Fußball | 2. Bundesliga Aue chancenlos gegen Paderborn: Trainer Shpileuski entlassen

7. Spieltag

Es sollte ein Auftritt zum Mutmachen werden, geriet aber zum schlechtesten Auftritt dieser Saison: Erzgebirge Aue ist gegen den neuen Tabellenführer SC Paderborn baden gegangen. Coach Shpileuski wurde danach entlassen.

Aue - Paderborn:  Aue-Trainer Aliaksei Shpileuski
Aliaksei Shpileuski Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Der FC Erzgebirge Aue hat es auch im siebten Versuch unter dem neuen Trainer Aliaksei Shpileuski nicht geschafft, einen Sieg zu landen. Im Gegenteil. Gegen den neuen Fußball-Zweitliga-Tabellenführer SC Paderborn gab es nach einer weitgehend enttäuschenden Vorstellung eine 1:4-Heimpleite. Damit könnte es für den Coach, der aus Kasachstan nach Sachsen gekommen war, nun brenzlig werden.

Shpileuski nach dem Spiel beurlaubt

Aue: Trainer Aliaksei Shpileuski und Präsident Helge Leonhardt
Aues Präsident Helge Leonhardt (li.) und Aliaksei Shpileuski (Archivbild) Bildrechte: imago images/Eibner

Aue-Boss Helge Leonhardt hatte vor dem Spiel keinen Sieg, aber einen beherzten Auftritt gefordert. Von dem waren die Veilchen, die nach der vierten Niederlage in Folge weiter Schlusslicht bleiben, weit entfernt. Schon in der Pressekonferenz nach dem Spiel zog der Verein Konsequenzen und beurlaubte den 37-Jährigen. Leonhardt sagte: "Das Projekt ist gescheitert, was ich persönlich sehr bedauere". Er habe sich mit Shpileuski ausgesprochen, und man sei zur Meinung gekommen, "dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht". Er habe selbst "an das Projekt geglaubt, aber so ist es nicht umsetzbar." Beide hätten das Gefühl gehabt, dass es "zum jetzigen Zeitpunkt nichts bringt". Weitere Aussagen wollte der angeschlagen wirkende Leonhardt nach der Pressekonferenz nicht mehr treffen.

Aliaksei Shpileuski
Bildrechte: imago images/Picture Point

Doppelchance zum 1:1

Die ersten vier Minuten gehörten am Sonntagnachmittag den Gastgebern, aber nach der ersten Tor-Annäherung der Gäste hieß es schon 0:1. Marco Stiepermann finalisierte einen schnellen Gegenangriff, bei dem die Shpileuski-Elf einfach nicht in die Zweikämpfe kam. So sollte es dann auch die restlichen 85 Minuten lang bleiben. Vielleicht wäre die Partie anders gelaufen, wenn Aue seine Chancen besser nutzen würde. Da stand die Bilanz vor dem Spiel bei 1,8 Prozent - völlig unzureichend. In Minute 16 hätte der Ex-Paderborner Ben Zolinski für den Ausgleich sorgen können, traf nach Solo aber nur den linken Pfosten. Neuzugang Antonio Mance hätte dann im Nachschuss aber für den Ausgleich sorgen müssen, versemmelte jedoch freistehend.

Nikola Trujic Aue, Jasper van der Werff Paderborn, 4 Zweikampf
Die Auer Offensive, hier Debütant Nikol Trujic (li.), hatte Paderborn zumeist im Griff. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

0:3 zur Pause

Und so wurde es zu einem Spaziergang für die Paderborner. Aue schwamm defensiv ein ums andere Mal und hatte vor allem dem Chancenwucher der Ostwestfalen zu verdanken, dass es nicht noch höher wurde. Immerhin, zur Pause führten sie ja auch schon 3:0 und hatten damit die Tabellenführung dank der drei Treffer erobert. Der überragende Sven Michel (26.) und Felix Platte (40.) hatten getroffen. Beide Male nach Videobeweis - Aue spielte da ständig mit dem Feuer. Es ging nicht immer gut.

