Fußball | 2. Bundesliga Acht (!) Gegentreffer - Das Auer Debakel gegen Paderborn

32. Spieltag

Dieses Spiel geht in die Geschichte ein! Erzgebirge Aue ist vom SC Paderborn gnadenlos aus dem eigenen Stadion geschossen worden. Dabei führten die "Veilchen" schon 2:0.

Frust und Enttäuschung bei Aue nach dem Spiel.
Fassunglos. Aues Martin Männel hockt in seinem Tor. Acht Gegentreffer - was für ein Albtraum. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Erzgebirge Aue hat am Sonntag (09.05.2021) eine unglaubliche Niederlage kassiert. Das Heimspiel am drittletzten Spieltag gegen den SC Paderborn ging mit 3:8 (2:4) verloren. Das Spiel geht als eines der torreichsten in die Geschichte der 2. Bundesliga ein. "Wir liegen jetzt am Boden, ist doch klar. Wir werden uns einiges anhören müssen, das wird seine Berechtigung haben, trotzdem werden wir wieder aufstehen und hoffen auf eine Trotzreaktion in Düsseldorf", sagte Aue-Trainer Dirk Schuster nach dem Spiel.

Feuerwehrstart: 2:0 nach vier Minuten

Das Spektakel in Aue begann bereits nach 35 Sekunden: Dimitrij Nazarov versenkte den Ball nach einer Flanke von der rechten Seite mit links unhaltbar ins lange Eck. Keine drei Minuten später jubelte Aue erneut, und wieder traf Nazarov. Diesmal hatte er beim quer gelegten Ball von Florian Krüger sogar noch Zeit, den Ball anzunehmen und aus fünf Metern ins Tor zu schießen. Es war der schnellste Doppelpack in der Auer-Vereinsgeschichte und die 2:0-Führung.

Testroet-Tor zählt nicht

Einige Auer wähnten sich da wohl schon im sicheren Hafen und erreichten in der Folgezeit nie die Wettkampfhärte, die es braucht. So drehte der Bundesliga-Absteiger den Spieß um. In der zehnten Minuten setzte sich Führich auf der rechten Seite durch, legte zurück auf Sbreny, der mühelos zum 15. Mal in dieser Saison traf. Die Ostwestfalen wollten mehr, erhöhten die Schlagzahl, Aue beschränkte sich auf Konter. Das können die Veilchen so gut wie keine andere Zweitliga-Mannschaft. Und tatsächlich lag der Ball wieder im Tor, doch der Lupfer von Pascal Testroet zählte nicht, weil der Auer Angreifer beim Pass von Zolinski knapp im Abseits stand.

Elf Tore in Aue - Spektakel statt Sommerfußball

Erzgebirge Aue
Ja, ja - es ging gut los: Nazarov jubelt nach seinem Treffer nach 35 Sekunden. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
Ja, ja - es ging gut los: Nazarov jubelt nach seinem Treffer nach 35 Sekunden. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
... und steht drei Minuten später erneut im Fokus: Zweiter Abschluss, zweites Tor. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
Und Trainer Dirk Schuster ist außer sich vor Freude. Gegen Paderborn hatte er 2018 beim 2:6 als Coach von Darmstadt seine höchste Niederlage kassiert. Diesmal lief es wie am Schnürchen... Bildrechte: Picture Point
Trainer Steffen Baumgart, SC Paderborn
Und Steffen Baumgart? Der scheidende SCP-Coach versteht die Welt nicht mehr. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
Doch zum Glück - aus Baumgarts Sicht - ist auf seine Torjäger Verlass. Srbeny erzielt das 1:2, Michel (im Bild) tunnelt FCE-Keeper Männel und schafft das 2:2. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
Noch vor der Pause versenkt Führich einen Handelfmeter. Bildrechte: Picture Point
Erzgebirge Aue
Männel, ein Elfmeterkiller, ahnt die Ecke, kommt aber nicht ganz ran. Bildrechte: Picture Point
Ben Zolinski ärgert sich.
Noch vor der Pause fängt sich Aue das 2:4 ein und Ben Zolinski kann es nicht fassen. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Ben Zolinski  hockt auf dem Feld.
Hoffnung kurz nach der Pause: Zolinski wird gefoult. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Dimitrij Nazarov (10, Aue) trifft per Foulelfmeter zum 3:4 Anschluss.
Den Elfmeter vewandelt Nazarov zum 3:4. Dreierpack! Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Christopher Antwi-Adjei (22, Paderborn) trifft zum 3:7.
Jubeln konnte er darüber nicht, denn Aue erlebt nach der Pause ein Debakel und kassiert vier Gegentreffer. Hier trifft Christopher Antwi-Adjei zum 3:7. Männel war mal wieder machtlos., Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Frust und Enttäuschung bei Aue nach dem Spiel.
Fassunglos. Aues Martin Männel hockt in seinem Tor. Acht Gegentreffer - was für ein Albtraum. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Frust und Enttäuschung bei Aue nach dem Spiel.
Trainer Dirk Schuster nimmt die gesamte Mannschaft sofort nach dem Abpfiff zusammen. Am Mittwoch geht die Mannschaft in ein Quartänehotel, ist zehn Tage abgeschottet und hat viel Zeit zum Aufarbeiten. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
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Paderborn dreht den Spieß um

Stattdessen jubelte Paderborn. Sven Michel schüttelte Florian Ballas ab und drosch den Ball durch die Beine von Martin Männel: 2:2 (31.). Es kam noch dicker: Nach einem unglücklichen Grätschen-Handspiel von Sören Gonther verwandelte Führich per Elfmeter zum 2:3. Doch damit nicht genug. Sekunden vor der Pause bugsierte sich der Zweitliga-Rekordspieler Männel den Ball bei einer missglückten Rettungstat selbst in die Maschen. Ein Kopfball von Sebastian Schonlau landete am Pfosten, den zurückprallenden Ball schaufelte Männel mit dem Fuß artistisch ins eigene Tor.

