Bundesliga | Teamcheck RB Leipzig: Bayern-Verfolger und BVB-Konkurrent?

Der Bundesliga-Countdown läuft! Doch bevor es in wenigen Tagen endlich wieder zur Sache geht, blicken wir zurück und voraus. War die vergangene Spielzeit für RB Leipzig wirklich eine erfolgreiche? Hat sich der Meisterschafts-Dritte verstärken können? Und wie sind die Aussichten?

emotionen um den Torschuetzen zum 1:0 Amadou Haidara RB Leipzig
Bildrechte: imago images/HMB-Media

Es ist eine kleine Bundesliga-Premiere: Im inzwischen schon fünften Bundesliga-Jahr hat RB Leipzig zum Auftakt erstmals ein Heimspiel. Gast am 20. September um 15:30 Uhr ist der FSV Mainz, dem RB in der letzten Saison unglaubliche 13 Tore eingeschenkt hat. Das 8:0 und das 5:0 waren zweifellos zwei von vielen Highlights der Leipziger in einer Spielzeit, in der nicht immer eitel Sonnenschein war.

So lief die vergangene Saison

Ob die Saison 2019/20 eine erfolgreiche war, ist wie so oft eine Frage des Blickwinkels und der Prioritäten. Erklärtes und letztlich auch erreichtes Ziel waren Platz eins bis vier und damit ein Ticket für die Champions League, in der sich das Team von Julian Nagelsmann zugleich sensationell bis ins Halbfinale vorarbeitete. Für positives Aufsehen sorgte nach einer famosen Hinrunde (37 Punkte, elf Siege, vier Remis, nur zwei Niederlagen) auch die "Herbstmeisterschaft".

Amara Borduchi Iago, Timo Werner und Augsburgs Torwart Tomas Koubek
Mit einem 3:1 gegen Augsburg besiegelte RB die "Herbstmeisterschaft". Bildrechte: Picture Point

Den Lauf konnten Timo Werner und Co. jedoch nicht fortsetzen. Gegen Ende der Saison löste sich die große Heimstärke der Leipziger fast schon in Luft auf: In den letzten sechs Bundesliga-Heimspielen gelang kein einziger Sieg mehr. Das größte Kopfschütteln verursachten die Unentschieden gegen die späteren Absteiger Paderborn und Düsseldorf – die Ausgleichstreffer der Gäste fielen jeweils in der Nachspielzeit.

Die unnötigen Punktverluste im eigenen Stadion kosteten am Ende den Vizemeister-Titel, zu dem nur drei Zähler fehlten. Beinahe hätte RB Leipzig sogar noch das Ticket für die Champions League aus den Händen gegeben. Zum Glück ging auch der direkten Konkurrenz (sprich: Leverkusen) etwas die Puste aus.

Dani Olmo RBL und Yussuf Poulsen jubeln nach einem Tor für RB Leipzig.
Der 2:1-Triumph über Atletico Madrid im Viertelfinale der Champions League war Leipzigs Saison-Highlight. Bildrechte: Peter Schatz / Pool

Wer kommt, wer geht?

Als Saisonziel 2020/21 wird Geschäftsführer Oliver Mintzlaff mit Sicherheit das des Vorjahres angeben: Platz eins bis vier. Julian Nagelsmann ist da eine Spur forscher ("Dass wir gern auch mal Meister werden, ist normal."). Ausgebremst wird der titelhungrige Coach vom eigenen Kader, der natürlich gut, aber eben nicht unbedingt meisterhaft ist. Besonders schwer wiegt der Abgang von Timo Werner zum FC Chelsea. 34 Tore und 13 Vorlagen hatte der Nationalstürmer letzte Saison auf dem Konto. Dass das kaum zu kompensieren ist, konnte man auch schon auf dem Rasen sehen: Im Finalturnier der Champions League fehlte RB ein "Knipser" wie Werner. Patrik Schicks Weggang nach Leverkusen wirkt dagegen verschmerzbar, Hannes Wolfs Wechsel nach Gladbach sogar fast schon notwendig.

Timo Werner jubelt
Timo Werner ist fast nicht zu ersetzen. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Das entstandene Loch im Sturm füllte im DFB-Pokal gegen Nürnberg (3:0) Neuzugang Hee-chan Hwang. Der auf dem kurzen Dienstweg aus Salzburg gekommene 24-jährige Koreaner war agil, wendig, sehr engagiert, gab eine Vorlage und machte ein Tor selbst. Ein echter Werner-Ersatz ist er noch nicht, aber sein enormes Potenzial blitzte schon mal auf.

Mögliches Problem bei Hwang: Er ist verletzungsanfällig. Und das hat er mit einem weiteren RB-Neuzugang gemein. Die Rede ist von Benjamin Henrichs, der von AS Monaco ausgeliehen wurde. Der Rechtsverteidiger hat immer noch Trainingsrückstand, kam gegen Nürnberg aber zumindest zu einem Kurzeinsatz. Nagelsmann verspricht sich mit ihm mehr Flexibilität. Schließlich kann er den ehemaligen DFB-Auswahlspieler auch als Sechser einsetzen.

