Fußball | Bundesligen Stimmungsbild vor möglichem Entscheidungstag

Heute (30.04.) findet das nächste digitale Treffen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten statt und neben vielen gesamtgesellschaftlich relevanten Themen wird es wohl auch um den Profifußball und um eine Fortsetzung der Saison in der 1. und 2. Bundesliga gehen. Die Entscheidung dürfte den Beteiligten mehr als schwer fallen. Ein Stimmungsbild.

Mittlerweile kann man schon gar nicht mehr von einem Riss sprechen, der die Gesellschaft in der "F-Frage", der Frage nach dem Fußball, spaltet. Es ist vielmehr ein tiefer Graben, der durch alle Schichten verläuft. Da ist zum Beispiel die Politik: Während Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer große Lust auf Geisterspiele hat, fehlt seinem Kollegen in Thüringen, Bodo Ramelow, jedes Verständnis für eine Saisonfortsetzung: "Ich sage das ganz ehrlich. Also ich finde es falsch, dass man unter gewerblichen Gesichtspunkten die Deutsche Fußball-Liga starten möchte. Ich finde das nicht in Ordnung."

Politiker und Mediziner sind sich uneins

Das muss Bodo Ramelow auch nicht. In Thüringen wird auch kein erst- bzw. zweitklassiger Fußball gespielt. Die Politik folgt aber ohnehin den Empfehlungen der Medizin. Konkret, denen der Virologen. Aber auch hier herrscht keine Einigkeit. Für Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle sind Geisterspiele eine sinnvolle Alternative und mit dem Konzept der DFL durchaus durchführbar: "Machbar wäre das. Man könnte theoretisch diese Spiele absichern, das ist möglich."

Sein Kollege Uwe Gerd Liebert von der Universität in Leipzig sieht das anders. Geisterspiele mit bis zu 300 Menschen im Stadion und Vollkontakt auf dem Rasen, würden grundsätzlich den Dingen widersprechen, die der Bevölkerung permanent geraten werden.

Bodo Ramelow, DIE LINKE Ministerpräsident Thüringen
Thüringens Ministerpräsident ist gegen die Forsetzung der Fußball-Profiligen. (Archiv) Bildrechte: Thüringer Staatskanzlei

Spielt der Fußball doch eine Sonderrolle?

Egal wie detailliert das Hygiene-Konzept der DFL aussieht, die Sache mit dem Abstand ist nicht zu lösen. Genauso wenig wie die moralische Frage. Die organisierten Fußballfans sind zum beispiel komplett gegen eine Fortsetzung mit Geisterspielen. "Was ist Fußball ohne Fans? Also was bekommen wir da wirklich zu sehen? Und da werden viele Leute enttäuscht sein. Darüber hinaus geht es darum, dass diese Sonderrolle für den Fußball eine Sonderrolle bleibt. Egal was die DFL behauptet. Und da muss sich der Fußball fragen, bin ich Teil der Gesellschaft oder denke ich nur an mich", sagt Jost Peters, der Sprecher der Fanorganisation "Unsere Kurve".

Thomas Kunze

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 30. April 2020 | 19:30 Uhr

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