Fußball | Jubiläum Zwickaus Torwart-Legende Jürgen Croy feiert 75. Geburtstag

Er war einer der Besten seiner Zunft, heute feiert der einstige Weltklasse-Torhüter Jürgen Croy seinen 75. Geburtstag. Zwickau blieb er immer treu und wurde nach der Wende zum "besten Fußballer in 40 Jahren DDR" gewählt.

Jürgen Croy 10 min
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Einmal Zwickau, immer Zwickau: Der 94-fache DDR-Nationalspieler blieb seiner Heimatstadt und der Betriebssportgemeinschaft immer treu, was den Oberen im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat überhaupt nicht schmeckte. Als Croy auf Druck des DDR-Fußballverbandes zu Dynamo Dresden delegiert werden sollte, drohten einige Mitarbeiter des Trabant-Werkes kurzerhand mit Streik. "Das wäre für den Ruf der DDR natürlich eine Katastrophe gewesen, und das wussten die Funktionäre ganz genau", erinnerte sich Croy. Dank seiner Sonderstellung als Leistungsträger in der Nationalmannschaft ließ man den Schlussmann schließlich in Ruhe.

Bester Fußballer der DDR

Nach der Wende wurde Croy zum "besten Fußballer in 40 Jahren DDR" gewählt - vor so namhaften Feldspielern wie Rekordauswahlspieler Joachim Streich, Hans-Jürgen "Dixie" Dörner oder Dribbelkönig Peter Ducke.

Immer heimatverbunden

Alle 372 Pflichtspiele bestritt Jürgen Croy für die BSG Motor bzw. Sachsenring Zwickau. Und auch nach seiner Karriere verließ er Zwickau nicht und agierte als Fußballtrainer, Präsidiumsmitglied und Sportbürgermeister. Sein Markenzeichen war zunächst ein schwarzes Outfit, später ein gelber Torwart-Pullover, der gegnerischen Stürmer abschrecken sollte. Und das gelang dem Jubilar damals glänzend. Er war kein Showman, sondern stach durch hervorragendes Stellungsspiel und Effektivität bei den Paraden hervor.

Bilder des Jubilars: Jürgen Croy wird 75

Jürgen Croy gehörte zu den besten Torhütern der Welt. Am Dienstag feiert der Zwickauer seinen 75. Geburtstag.

Torwart Jürgen Croy konzentriert bei einem Eckball
Ganz konzentriert im Oberliga-Spiel: Jürgen Croy in Erwartung eines Eckballs (1972). Bildrechte: imago/Horstmüller
Torwart Jürgen Croy konzentriert bei einem Eckball
Ganz konzentriert im Oberliga-Spiel: Jürgen Croy in Erwartung eines Eckballs (1972). Bildrechte: imago/Horstmüller
EM-Qualifikation, Niederlande - DDR in Rotterdam: Torwart Jürgen Croy (DDR) klärt vor Johan Cruyff (Niederlande)
EM-Qualifikation Niederlande - DDR in Rotterdam 1972: Torwart Jürgen Croy klärt vor dem großen Johan Cruyff. Bildrechte: imago/Horstmüller
Torwart Jürgen Croy bei einer spektakulären Parade
Vor Jürgen Croy bekam so mancher Stürmer das Flattern. Hier der Zwickauer Schlussmann mit einer starken Parade (1975). Bildrechte: imago/Kruczynski
Torwart Jürgen Croy (Zwickau) kann im letzten Moment vor Peter Kotte klären, re.
Spektakuläres Pokal-Endspiel in Berlin. Torwart Jürgen Croy kann im letzten Moment vor Dresdens Peter Kotte klären. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Torwart Jürgen Croy, Heinz Dietzsch mit dem Pokal und Hans Schykowski kommen die Treppe herunter, 1975
Völlig geschafft, aber glücklich. Die Zwickauer Helden Jürgen Croy, Heinz Dietzsch und Hans Schykowski nach dem Pokalsieg gegen Dresden im "Stadion der Weltjugend" (1975). Bildrechte: imago/Werner Schulze
BR Deutschland - Deutsche Demokratische Republik 0:1 - Torwart Jürgen Croy (DDR, re.) gegen Gerd Müller (BRD), dazwischen Konrad Weise (DDR)
Auch Gerd Müller, der Tore am Fließband schoss, konnte Jürgen Croy beim historischen WM Spiel 1974 in Hamburg nicht bezwingen. Bildrechte: imago sportfotodienst
Torwart Jürgen Croy (DDR) jubelt.
Die Sensation ist perfekt: Die DDR bezwingt die BRD im Weltmeisterschaftsspiel mit 1:0. Ein Schnappschuss für die Ewigkeit mit einem jubelnden Jürgen Croy. Bildrechte: imago/WEREK
Jürgen Croy
1996: Jürgen Croy als Bürgermeister von Zwickau und Vorstandsmitglied beim FSV. Bildrechte: imago/Kruczynski
Jürgen Croy
Jürgen Croy im Jahre 2018 im Rudolf-Harbig-Stadion als "Zaungast" beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und dem SV Darmstadt 98. Bildrechte: imago/Robert Michael
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Olympiasieg als größter Erfolg 

