Fußball | Transferfenster Bereithalten für die richtige Gelegenheit – Clemens Fandrich und Chris Löwe zu Gast beim Chemnitzer FC

Seit Wochen mischen zwei prominente Gesichter im Training von Regionalligist Chemnitzer FC mit – Clemens Fandrich und Chris Löwe. Beide sind vereinslos, halten sich fit und hoffen auf die richtige Gelegenheit. Für den klammen CFC ist eine Verpflichtung unrealistisch. Also wohin geht die Reise?

Am 15. Mai 2022, in seinem 184. Pflichtspiel für den FC Erzgebirge Aue, bot Clemens Fandrich noch einmal das, was er sechseinhalb Jahre lang im Trikot der Veilchen zuverlässig tat. Im zentraldefensiven Mittelfeld verteilte er die Bälle, überzeugte mit guter Übersicht, hoher Passquote, klugem Stellungsspiel, giftigen Zweikämpfen, gab drei Torschussvorlagen, probierte es selbst zweimal und spulte dabei über zehn Kilometer Laufstrecke ab.

Clemens Fandrich (Aue), am Boden: Patrick Weihrauch (Dresden)
15. Mai 2022: Clemens Fandrich in seinem 184. und letzten Pflichtspiel für den FC Erzgebirge Aue. Bildrechte: IMAGO / Hentschel

Zum ersten Mal vereinslos

Der FCE war nach einer sportlich desolaten Saison längst aus der 2. Bundesliga abgestiegen, aber immerhin brachte der 1:0-Auswärtssieg an jenem 34. Spieltag im sächsischen Prestigeduell bei Dynamo Dresden noch so etwas wie einen anständigen Abschiedsgruß aus dem Fußball-Unterhaus. Im März hatte Vereinspräsident Helge Leonhardt Gespräche mit Fandrich über eine Vertragsverlängerung auch bei Abstieg angekündigt: "Er passt von seiner Mentalität her ins Erzgebirge, ist ein sportlicher Gewinn und ein feiner Kerl", sagte Leonhardt damals. Der eigentlich noch bis 2023 laufende Vertrag galt lediglich für die 2. Bundesliga.

Zu einem erneuerten Arbeitspapier im Schacht kam es nicht, trotz dass auch Timo Rost Interesse an einer Weiterbeschäftigung gehabt haben soll – das jedenfalls verriet Fandrich noch Anfang Juni der Bild-Zeitung. Stattdessen ist er seit 1. Juli zum ersten Mal in seiner auch schon knapp 13-jährigen Profikarriere vereinslos.

Cottbus Radim KUCERA (l.) Bielefeld vs Clemens FANDRICH
Herbst 2009: Der 18-jährige Clemens Fandrich grätscht furchtlos gegen den Bielefelder Rustikalarbeiter Radim Kucera. Bildrechte: imago/pmk

September 2009: Zweitliga-Debüt bei Energie Cottbus

Im September 2009 war der damals erst 18-Jährige bei seinem Jugendverein Energie Cottbus von Trainer Claus-Dieter Wollitz erstmals ins kalte Zweitliga-Wasser geworfen worden. Dreieinhalb Jahre später lockte der damalige Regionalligist RB Leipzig. Dort pendelte Fandrich zwischen Bank und Rasen, wurde im Januar 2015 erstmals nach Aue ausgeliehen, machte dann eine einjährige Zwischenstation beim FC Luzern in der ersten Schweizer Liga, ehe der FC Erzgebirge 2016 nach dem Zweitliga-Aufstieg ihn endgültig fest verpflichtete.

Natürlich verfolge ich, was im Erzgebirge passiert, das ist ja ganz klar – wie auch alle anderen Stationen, die ich bisher hatte.