Nazarov mit seinem dritten Tor - dann brach Aue ein

Nach der Pause ging das verrückte Spiel weiter. Nach einem Foul an Zolinski bekam Aue einen Elfmeter, den Nazarov verwandelte. Sein dritter Treffer in diesem Spiel. Wer jetzt an eine Aufholjagd glaubte, sah sich getäuscht. Im Gegenteil: Ab der 59. Minute kam es knüppeldick, weil Paderborn gnadenlos stürmte und Aue wie im Training schwindlig spielte. Michel, Srbeny und die eingewechselten Antwi-Adjei und Akolo schossen Aue mit vier weiteren Treffern ins Tal der Tränen.

Ben Zolinski, einst in Paderborn, war nach dem Spiel bedient: "Wir können uns nur bei unseren Fans entschuldigen. Es ist schwer, in Worte zu fassen. Nach einer 2:0-Führung denkst du, du bist auf einem guten Weg. Wir haben danach so einfache Fehler gemacht, die du in keiner Liga machen darfst."

Ben Zolinski ärgert sich.
Ben Zolinski - einer der Aktivposten - kann es nicht fassen. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Schusters Horrorbilanz

Aue-Trainer Dirk Schuster bleibt mit Paderborn auf Kriegsfuß. Schon als Coach von Darmstadt hatte er 2018 beim 2:6 ein Debakel gegen die Ostwestfalen erlebt. Das bittere Kapitel wurde am Sonntag um eine Seite erweitert.

Das sagten die Trainer

Steffen Baumgart (Paderborn): "Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Vieles ist nach dem schnellen 0:2-Rückstand gut gelaufen. Die Jungs sind dran geblieben und haben bis zum Ende Gas gegeben. Das war sehr schön und deshalb freuen wir uns über die drei Punkte und die geschossenen Tore."

Dirk Schuster (Aue): "Wir haben viel vermissen lassen von dem, was uns in dieser Saison ausgezeichnet hat und wie wir unsere Punkte geholt haben. Nach einer schnellen 2:0-Führung haben wir gemerkt, dass die Paderborner mit den tiefen Läufen ihre Probleme hatten. Beim 3:8 muss man den Finger aber in die Wunde legen und ganz klar sagen, dass wir von diesen acht Gegentreffer mehr als die Hälfte mit individuellen Fehlern begünstigt haben. Wir verlieren in der letzten Reihe den Ball, waren nicht griffig im Zweikampfverhalten. Wir werden das morgen analysieren und hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen. Wir liegen jetzt am Boden, ist doch klar. Wir werden uns einiges anhören müssen, das wird seine Berechtigung haben, trotzdem werden wir wieder aufstehen und hoffen auf eine Trotzreaktion in Düsseldorf."

Videos und Audios zur 2. Fußball-Bundesliga

Vorschaubild Heinz Mörschel
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Vorschaubild Sebastian Mai
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sebastian Mai kam gegen den 1. FC Nürnberg von der Bank und spielte dann in eriner eher ungewohnten Rolle. Nun gehe es darum, gegen die aktuelle Tendenz zu arbeiten.

So 17.10.2021 16:58Uhr 02:09 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-interview-dynamo-dresden-fc-nuernberg-sebastian-mai-100.html

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Video
Vorschaubild Alexander Schmidt
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. Mai 2021 | 21:45 Uhr

72 Kommentare

Kiel_oben vor 22 Wochen

gegen ex. Bundesligist 2018/2019 kann schon mal 3:8 passieren;
HSV kassierte mehrmals 8 Gegentore und die 6 die Gladbach bekam sind für 1. Liga vllt. schlimme als für 3. Liga - ich hoffe wir (Kiel) packen Aufstieg

normaler Zeitgenosse vor 22 Wochen

Hallo Normalbürger,gebe Dir in vielen Pkt.recht. Aber was gerade in diesem Spiel mit Motivation passiert ist....hier muss eine grundlegende Frage zum Charakter jedes einzelnen Spielers gestellt werden.

...solche Zeichen der Mannschaft geht nicht .!

Das sind Profis und verdienen viel Geld.

Und ein Hochscheidt bringt über die ganze Saison nicht die Leistung und sitzt dann eben zurecht auf der Bank und sollte sich nicht durch Hrsten zur Trainerbank(Braunschweigspiel) bemerkbar machen,sondern motiviert im Training anbieten.
zu Gonther Verlängerung steht bei mir?????

Ich bins vor 22 Wochen

@Udo 841:Ja ja, will sich Fußball-Fan nennen und wahrscheinlich wohl auch Hansa-Fan sein, aber wo die Wurzeln seines Vereins liegen da ist Amnesie. Noch mal ganz langsam zum Mitmeißeln: Hansa Rostock entstanden aus dem Verein Empor Lauter. Der wurde an die Ostsee deligiert. Würde es Empor Lauter nicht gegeben haben würde Rostock Fußball-Niemandsland sein.