Die größten Erfolge feierte der dreifache DDR-Fußballer des Jahres (1972, 1976, 1978) mit dem Olympiasieg 1976 in Montreal und mit Olympia-Bronze 1972 in München. Aber auch an zwei nationale Pokalsiege (1967, 1975) denkt er gern zurück. Im Endspiel 1975 im Berliner "Stadion der Weltjugend" avancierte Croy zum Spieler des Spiels, als er gegen Dynamo Dresden zwei Strafstöße parierte und den entscheidenden Treffer selbst erzielte (2:2 n.V., 4:3 i. E.). Es folgte eine spektakuläre Europapokalserie mit seinem Zwickauer Verein, die erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger RSC Anderlecht endete. 

Croy Ausgangspunkt für das Sparwasser-Tor

Beteiligt war Jürgen Croy natürlich auch am 1:0-Sensationssieg der DDR bei der WM 1974 in der Vorrunde in Hamburg gegen die Auswahl der Bundesrepublik. "Wir konnten der ganzen Welt zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", bekräftigte Croy hinterher. Er leitetete den entscheidenden Treffer mit einem Abwurf zu Erich Hamann ein, der dann den Torschützen Jürgen Sparwasser bediente.

Torwart Jürgen Croy (DDR) jubelt.
Jürgen Croy bejubelt den legendären Erfolg der DDR bei der WM 1974 gegen die BRD. Bildrechte: imago/WEREK

jmd/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 19. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

21 Kommentare

Standfussballer vor 30 Wochen

Niemand, der Jürgen Croy jemals persönlich getroffen hat und ihn erleben durfte, wird diesen Moment je vergessen. Ein sehr sympathischer und bodenständiger Mensch. Ich hatte das Glück, ihn als "Sportbürgermeister" bei verschiedenen Veranstaltungen zu treffen. Seine Art hat mich tief beeindruckt.
Alles Gute zum 75. Geburtstag und vor allem viel Gesundheit.

Lilaweis vor 30 Wochen

Ich hatte das Vergnügen, vor ca.2 Jahren, in unserem Sportlerheim, ein Forum mit Jürgen Croy und Gerd Zimmermann zu erleben, ein ganz bescheidener Zeitgenosse,hat damals bißchen ausn Nähkästchen geplaudert 👍,sehr unterhaltsam, und zu Jochen,vielleicht mal bißchen weniger rote Brühe konsumieren, es gibt nicht nur RB🥱,du bist doch hier im Sendegebiet der Oberschlaumeier

Steffen1978 vor 30 Wochen

wie die Zeit vergeht - der war unser Bester und da fällt mir sofort Teófilo Stevenson ein super Sportler, kubanischer Boxer, Cornelia Ender und Roland Matthes die Super Helden damaliger Zeit

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