Die Spielerinnen aus Jena schwören sich mit einem Mannschaftskreis vor dem Anpfiff ein.
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Fußball | 2. Bundesliga USV Jena: Aufstieg oder viele Fragezeichen

Für die Fußballerinnen des USV Jena ist bereits vor dem letzten Zweitliga-Spiel der Saison am Sonntag klar: Das Spiel in Saarbrücken wird richtungsweisend. Entweder kehren die Thüringerinnen in die Bundesliga zurück - oder sie stehen wieder vor einer ungewissen Zukunft. Sogar die Übertragung des Spielrechts auf einen anderen Verein steht im Raum, denn eine weitere Saison in der zweiten Liga ist unter den aktuellen Bedingungen nur sehr schwer leistbar.

Die Spielerinnen aus Jena schwören sich mit einem Mannschaftskreis vor dem Anpfiff ein.
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Jubel oder Trauer, Sekt oder Tränen, finanzielles Überleben oder Komplettabsturz? Für die Fußballerinnen des FF USV Jena ist bereits vor dem letzten Spieltag in der 2. Bundesliga am Sonntag (14 Uhr) beim 1. FC Saarbrücken klar: Das Saisonfinale wird sehr emotional.

Szenario Sieg in Saarbrücken: Aufstieg

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Im für Jena besten Fall gewinnen die USV-Frauen beim Tabellenachten. Dann beenden die Thüringerinnen die Saison als Tabellenvierter und kehren ein Jahr nach dem Abstieg in die Fußball-Bundesliga zurück. Der vierte Platz in der 2. Liga reicht deswegen für die Bundesliga-Rückkehr, weil mit Bayern München II und Wolfsburg II zwei Teams vor dem USV stehen, die nicht aufsteigen können. Das Fernduell um den zweiten Aufstiegsplatz hinter dem 1. FC Köln bestreitet Jena am Sonntag mit dem SV Meppen.

"Nur noch diesen einen Schritt gehen"

Jena hat mit einem Punkt Vorsprung den Aufstieg in eigener Hand. Mit Saarbrücken hat das Team des scheidenden USV-Trainers Steffen Beck allerdings den deutlich schwereren Kontrahenten im Vergleich zu Verfolger Meppen, das beim abgeschlagenen Tabellenletzten, der SGS Essen U20, antritt. Ein Unentschieden dürfte Jena aller Voraussicht nach also nicht reichen. Trotzdem geht Beck selbstbewusst in die Partie: "Wir stehen an der Ziellinie, wir müssen nur noch diesen einen Schritt gehen", sagt der 56-jährige Coach, der in der kommenden Saison die U20 des deutschen Meisters VfL Wolfsburg betreut, und fügt hinzu: "Wir hätten den Aufstieg gern früher klargemacht, aber wir nehmen die Situation, wie sie kommt. An Selbstvertrauen mangelt es uns nicht und wir werden alles geben."

Szenario Verpasster Aufstieg: 2. Liga oder Auflösung

Siegen oder Fliegen - so könnte das Motto für das letzte Saisonspiel der Jenaerinnen lauten. Denn: Verpassen die Thüringerinnen den Rückkehr in die Bundesliga, geht es trotz der stabilen Tabellenposition in der 2. Liga möglicherweise runter in die Regionalliga. Das würde der Einstellung des Spielbetriebs des FF USV gleichkommen.

Steffen Beck (Trainer vom USV Jena) im Kreis seiner Spielerinnen.
USV-Trainer Beck: "Hätten Aufstieg gern früher klargemacht" Bildrechte: Hannes Seifert / FF USV Jena

Der Grund sind die Finanzen. Zwar haben die Jenaerinnen die Lizenz für die ersten drei Spielklassen bekommen, für die 1. und 2. Liga jedoch nur unter Auflagen. "Für die Bundesliga mache ich mir keine Sorgen. Für die 2. Liga wird es schwer, die Auflagen zu erfüllen. Es ist aber nicht völlig ausgeschlossen. Wir müssten unsere ohnehin schon geringen Personalkosten weiter senken. Wir haben bisher relativ viel Geld bezahlt für die 2. Liga", erklärte Vize-Präsident Torsten Rödiger gegenüber "Sport im Osten".

Bis zum 28. Mai haben die Verantwortlichen Zeit, die Auflagen zu erfüllen. Bis dahin sollen weitere Unterlagen mit einem deutlich verringerten Etat eingereicht werden. Konkrete Zahlen wollte Rödiger nicht nennen.

Fusion mit Carl Zeiss?

Was auf einen Abstieg in die Regionalliga folgen würde, ist derzeit unklar. Rödiger erklärte jedoch: "Den FF USV wird es dann in der jetzigen Form nicht mehr geben. Dann müssen wir Gespräche führen zur Übertragung der Spielrechte an den FC Carl Zeiss oder ob man den Frauenfußball im großen USV weiterführen kann."

Vorstandsmitglied Torsten Rödiger gratuliert Steffen Beck (FF USV Jena, Co-Trainer) zur bestandenen A-Lizenz
Vorstandsmitglied Torsten Rödiger (li.) gratuliert Trainer Steffen Beck. (Archiv) Bildrechte: imago/foto2press

Ich bin mir sicher: Das Geld wird aufgebracht.

FF-USV-Jena-Vize-Präsident Torsten Rödiger über das Finanzloch der laufenden Saison

Saisonverbindlichkeiten bei 12.000 Euro

Insgesamt drücken den USV Verbindlichkeiten in mittlerer sechsstelliger Höhe. "Wir haben Verbindlichkeiten in Höhe von 300.000 beim belgischen Investor [Roland Duchatelet, Anm. der Redaktion] und 100.000 bei zwei Banken. Diese Summen sind aber aktuell nicht fällig", so Rödiger. Die noch fälligen Zahlungen in dieser Spielzeit belaufen sich auf rund 30.000 Euro. "Davon sind 18.000 Euro abgesichert. Über Crowdfunding versuchen wir, die restliche Summe von etwa 12.000 Euro aufzubringen. Ich bin mir sicher: Das Geld wird aufgebracht."

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dh/rho

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. Mai 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 13:11 Uhr

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