Clemens Fandrich

Über drei Monate nach seinem letzten Auer Auftritt steht der nun 31-Jährige bei sengender Hitze im Chemnitzer Sportforum und sagt im MDR-Interview: "Natürlich verfolge ich, was im Erzgebirge passiert, das ist ja ganz klar – wie auch alle anderen Stationen, die ich bisher hatte." Während die nahezu komplett neu zusammengestellten Auer einen Katastrophenstart in die 3. Liga hingelegt haben, hält sich Fandrich – wie auch der vorherige Dynamo-Profi Chris Löwe – über einem Monat schon als Trainingsgast bei Regionalligist Chemnitzer FC bereit für die richtige Gelegenheit.

Testspieler Clemens Fandrich 16 und Chris Löwe 15 Chemnitz Sachsen BRD
Clemens Fandrich (li.) und Chris Löwe (re.) sind seit Wochen Dauergäste im CFC-Training. Bildrechte: IMAGO/HärtelPRESS

Fandrich hat mit Tiffert und Hoheneder zusammengespielt

Beide werden von der gleichen Berateragentur vertreten. Die Vereinbarung mit den Verantwortlichen der Himmelblauen war unkompliziert. Die Fußballblase ist klein. "Das ist ein Anruf, das ging ganz schnell", so Fandrich. Er spielte mit dem heutigen CFC-Trainer Christian Tiffert in Aue zusammen und war zuvor RB-Teamkollege des aktuellen Chemnitzer Co-Trainers Niklas Hohenender.

Löwe gelang einst aus der CFC-Jugend der Sprung ins Profigeschäft. Der mittlerweile 33-Jährige stand später unter Jürgen Klopp im Meister- und Pokalsiegeraufgebot von Borussia Dortmund, spielte für Kaiserslautern, war Teil des märchenhaften Premier-League-Aufstiegs von Huddersfield Town, ehe es ihn zurück nach Sachsen zu Dynamo Dresden verschlug.

Training des CFC vl: Testspieler Clemens Fandrich und Trainer Christian Tiffert
Blick nach vorn: Clemens Fandrich, beobachtete von Christian Tiffert, im Training beim Chemnitzer FC. Bildrechte: IMAGO / HärtelPRESS

Gegenseitige Komplimente

Fandrich, der eine halbe Stunde entfernt in der Nähe von Leipzig wohnt, betont: "Ich bin sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit geben, mich hier fit zu halten und fit zu machen. Das ist echt eine Klasseaktion." Er sei von der "sehr duften" Chemnitzer Mannschaft "überragend aufgenommen" worden, freut sich der Mittelfeldspieler. Vom ersten Tag an habe er "einen unheimlichen Spaß in der Kabine, als wäre ich nie woanders gewesen. Deswegen bin ich auch schon in der fünften Woche hier."

Sie heben unsere Trainingsqualität, dazu sind sie menschlich einwandfrei, integrieren sich total. Wir haben sie auf einem guten Fitnesslevel und was sie bei uns machen, ist vorbildlich.

CFC-Trainer Christian Tiffert

Die Komplimente gibt Christian Tiffert stellvertretend für die Chemnitzer anstandslos zurück: "Man sieht in den Einheiten, dass diese beiden Spieler auf einem sehr hohen Niveau gespielt haben, sie heben unsere Trainingsqualität, dazu sind sie menschlich einwandfrei, integrieren sich total. Wir haben sie auf einem guten Fitnesslevel und was sie bei uns machen, ist vorbildlich", unterstreicht der 40-Jährige.

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Mit roten Augen: Clemens Fandrich an der Seite von Dimitrij Nazarov nach dem Zweitliga-Abschiedssieg in Dresden. Bildrechte: IMAGO/Picture Point

Deadline am 31. August? Vertragslose Profis haben länger Zeit

Allerdings biegt die Sommertransferphase zumindest in Deutschland so langsam auf die Zielgerade. Bis 31. August ist das Fenster – für Wechsel von Verein A zu Verein B – hierzulande geöffnet. Dutzende Profis ohne Klub hoffen darauf, doch noch ein Angebot zu bekommen, das sie nicht ablehnen können.

