Die Mannschaft von RB Leipzig beim Schlussjubel
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Fußball | Bundesliga Erst die Champions League, dann der DFB-Pokal? RB Leipzig auf historischer Mission

30. Spieltag

Seit 12 Bundesligaspielen unbesiegt, alle sieben Auswärtsspiele im Jahr 2019 gewonnen und mit 30 Punkten das zweitbeste Rückrundenteam der Liga. Auch wenn der 2:1 Erfolg über Gladbach etwas glücklich war, so gibt es doch kaum Zweifel daran, dass RB Leipzig die direkte Qualifikation für die Champions League absolut verdient hat. Kein anderes Team der Liga tritt seit Monaten so konstant auf wie die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick.

von Marcus Teichmann

Die Mannschaft von RB Leipzig beim Schlussjubel
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Rangnick auf den Spuren von Pacult

In der Hinrunde gelangen den Sachsen wettbewerbsübergreifend gerade einmal vier Siege in 15 Spielen auf fremden Platz. Darunter fielen auch bittere Niederlagen gegen Celtic Glasgow (1:2), Freiburg (0:3) oder Dortmund (1:4). In der Rückrunde gab es dagegen bislang keinen einzigen Punktverlust, egal ob es gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte ging (Stuttgart, Schalke)  oder auch gegen direkte Konkurrenten (Leverkusen, Gladbach). Mit sieben Siegen in Folge jagt Rangnick sogar den bisherigen Vereinsrekord von Peter Pacult, welcher in der Regionalliga-Saison 2011/2012 acht Auswärtssiege in Serie feiern konnte und erst durch ein 1:1 beim TSV Havelse gestoppt wurde.

Trainer Peter Pacult (RB Leipzig).
Peter Pacult holte mit RB sogar acht Auswärtssiege in Serie. In der Regionalliga 2011/12. Bildrechte: imago/Picture Point

Die Gründe für die starke RB-Rückrunde

Doch woher kommt die plötzliche Stärke?  So richtig können das weder Spieler noch Trainerteam erklären. Durch die Winter-Neuzugänge Tyler Adams und Haidara sei die Qualität des Teams noch einmal gestiegen, was auch positiven Einfluss auf die Mitspieler gehabt hätte, versuchte sich Rangnick in einem Erklärungsansatz. Mit Marcel Sabitzer und Emil Forsberg haben auch zwei kreative Spieler zurück zu alter Form gefunden und beleben seitdem das Offensivspiel. Mit nur 23 Gegentoren nach 30 Spielen stellt RB auch mit großem Abstand die beste Defensive der Liga. Wendepunkt nach der Gegentor-Flut zu Saisonbeginn war das blamable 2:3 gegen Red Bull Salzburg in der Europa League, als jedem Spieler klar wurde, dass es so nicht weitergehen könne. Seitdem verteidigt die Mannschaft im Kollektiv aggressiver gegen den Ball und hält auch die Abstände zwischen den einzelnen Ketten geringer. Mit Peter Gulacsi steht zudem noch ein Torhüter im Kasten, der mittlerweile zu den besten Keepern der Liga zählt.

Tor für Leipzig. Marcel Halstenberg (23, RB Leipzig) verwandelt einen Elfmeter gegen Torhüter Yann Sommer (1, Borussia MG)
Marcel Halstenberg ließ Gladbachs Schlussmann Yann Sommer beim Elfmeter zum 1:0 keine Chance. Bildrechte: Picture Point

Proteste gegen RB

Doch nicht nur auf sportlicher Ebene haben sich die Leipziger weiterentwickelt, sondern auch mental. Dass die Gladbacher Anhängern den Leipzigern nicht den Roten Teppich ausrollen würden, war erfahrungsgemäß nicht erwartet worden. Auch in diesem Jahr bemalten Anhänger reihenweise Raufasertapeten mit kritischen Sprüchen gegenüber RB Leipzig. Vor der Fankurve hing lange ein großes Plakat mit "Keine Akzeptanz für RB!". Von einem Plakat, dass den Burnout von Ralf Rangnick thematisierte, distanzierte sich die Borussia. Trainer Dieter Hecking bescheinigte den Verursachern "einen IQ von unter Null". Einige Personen wurden von Polizei und Ordnungsdienst wegen dieses Plakats festgenommen.

Ein Banner mit der Aufschrift: Keine Akzeptanz für RB
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Trillerpfeifen verstummt

Neben den Plakaten griffen die Gladbacher Fans auch auf zahlreiche Trillerpfeifen zurück, welche die Konzentration der Leipziger stören und die Kommunikation auf dem Platz unterbinden sollte. Dieses Stilmittel des Protests gegen den Kommerz funktionierte schon nicht in Düsseldorf (4:0 für RB) und sollte auch diesmal keinen Einfluss auf das Spiel nehmen. Stattdessen ging RB in dieser Phase sogar mit 1:0 in Führung und ließ alle Pfeifen verstummen. Trotz der teils hitzigen Atmosphäre behielten die Leipziger einen kühlen Kopf. Eine Entwicklung der gesamten Mannschaft, die sich in den letzten Jahren mehrfach bei aufgeheizter Stimmung aus dem Konzept bringen ließ. Kevin Kampl erklärte nach dem Spiel: "Es zeigt den Reifeprozess der Mannschaft, dass wir uns solche Partien trotz der Einflüsse von außen auch nicht mehr nehmen lassen und unser Spiel durchziehen. Darauf können wir stolz sein."