Tor für Paderborn, Felix Platte 36, Paderborn, verdeckt trifft zum 0:3 gegen Torwart Martin Männel
Aue kassiert durch Felix Platte (2. v. re.) das 0:3 Bildrechte: imago images/Picture Point LE

"Traurige Geschichte"

Nach der Pause macht erneut Stiepermann praktisch alles klar (48.). Dabei ließ er mti einer Drehung Gaetan Bussmann und Sören Gonther ins Leere laufen. Nun wurden Erinnerungen an ds 3:8 im Mai wach, aber Paderborn beließ es bei den vier Treffern. Aue kam durch einen Kopfball von Babacar Gueye heran (51.). Danach sahen die 5.150 Zuschauer die beste Phase der Sachsen. Gueye per 17-Meter-Schuss (57-) und Mance (59.), der den freien Zolinski übersah, hätten sogar das 2:4 erzielen können. So weit kam es nicht. Irgendwann dann hing ein Transparent vor dem Auer Fanblock: "Traurige Geschichte". Während des Spiels hatten sich die Anhänger mit Unmutsäußerungen weitgehend zurückgehalten.

Die nächsten Gegner sind mit dem Zweiten Jahn Regensburg (A), dem Hamburger SV (H) und dem Karlsruher SC (A) Klubs aus den aktuellen "Top 6". Diese Aufgabe geht nun ein neuer Trainer an.

Stimmen zum Spiel

Lukas Kwasniok (Trainer Paderborn): "Es ist eine ungewöhnliche Pressekonferenz (Aue-Präsident Helge Leonhardt saß neben ihm, Anm. der Redaktion), deshalb möchte ich mich sehr, sehr kurz halten. Wir sind natürlich sehr froh über den Sieg, Ich glaube, auch in der Höhe verdient, weil wir von Beginn an im Spiel waren, hatten nur eine kurze Phase, nach dem 2:0, wo wir den Gegner hätten herankommen lassen können. Alles in allem war es eine wirklich gute Leistung. Wir freuen uns über den aktuellen Ist-Zustand. Wir wissen aber, dass wir sehr demütig sein müssen. Ich wünsche Herrn Leonhardt, dem FC Erzgebirge Aue und der gesamten Region alles Gute."

Christian Kerber

Videos und Audios zur 2. Fußball-Bundesliga

Vorschaubild Alexander Schmidt
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (92)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. September 2021 | 15:30 Uhr

32 Kommentare

lausi alex vor 10 Wochen

Nicht ganz zu verstehen, dass viele nicht sehen wollen, dass gestandene Spieler (außer M. Männel) bereits zum zweiten Mal nach Mai 2021 gegen den Trainer spielten, weil sie mit irgendetwas nicht zufrieden sind. Schon nach dem Schusterweggang hieß es.. jetzt gibt es keine Ausreden mehr.. Aber herausstellte sich, dass alles nach 4-5 Spielen wieder vergessen war.. An allem waren danach Alexej und der Präsi Schuld. Sicher, der Versuch vollkommen neuen Fußball zu spielen passt vielleicht doch nicht nach Aue, aber das es genügend Spieler gibt, die sich nicht mit Vorgaben von Trainern anfreunden, wenn es ihnen nicht gefällt, weiß man spätestens jetzt. Schade auch, dass Alexej von Beginn an bei einigen keine faire Chance bekam ( z.B. Plakat mit der Anspielung auf die RB Vergangenheit). Kumpelverein sollte eigentlich anders sein!

Gernot vor 10 Wochen

Vor ab, ich bin der Letzte, der dem FCE etwas Böses will und ich will auch nicht aus der Anonymität hier rummotzen.
Das dieses Projekt letztendlich gescheitert ist, der Trainer gehen musste ist wirklich nicht schön und wirft den Verein zurück. Aber dieses Missgeschick kam wohl nicht von ungefähr. Nach der Fluktuation auf den Trainerstühlen beim FCE hätte man - gerade was besagtes Projekt betrifft - erwarten können, daß hinter der Verpflichtung eines Schuster - Nachfolger ein durchdachter , wohl überlegten Plan steht. Das man unter vielen Kandidaten, den herausfindet, der zu besagten Zukunftsvisionen und Verein wirklich passt. Und, das so, daß Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten fürs Erste kein Thema sind. Die Realität: Nach 7 Spielen in der Liga muss der neue Trainer wieder gehen und hinterlässt einen Scherbenhaufen, welcher den Ligaverbleib fast unmöglich macht. Ein neuer Trainer allein, wird es mit dem verbliebenen Kader kaum schaffen die Liga zu halten.

normaler Zeitgenosse vor 10 Wochen

Wer immer wieder verkündet einen Fussballverein genau so zu führen,wie ein Wirtschaftsunternehmen ..muss auch so handeln und dazu gehört auch die strategische Planung und Weitsicht......die in Vorbereitung Saison 2021 /22 einfach dellitantisch war.

Aufsichtsrat in Aue Alibi Funktion.?!
Das wird eine große Herausforderung,trotzdem mit einer Chance.