Torwart Peter Gulacsi (32, Leipzig).
RBL-Keeper Peter Gulacsi ist ein starker Rückhalt. (Archiv) Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche

Fußball | 1. Bundesliga RB Leipzig: Patzer, Druck und wichtige Heimspiele

Die Bundesliga-Rückrunde steht bevor, RB Leipzig hat zum Auftakt den aktuellen Tabellenzweiten Schalke 04 zu Gast. Wie lief es bislang für das Team von Ralph Hasenhüttl? Wie sind die Aussichten, und wird es noch etwas mit einer erfolgreichen Saison? Wir haben die Lage der Leipziger zusammengefasst.

von Sven Kups

Torwart Peter Gulacsi (32, Leipzig).
RBL-Keeper Peter Gulacsi ist ein starker Rückhalt. (Archiv) Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche

So lief die Hinrunde

Wenn eine Bundesliga-Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte die Winterpause herbeigesehnt hat, dann war es RB Leipzig. Nach 25 Pflichtspielen und einer Halbserie, die man als schwindelerregende Achterbahnfahrt bezeichnen kann, war beim deutschen Vizemeister kurz vor Weihnachten komplett die Luft raus. "Höhepunkt" war das letzte Spiel des Jahres, das zu einer echten Peinlichkeit wurde: RB Leipzig verlor im eigenen Stadion trotz fast 90-minütiger Überzahl mit 2:3 gegen Hertha BSC. Und die Niederlage war nicht mal unglücklich, sondern verdient. Durch die Pleite überwinterte RB nur auf Tabellenplatz fünf.

Jean-Kevin Augustin (29, RB Leipzig) und Torwart Rune Jarstein (22, Berlin)
Leipzigs Jean-Kevin Augustin und Hertha-Torwart Rune Jarstein. (Archiv) Bildrechte: Picture Point
Im Bild: Torwart Sven Ulreich (26,Bayern) hält den Elfer von Timo Werner (11, RB Leipzig) und jubelt.
Timo Werner kann es nicht fassen: Gerade ist er mit seinem Elfmeter an Bayerns Keeper Sven Ulreich gescheitert. (Archiv) Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Sportlich und auch emotional erlebten die Leipziger in dieser Hinserie alles, was der Fußball so hergibt: Euphorisierende Siege wie das 3:2 bei Borussia Dortmund, unglückliche Niederlagen wie die im Pokal gegen Bayern München (5:6 nach Elfmeterschießen) und auch eine richtig derbe 0:4-Klatsche in Hoffenheim. Ihre beste Phase hatten die "Bullen" im Oktober mit einer Serie von vier Siegen. Die schlechteste begann im Dezember und ist noch nicht beendet: Seit fünf Pflichtspielen ist RB Leipzig sieglos. Dazu das Aus in DFB-Pokal und Champions League – der Überflieger der vergangenen Saison ist aktuell eher besseres Mittelmaß.

Letzte Saison hatte RB in der Bundesliga nur sieben Niederlagen kassiert, in dieser Spielzeit sind es bereits fünf. Die Gründe dafür waren sehr unterschiedlich. Mal war Pech im Spiel, mal jugendliche Naivität, mal Personalprobleme. Und dann war da noch die vielzitierte Dreifachbelastung mit zahlreichen Englischen Wochen und den Länderspielen der Leistungsträger. Ein nicht unerheblicher Faktor waren aber auch fehlende Cleverness und Disziplin: Leipzig kassierte in dieser Spielzeit insgesamt fünf Elfmetertore und sechs Platzverweise.

Wer kommt, wer geht?

RB Leipzig hat für Bundesliga-Verhältnisse einen ausgesprochen kleinen Kader. Daran wird sich wohl auch in der Winterpause nichts oder zumindest nicht viel ändern. Ganz im Gegenteil - statt Neuzugängen wurde bislang nur ein Abgang vermeldet (Stand: 6. Januar): Innenverteidiger Marvin Compper wechselt nach Schottland zu Celtic Glasgow. Angesichts dieses Wechsels und der durchaus vorhandenen Personalprobleme in dieser Saison ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Sportdirektor Ralf Rangnick in diesem Winter auf dem Transfermarkt nicht mehr zuschlägt.

Tor für Leipzig zum 0:1. Im Bild: Marcel Sabitzer (7, Leipzig) zieht ab, sein Schuss wird von Jorge (6, Monaco) ins eigene Tor gelenkt.
Kaum zu kompensieren: Wirbelwind Marcel Sabitzer fehlt an allen Ecken und Enden. (Archiv) Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche

Baustellen gibt es im Team von Trainer Ralph Hasenhüttl jedenfalls genug. Zum Beispiel in der Außenverteidigung, wo der Ruhm vom blitzschnellen Newcomer und Olympiazweiten Lukas Klostermann etwas verblasst ist. Linksverteidiger Marcel Halstenberg stieg zwar zum deutschen Nationalspieler auf, hat aber trotzdem seine Schwächen und könnte einen Backup gebrauchen. Interessant ist, ob Rangnick vielleicht schon diesen Winter einen adäquaten Ersatz für den im Sommer nach Liverpool wechselnden Naby Keita präsentieren kann. Auch im offensiven Mittelfeld könnte sich gut etwas tun: Der verletzungsbedingte Ausfall von Marcel Sabitzer riss ein Loch ins Team, das nicht zu stopfen war.