 Christoph Kramer (6, Borussia MG) und Kevin Kampl (44, RB Leipzig)
Kevin Kampl (re.) im Duell mit seinem Solinger Kumpel Christoph Kramer Bildrechte: Picture Point

Noch keine Zeit zum Feiern

Doch trotz des Erfolges bleibt derzeit nicht viel Zeit, die Siege angemessen zu feiern. Noch am Samstagabend trat die Mannschaft die Rückreise nach Leipzig an, um sich bestmöglich für die kommende Aufgabe beim Hamburger SV vorzubereiten. Am Dienstag wartet das DFB-Pokalhalbfinale und damit das wohl wichtigste Spiel in der noch jungen Vereinsgeschichte. Peter Gulacsi  gab bereits die Marschrichtung vor: "Wir wollen unsere Saison gegen Hamburg krönen und am Samstag gegen Freiburg die Champions League endgültig fix machen." In der derzeitigen Verfassung ist es nur schwer vorstellbar, wer diese Mannschaft überhaupt noch stoppen soll. Da ist es fast schon ein bisschen schade, dass die Saison bald vorbei ist.

Konate und Torwart Peter Gulacsi beim Schlussjubel.
Torwart Peter Gulacsi Bildrechte: Picture Point

mte/red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 20. April 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2019, 10:33 Uhr

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13 Kommentare

23.04.2019 15:28 heino 13

9, zwigger, Rasenballsport Leipzig ist ein Leipziger Verein. Und da machen wir mal einen Punkt.

23.04.2019 11:40 Historiker 12

Aber was wird nun aus Mönchengladbach? Ganz Deutschland schaut auf die Stadt und den VfB. Wird es eine Stadionsperre geben, Punkteabzug, Ausschluss von Fans? Bei anderen Vereinen wurde konzertiert berichtet und wochenlang diskutiert. Was sagen WDR, ARD und Süddeutsche dazu?

23.04.2019 11:15 zakotep 11

Was hat der Rasenball mit der Leipziger Pokalhistorie zu tun? Hier werden zum wiederholten Male 2 Paar Schuhe vermengt. Und das nicht aus Unkenntnis, sondern wohl mit einigem Vorsatz.

Die Freunde der beiden Leipziger Vereine haben diesen Etikettenschwindel erkannt. Die Liebhaber des Plastikclubs offenbar nicht. Warum der MDR als Sender der Region sich an diesem Spielchen beteiligt, bleibt rätselhaft.

22.04.2019 22:28 Nordsachse 10

@7 A.B aus G: Na vielleicht weil's die gleiche Stadt ist und noch dazu viele Alt-Fußballfans auf den Tribünen sitzen, die damals schon dabei waren. Höchstwahrscheinlich sitzen da sogar mehr Alt-Lokis, als an jedem zweiten WE im Bruno Plache.

22.04.2019 17:34 zwigger 9

Was das mit dem Projekt zu tun hat
Passt so schön "Ich mal mir meine Welt bis sie mir gefällt"

22.04.2019 17:28 Voice 8

@7
RB möchte der Leipziger Pokalgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen. Ob Ihnen das passt oder nicht. Und jetzt bitte nicht mit Phrasen kommen wie, "...RB ist kein Leipziger Verein...." Sie spielen in dieser Stadt, in ihren Farben. Und schaufeln mehr Gewerbesteuer ins Stadtsäckel als alle sogenannten Traditionalisten, wie Lok, VfB oder Chemie....

Beste Grüße aus der Messestadt!!

22.04.2019 16:40 A.B aus G 7

Was bitte hat die Leipziger Pokalgeschichte mit Red Bull (Leipzig) zu tun?

22.04.2019 13:45 Rennsteiger 6

Großes Danke für den Rückblick auf Pokalgeschichte aus Leipziger Sicht. Absoluter Höhepunkt für mich 1987 der von Rene Müller verwandelte Elfer und die damit verbundene Fahrkarte nach Athen. Dem optimistischen Ausblick für das morgige Match folge ich uneingeschränkt. Es läuft gegenwärtig bei RB wie geschmiert. Das ist ein Riesenverdienst von Ralf Rangnick,

22.04.2019 10:34 Bernd 5

@4 also gegen diese Schlagzeilen hätte ich nichts. Zumal ich mich an 84 erinnere. Das Relegationsspiel also das in Leipzig habe ich zusammen mit nem Union Fan am Radio verfolgt.

22.04.2019 09:34 Hellseherin 4

Schlagzeile Mittwoch:
HSV verliert nach großem Kampf
Schlagzeile nächsten Montag:
HSV geht kraftlos in Berlin unter.
In diesem Sinne: Eisern Union!
...und Stuttgart pusten wir auch in der Relegation weg.

Ergebnisse und Tabelle