Hee-chan Hwang (RB Leipzig) im Pokalspiel gegen Nürnberg in Aktion
Hee-chan Hwang (li.): gelungenes Debüt im Trikot von RB Leipzig Bildrechte: IMAGO/HMBxMedia/xHeikoxBecker

Nur formal ein Neuzugang ist der spanische Außenverteidiger Angeliño, der seit Februar im Team ist und sich als echte Errungenschaft erwiesen hat. Dass es RB gelungen ist, seine Leihe von Manchester City zu verlängern, kann getrost als Erfolgstransfer verbucht werden. Zu Angeliños Stärken gehören seine Flanken und Pässe in der Offensive.

Für diese wird derweil noch eine weitere Verstärkung gesucht. In Alexander Sörloth wurde bereits ein geeigneter Kandidat gefunden. Der 1,94 m große Norweger wird als zweiter Erling Haaland gehandelt, den ja RB auch schon an der Angel hatte, dann aber an den BVB verlor. Die Verhandlungen mit bzw. um Sörloth sind schwierig, denn der 24-Jährige ist derzeit von Crystal Palace an Trabzonspor verliehen. Und damit muss sich RB gleich mit zwei Klubs einig werden. Gelingt RB die Sörloth-Verpflichtung, würde das die aktuell eher mäßige Transferperiode der Leipziger in eine ziemlich gute verwandeln.

Erling Haaland (17, Dortmund) trifft zum 0:2.
RB wollte Erling Haaland, bekam von ihm aber nur zwei Gegentore. Bildrechte: Roger Petzsche / PICTURE POINT / Pool

Der Trainer

Julian Nagelsmann kam im Sommer 2019 von Hoffenheim nach Leipzig – und hat gehalten, was man sich von ihm versprach. Der inzwischen 33-Jährige erweiterte die RB-Palette um etwas mehr Ballbesitz und machte das Team taktisch variabler. Letzteres ist sein großes Plus: Nagelsmann kann nicht nur ein Spiel und dort zwischen den Zeilen lesen, sondern auch bei Problemen darauf adäquat reagieren. Das manchmal etwas spät und auch mal ohne Erfolg. Aber es ist bezeichnend, dass man sich nach einer schwachen ersten Halbzeit mehr als bei vielen anderen Trainern fragt: Was macht Nagelsmann jetzt?

Diese Frage stellt sich allerdings auch nach der jetzt beginnenden Saison. Denn wie bereits erwähnt: Julian Nagelsmann ist erfolgshungrig und gierig auf einen Titel. Bekommt er wieder keinen, könnte er es dort versuchen, wo der Fokus etwas weniger auf jungen Talenten liegt und das Transferbudget deutlich höher als bei RB Leipzig ausfällt. Sein Vertrag läuft zwar bis 2023, an attraktiven Angeboten sollte es ihm trotzdem nicht mangeln.

Julian Nagelsmann
Gewieft, erfolgreich und immer für einen Spruch gut: Julian Nagelsmann Bildrechte: imago images / Poolfoto

Erwartungen an die neue Saison

Der souveräne Auftritt im DFB-Pokal ist natürlich nur von sehr begrenzter Aussagekraft. Mut machend ist er aber allemal, denn der Leipziger Erfolg basierte nicht auf individuellen Aktionen, sondern auf mannschaftlicher Geschlossenheit. Echte Chancen, den FC Bayern als Deutscher Meister zu beerben, gibt es trotzdem nicht.

Realistischer erscheint dagegen das Vorhaben, Borussia Dortmund mal wieder den Schneid abzukaufen. Dafür sollte für die terminlich eng gestrickte Saison aber mindestens noch ein Alexander Sörloth im Kader stehen. Ohne ihn hat RB Leipzig mit dem Kampf um ein Champions-League-Ticket genug zu tun. Spannend wird es in jedem Fall.

sk

Tor für Leipzig zum 2:1 durch Tyler Adams (14, RB Leipzig) gegen Torwart Jan Oblak (13, Madrid).
Bildrechte: PICTURE POINT

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. September 2020 | 16:30 Uhr

8 Kommentare

wicky 67 uncut vor 6 Wochen

Für die Europa-League könnte es mit ein klein wenig Dusel für RB Leipzig eventuell mit Ach und Krach 2020/21 gerade so noch reichen... Zur Not wäre es möglicherweise aber auch noch mit Platz 7 sogar auch noch über die Qualifikation machbar, nächstes Jahr wieder international mit in die Gruppenphase der europäischen Underdogs mit einzusteigen... Viel Erfolg wünsche ich dazu!.. 😂

Beste Grüße aus der Walachei! 😅

Quentin aus Mondragies vor 6 Wochen

...Ein echter Werner-Ersatz ist er noch nicht.. Schauen wir mal:
Werner vs. Hwang 0:1
Werner vs. Poulsen 0:1
Und warum nicht Lookman auf Werner Position?

Bernd_wb vor 6 Wochen

Ich hoffe dass am Ende der Saison auch wieder ein internationaler Platz wird. Der Weggang von Werner reisst eine Luecke und da 2 Stuermer gegangen sind sollte noch einer gefunden werden. Bei Angelinho und OLmo hoffe ich auf eine Weiterentwicklung und bei Haidara und Lookman dass sie ihr Potential abrufen koennen. Ob wir nun vor Dortmund einkommen koennen wird sich zeigen, aber Gladbach und Leverkusen sehe ich auch gleichwertig.