Fußball | Bundesliga Uwe Rösler: "Große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft"

Seit Januar 2020 ist Uwe Rösler Trainer von Fortuna Düsseldorf. Acht Spiele konnte der gebürtige Thüringer dort bisher nur machen – dann zwang die Corona-Krise auch ihm und seiner Mannschaft eine Pause auf. Im "SpiO"-Talk am Mittwoch (02.04.2020) sprach er über die aktuelle Situation, den kräftezehrenden Abstiegskampf und erinnerte sich an seine sportliche Zeit in Leipzig.

Uwe Rösler
Uwe Rösler Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Am 13. März stand der Fußball in der Bundesliga auf der Kippe. Eigentlich hätte Uwe Rösler mit seiner Mannschaft den 26. Spieltag am Freitagabend gegen den SC Paderborn eröffnen sollen. Doch wenige Stunden vor Anpfiff drückte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Pause-Taste – seitdem steht der Fußball still.

"Man hat die Unruhe und die Verunsicherung gespürt. Auch die Spieler waren nicht fokussiert", erinnerte sich Rösler noch genau an die ungewisse Situation: "Von daher war es die einzige richtige Entscheidung der DFL, den Betrieb vorerst abzusagen."

Rösler stabilisiert die Fortuna

Seitdem befindet sich der der ehemalige Profi von Manchester City (153 Spiele) wie viele seiner Kollegen im Home-Office. "Ich bin viel am Telefon. Man hält den Kontakt zum Trainerteam, zum Vorstand und natürlich zu den Spielern", ließ Rösler in seinen Alltag blicken. Dabei hofft der gebürtige Altenburger ab kommenden Montag (6. April) mit seiner Mannschaft wieder auf den Trainingsplatz und "in kleinen Schritten zur Normalität zurückkehren zu können".

Sollte der Spielbetrieb ab Mai wieder aufgenommen werden, heißt es für den 51-Jährigen und die Fortuna dann wieder Abstiegskampf. Als Rösler die Düsseldorfer Ende Januar übernahm, steckte die Mannschaft in einer handfesten Krise – Niederlagen standen an der Tagesordnung. Seitdem hat der fünfmalige DDR-Nationalspieler sein Team so langsam aber sich stabilisiert. Aktuell stehen die Landeshauptstädter auf dem Relegationsplatz und kassierten nur eine Niederlage aus den letzten sechs Spielen.

Uwe Rösler (Cheftrainer Düsseldorf) und rechts Lutz Pfannenstiel (Sportvorstand Fortuna)
Uwe Rösler bei seiner Vorstellung mit Fortuna-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. (Archiv) Bildrechte: imago images/Revierfoto

"Gesundheit der Menschen im Vordergrund"

Seine Beschäftigung bei Fortuna Düsseldorf, sieht Rösler, der zuvor bereits in Norwegen, Schweden und England als Coach tätig war, als Privileg an: "Als Trainer wollte ich schon immer auf dem höchsten Niveau eine Mannschaft trainieren. Ich habe hart dafür gearbeitet und habe mich gefreut, im Januar die Fortuna übernehmen zu können."

Im Falle einer Fortsetzung der Saison müssten die Düsseldorfer im kräftezehrenden Abstiegskampf mit hoher Sicherheit auf ihre Fans verzichten. Auch wenn dieses Szenario keine Optimallösung darstellt, müsste man "damit umgehen", so Rösler: "Das betrifft ja alle. Es ist gerecht, wenn alle unter diesen Bedingungen spielen müssen. Die Gesundheit der Menschen steht klar im Vordergrund."

Realistische Chance ab Mai wieder zu spielen

Gleichzeitig betont der ehemalige Profi von Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg, die Situation im deutschen Fußball weiterhin im Auge behalten zu müssen: "Es geht ganz klar um Existenzen. Die Fußballindustrie hat unglaublich viele Mitarbeiter. Sollte die Saison abgesagt werden, sind viele Existenzen bedroht." Dabei geht es in erster Linie darum, den Spezialisten zu vertrauen, die sich in engem Austausch mit der DFL befinden. Auch aus diesem Grund sieht der gelernte Mittelstürmer eine realistische Chance, ab Mai wieder auf dem Platz zu stehen.  

"Lok gegen Chemie war immer ein Highlight"

Rösler, der England als seine "gefühlte Heimat" betrachtet, ist mit den Gedanken in diesen Tagen auch bei seinen ehemaligen Vereinen Lok Leipzig und Chemie Leipzig. Die beiden Klubs haben als Regionalligisten besonders mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Auf die damaligen Jahre blickt er gerne zurück: "Lok gegen Chemie war immer ein Highlight. Ich hatte damals eine sehr schöne Zeit und bin persönlich sehr mit Leipzig verbunden."

Die Bewältigung der derzeitigen Situation wird eine "große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft" sein, ist sich Rösler sicher. Für die Fortuna gilt es bis dahin "jede Minute der Vorbereitungszeit intensiv zu nutzen". Mit dem Thema Abstiegskampf hat sich in Düsseldorf schließlich jeder schon identifiziert.

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jsc

Dieses Thema im Programm: MDR+ | "SpiO"-Talk | 02. April 2020 | 17:45 Uhr

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