniel Behlau (Athletiktrainer RB Leipzig), Kevin Kampl (Mittelfeldspieler RB Leipzig, Rueckennummer 44, #44), Marcel Halstenberg (Abwehrspieler RB Leipzig, Rueckennummer 23, #23), Benjamin Henrichs (Rechter Verteidiger RB Leipzig, Rueckennummer 39), Lukas Klostermann (Abwehrspieler RB Leipzig, Rueckennummer 16, #16) (v.r.n.l.). Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Kommt Sörloth und bleibt Angelino?

Ganz oben auf der Kandidatenliste steht Alexander Sörloth. Der Norweger ist derzeit von Crystal Palace an Trabzonspor verliehen. Ein erstes RB-Angebot wurde abgelehnt. "Er ist ein guter Spieler, wir sind mit ihm im Austausch. Er hatte eine sehr gute Saison bei Trabzon. Wenn er die Quote in der Bundesliga auch hätte, wäre das überragend", so Nagelsmann.

Kurz vor dem Abschluss steht hingegen die dauerhafte Verpflichtung des spanischen Außenverteidigers Angelino. Der 23-Jährige ist in Leipzig, gehört aber noch Manchester City. Laut Nagelsmann sehe es aktuell sehr gut aus: "Er ist der Spieler, bei dem ich am schnellsten eine Einigung erwarte. Wir brauchen ihn unbedingt." Abgänge schloss der Coach aus: "Dafür haben wir nicht die Quantität."

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig) (Mitte) mit einer Ansprache vor einer Schautafel an sein Team beim Training von RB Leipzig (04.09.2020).
Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig) (Mitte) mit einer Ansprache vor einer Schautafel an sein Team. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

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dpa/sid/red

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RB Leipzig beim Training
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. September 2020 | 17:45 Uhr