Fußball | Super League Super League - Das hat der 1. FC Magdeburg mit Arsenal und Manchester City gemeinsam

Was haben der 1. FC Magdeburg, der FC Arsenal und Manchester City gemeinsam? Alle drei Vereine haben genau einen Titel im Europapokal – nämlich einen Sieg im Wettbewerb "Europapokal der Pokasieger" - eingefahren. ManCity gewann 1970, der FCM 1974, Arsenal 20 Jahre später - 1994. Danach hört es mit den Gemeinsamkeiten aber auch schon auf...

Magdeburg–Arsenal
Alan Smith jubelt mit Arsenal, Jürgen Sparwasser und Manfred Zapf mit dem 1. FC Magdeburg über den Sieg im Europapokal der Pokalsieger. Bildrechte: MDR

Während der 1. FC Magdeburg in der kommenden Saison hoffentlich auch in der hiesigen 3. Liga spielen wird, wollen die englischen Top-Klubs FC Arsenal und Manchester City schnellstmöglich in den neuen Millionen baden, die es für einen Start in der Super League geben soll. Seit Montag (19.04.20021) ist dieses internationale Ligaprojekt auf dem Markt. Zwölf europäische Spitzenklubs beschlossen die Gründung und lösten damit ein Erdbeben im Fußball aus. Die Initiatoren der Super League dachten nicht in einem Moment an den 1. FC Magdeburg. Hätten Sie aber durchaus tun können, zumindest wenn es in dieser neuen Liga um historische Erfolge gehen würde.

Ankündigung hat Protestwelle ausgelöst

Stattdessen stehen weltweite Popularität, Reichweite, Vermarktung und Kommerz im Mittelpunkt. Das Vorhaben "Super League" trifft nicht nur die Mehrzahl der Fußballfans in Europa mitten ins Mark, sondern hat auch bei Verantwortlichen von Bundesligaklubs für Entsetzen gesorgt. Bei den Gründungsmitgliedern der Super League handelt es sich um die üblichen Verdächtigen aus England, Italien und Spanien, doch dabei wird bzw. soll es nicht bleiben.

Aus der Bundesliga sollen vor allem der FC Bayern München und Borussia Dortmund als weitere Gründungsmitglieder auf dem Super-League-Wunschzettel stehen. Auch der Tabellenzweite RB Leipzig dürfte dem Gründergeist der "Super Leaguer" nicht entgangen sein.

Ob die Super League wie geplant stattfinden kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig unklar. Fest steht allerdings, dass schon am Tag der Ankündigung ein gewaltiges Konfliktpotential zutage gefördert wurde - zwischen Super League, nationalen Ligen und Verbänden, zwischen Fans und Klubs und auch unter den Vereinen. Die wichtigsten Fakten zur geplanten Super League gibt es hier.

Wie soll die Super League aussehen?

20 Mannschaften sollen in der Super League an den Start gehen. Die erste Ausgabe wird "so früh wie möglich" stattfinden, heißt es in der Ankündigung. Zu den bereits bekannten zwölf Klubs dürften drei weitere Mannschaften als Gründungsvereine hinzukommen, denen jedes Jahr die Teilnahme garantiert wird, fünf weitere Vereine sollen sich jährlich qualifizieren. Die Spiele sollen unter der Woche ausgetragen werden. Nach der Vorrunde in zwei 10er-Gruppen beginnt die K.o.-Phase.

Was ist mit deutschen Mannschaften?

Deutsche Teams sind aktuell nicht beteiligt. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel in Berufung auf den Rahmenvertrag der Super League berichtet, sollen der FC Bayern München und Borussia Dortmund als Gründungsmitglieder dazustoßen. Angeblich haben die Vereine 30 Tage Zeit, um sich zu entscheiden. Der BVB lehnte die Super League jedoch zuvor schon ab und setzt auf die reformierte Champions League. Gleiches gilt für die Bayern. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versicherte, dass sich die Münchner nicht an den Planungen beteiligt hätten. Von zahlreichen Bundesligisten, darunter RB Leipzig, hagelte es Kritik an der Super League. "Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs. Und der sportliche Wettbewerb im Profifußball sieht vor, dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Für uns steht es überhaupt nicht zur Debatte, hieran etwas zu ändern. Die Pläne zur Super League lehnen wir ab", so RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.

Was steckt hinter den Plänen?