Trainer

Ralph Hasenhüttl genießt in Leipzig nach der furiosen letzten Saison mit dem Vizemeistertitel immer noch Heldenstatus. Er ist ein ausgesprochen kompetenter Coach mit hohen Sympathiewerten. Doch in der erfolglosen Phase zum Ende der Hinrunde wirkte der 50-Jährige immer wieder etwas ratlos und deprimiert. Ein bis dahin ungewohntes Bild. Kritik gefallen lassen musste sich Hasenhüttl aber auch schon vorher, als er sein Team zum Rotieren gebracht hatte. Und zwar nicht auf dem Trainingsplatz, sondern in der Aufstellung: Gegen den FC Augsburg (0:1) hatte der Österreicher die Mannschaft gleich auf neun Positionen umbesetzt.

Trainer Ralph Hasenhüttl, RB Leipzig
Immer motiviert, zuletzt aber etwas ratlos: RBL-Coach Ralph Hasenhüttl. (Archiv) Bildrechte: Picture Point

Bemerkenswert sind auch erste Dissonanzen zwischen Hasenhüttl und Rangnick. Der Sportdirektor hatte kurz vor Weihnachten die letzten Ergebnisse moniert und im Team einen Mangel bei Einstellung und Qualität ausgemacht. Der Coach war wenig begeistert und sagte das auch öffentlich. Nichtsdestotrotz wird Hasenhüttl in dieser Saison immer wieder als möglicher Bayern-Trainer gehandelt. Ein Wechsel zum deutschen Meister und aktuell unangefochtenen Tabellenführer ist nicht ausgeschlossen, aber trotzdem eher unwahrscheinlich. Auch er selbst ist skeptisch, ob er dafür schon die Reife hat. "Ich bin erst drei Jahre in der Bundesliga", betonte er bei Servus TV. Ihm fehle es nicht zuletzt an internationaler Erfahrung, einen großen Verein wie die Bayern zu trainieren.

Erwartungen an die Rückrunde

Enttäuschung nach dem Spiel bei den Leipzigern.
In der Hinrunde verlor RB Leipzig auf Schalke mit 0:2. (Archiv) Bildrechte: Picture Point

Bei aller Kritik an Aufstellung, verschenkten Punkten oder klaren Niederlagen: Die Saison 2017/18 kann für RB Leipzig noch eine richtig erfolgreiche werden. Das zeigt der Blick auf die Tabelle: Gerade mal zwei Punkte beträgt der Abstand zu Schalke 04 auf dem zweiten Platz. Und bereits in einer Woche kann Hasenhüttls Team die "Königsblauen" überholen - mit einem Sieg zum Rückrundenstart, wenn Schalke in Leipzig zu Gast ist.

Aber der Druck auf RB Leipzig ist groß. Wegen der aktuellen Sieglos-Serie und wegen des selbst gesteckten Saisonziels, einem Champions-League-Platz. Der ist in Reichweite, benötigt aber deutlich mehr Konstanz und auch etwas mehr Souveränität. Vor allem im eigenen Stadion, wo sich möglicherweise alles entscheiden wird. Nicht nur gegen Schalke, sondern auch gegen Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen: Die Leipziger haben Heimrecht gegen alle vier vor ihnen liegenden Klubs.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. Januar 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2018, 09:20 Uhr

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4 Kommentare

09.01.2018 18:13 FSee 4

Ein wohltuend ausgewogener Beitrag kurz vor dem Start der Hinrunde. Völlig richtig: Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. Dazu muss man kein RB-Fan sein. Wichtig auch der Hinweis auf Rangnick: Zu Recht hat er den erreichten Stand moniert, denn etliche Probleme waren hausgemacht. Wie oft hat der Trainer eine gut laufende Partie durch (vorschnelle?) Auswechselungen gestört. Störungen gab es doch durch Schiedsrichter-Eingriffe schon genug... Trotz alledem: Ich wünsche dem RB-Team und seinem Trainer starke Nerven und den psychologisch wichtigen Auftaktsieg zum Beginn der Rückrunde. Die kämpferische, erfrischende Mannschaft einen Platz auf dem Treppchen verdient.

07.01.2018 10:08 jochen 3

Guter Beitrag v. Kommentator J. Hermann,schließe mich dem an,die Auszeichnung der roten Bullen zur sächsischen Mannschaft des Jahres auf der Gala in DD sollte beflügeln-herzlichen Glückwunsch,auch unseren Trainer!
Forza RB Leipzig die Nr.1 in Leipzig und in Sachsen!
RB L überall!

06.01.2018 22:51 Jürgen Hermann 2

Sehr gute Kurzanalyse. Trifft meine Meinung. Wer hat das bei MDR gemacht? Zwei Punkte dazu: RB steht vor
einer unerhörten mentalen Prüfung. Psychisch liegt RB unerwartet am Boden. Zweifeln Mannschaft und Trainer plötzlich an sich selbst? Die genannten Spiele bedeuten eine Alternative: neuer Aufstieg oder Scheitern des Projekts RB! Und wie kam es zum konditionellen Einbruch im Dezember? Auf geht´s RB! Hinter euch stehen Hunderttausende im Osten! "Wir schaffen das!"

06.01.2018 14:25 Hans- Jörg Herzog 1

Als Komentar für den MDR und die Sendung Sport im Osten halte ich Ihren Artikel für sehr, sehr objektiv. Es wäre interessant wie man beim BR den FC Bayern oder beim WDR den BVB beurteilt. Ich denke ein bisschen Lokalpatriotismus ist für einen Leipziger Sender schon erlaubt. Insbesondere wenn man berücksichtigt, daß der 3. und der 6. der derzeitigen Bundesligatabelle die gleiche Punktzahl haben, ist das Glas nicht halb leer sondern halb voll. Die Bayern sagen Mir san Mir, aber Mir sinn sächsi.