Ihnen bliebe aufgrund ihrer Vertragslosigkeit sogar die Hintertür, auch nach dem sogenannten Deadline-Day noch irgendwo unterzukommen. Erst mit dem Ende des Wintertransferfphase endet diese Möglichkeit in einer laufenden Saison. Dennoch haben die Kader der in Betracht kommenden Vereine zumindest nach dem 31. August in der Regel nur noch wenige Lücken.

Christian Tiffert 1 min
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Die langjährigen Zweitliga-Profis Clemens Fandrich und Chris Löwe sind auf Klubsuche und halten sich beim Chemnitzer FC fit. CFC-Trainer Christian Tiffert lobt die Routiniers, ihre Verpflichtung ist jedoch unrealistisch.

Fr 19.08.2022 13:12Uhr 01:29 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-cfc-christian-tiffert-uber-fandrich-und-loewe-100.html

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Tiffert schließt Vertrag beim CFC aus

Clemens Fandrich selbst wirkt im MDR-Interview weiter entspannt und bestens gelaunt. Er fühle sich gut und sei grundlegend fit, meint der Rechtsfuß – "aber klar, es fehlen Spiele, es fehlt der Rhythmus, die Abläufe außerhalb des Trainings." Er bestätigt Gespräche mit einigen potenziellen Interessenten, mehr jedoch nicht. Der 31-Jährige sagt: "Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Dass ich mich hier im Osten wohlgefühlt habe, stellt meine Karriere klar. Aber ich mache das jetzt nicht abhängig von einer Region."

Dass am Ende vielleicht sogar der Chemnitzer FC profitieren könnte und sowohl Clemens Fandrich als auch Chris Löwe oder auch nur einer von beiden mehr als nur ein Trainingsgast im Sportforum bleibt, dem schiebt Christian Tiffert energisch den Riegel vor: "Eins und eins macht zwei", rechnet der CFC-Trainer vor, denn "man muss gucken, wo diese Spieler gespielt haben und was da die Verdienstmöglichkeiten sein könnten und wo wir jetzt sind. Damit ist die Frage beantwortet."

Videos aus der Regionalliga

Spieler von Lok Leipzig am Ball.
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Energie Cottbus - Chemnitzer FC
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8 min

Der Chemnitzer FC ließ sich bei Energie Cottbus schnell und böse überraschen. Erst später kamen die Sachsen zurück, um am Ende den Nackenschlag zu kassieren. Das Video zum Spiel.

Sa 17.09.2022 17:10Uhr 07:52 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-bericht-energie-cottbus-chemnitzerfc100.html

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Chemie Leipzig - Berliner AK
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Dieses Thema im Programm: MDR+ | Sport im Osten | 19. August 2022 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

GEWY vor 5 Wochen

Als Fan eines Pleiteverein der sogar den Spielbetrieb einstellen musste und aus dem Vereinsregister gestrichen wurde würde ich ganz still sein. Und was "einsEnergie" betrifft, na ja das Geld vom CFC-Kunden nehmen aber die Größe wenn es mal nicht so läuft, auch wenn der Partner Fehler macht, zur Stange zu halten fehlt dann wohl.

Chemieschwein vor 5 Wochen

Hast du nach dem Zirkus in Chemnitz mit der Insolvenz und den Umgang mit den Sponsoren wie 1 Energie was anderes erwartet, da kannste die Kohle auch gleich im Klo runterspülen...

Flo vor 5 Wochen

Mitunter werden Spieler ab 30 als zu alt eingeschätzt. Das finde ich total überzogen. Es wird aber bestimmt ein Grund sein ,dass beide noch ohne Job sind. Oder sie haben,bzw ihr Management zu hohe Gehaltsvorstellungen. Gerade Löwe mit Erstligaerfahrung sollte doch eigentlich begehrt sein.

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