Geld. Die europäischen Topclubs können durch die sichere Teilnahme an einem jährlichen Wettbewerb mit festen Einnahmen in Milliardenhöhe planen. Die Super League wird für die von der Corona-Pandemie gebeutelten und mit hohen Schulden sowie Spielergehältern kämpfenden Klubs finanziell deutlich mehr abwerfen als die Königsklasse. Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber bereit. Laut Gründungserklärung erhalten die Teilnehmer unter anderem "einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro, der ausschließlich für die Entwicklung ihrer Infrastruktur und zur Abfederung der Auswirkungen der Corona-Pandemie vorgesehen ist". Bereits für den Antritt soll jedes Team 100 Millionen Euro bekommen, bei Erfolg wird der Geldberg größer. Zum Vergleich: Die Bayern kassierten für ihren Champions-League-Sieg insgesamt 135 Millionen Euro.

Wie reagieren die Verbände und Ligen?

Die Reaktionen sind heftig. UEFA-Boss Aleksander Ceferin will die abtrünnigen Klubs und ihre Spieler von "all unseren Wettbewerben" ausschließen. Zudem sollen die Profis nicht mehr für ihre Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Ob dies schon für die kommenden Runden im europäischen Vereinsfußball und bei der EM im Sommer gelten werde, konnte er noch nicht sagen. Allerdings hält der Slowene den Rebellen die Tür für eine Rückkehr offen. Der Weltverband FIFA sagte, er könne "nur seine Missbilligung" über einen Wettbewerb "außerhalb der internationalen Fußballstrukturen" ausdrücken. Selbst die Spitze der EU-Kommission und der britische Premierminister Boris Johnson übten harsche Kritik an den Plänen.

Was sagen die Fans?

Die Anhänger reagierten empört. In England sprachen etwa die Fans von Chelsea und Tottenham von "Verrat" die der Gunners vom "Tod von Arsenal als Sportinstitution". Anhänger von Jürgen Klopps FC Liverpool waren "entsetzt" und befestigten bereits Beerdigungsplakate an der Anfield Road. Für das deutsche Bündnis ProFans ist es "eine Horrorvision". Die zwölf Großklubs behaupten hingegen, den Interessen von vier Milliarden Fußballfans zu folgen.

Wie geht es jetzt weiter?

Angesichts des hartnäckigen Widerstands steht die Super League vor einigen hohen Hürden. Nach der offiziellen Erklärung könnte eine Klagewelle anrollen. Nach Informationen des Sport-Informationsdienstes (SID) plant die UEFA, rechtlich gegen die entsprechenden Klubs vorzugehen. Demnach müssten diese zumindest für die nächste Rechteperiode bis 2024 dabei sein. Die Clubs sollen sich wiederum für rechtliche Schritte gegen eine Einmischung wappnen. Die UEFA prüft zudem die Möglichkeit, die zwölf Super-League-Abtrünnigen bereits aus den laufenden Europacup-Wettbewerben auszuschließen.

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ten/sst

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 20. April 2021 | 19:30 Uhr

8 Kommentare

Alucard vor 8 Wochen

Da gebe ich Ihnen recht. Allerdings geht es ohne Fans trotzdem nicht. Mannschaften wie Köln, Augsburg, Union usw sind Mannschaften die die Fans eher brauchen für Einnahmen als Dortmund, Bayern, RB Leverkusen usw. weil sie nicht so eine große Sponsorenauswahl haben. Sollen die Fans ebenfalls auf ihren Besuch verzichten? Das Problem sind nicht nur die Fernsehergelder sondern auch diese ganzen Milliardäre die in den Clubs mit ihrem Geld um sich werfen und die kleinen Vereine dadurch kaputt gehen weil sie sich nicht mal mehr ein Spieler leisten oder halten können (Jovic bestes Beispiel). Das ein FC Barcelona und Real Madrid zusammen Milliarden Schulden haben ist das beste Beispiel was passiert wenn man mit Geld um sich wirft. 2002 wurde eins VFB Leipzig wegen 4 Millionen Euro abgewickelt und heute...

Tamico161 vor 8 Wochen

Und das wäre genau die richtige Entscheidung von RB. Es geht nur noch um Kohle und ihr kleinen ewig Gestrigen rennt eurer Tradition hinterher und träumt von längst vergessen Tagen....
Ich denke mal Sie haben längst ein Sky Oder Dazn Abo?

Tamico161 vor 8 Wochen

Nicht der Fußball ist gesunken sonder die Konsumenten die dieses Produkt kaufen! All diese Abonnenten von Sky oder Dazn sind es die all diesen Kommerz finanzieren. Die immer noch tief verwurzelte Meinung das es allein mit Tradition geht ist so kalt wie der Kaffee von gestern. Selber schuld wer diesen Kommerz konsumiert, finanziert und ins Stadion rennt (falls dies mal wieder geht)!