Fußball | 2. Bundesliga Neue Corona-Verordnung - Dynamo Dresden prangert Wettbewerbsnachteil an

Mit Inkrafttreten der Corona-Notfallverordnung in Sachsen muss auch Dynamo Dresden vorerst auf Zuschauer verzichten. Das stößt bei den Verantwortlichen auf Kritik - vor allem mit Blick auf einen sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbsnachteil.

Jürgen Wehlend wird auf einer virtuellen Pressekonferenz offiziell als neuer kaufmännischer Geschäftsführer der SG Dynamo Dresden vorgestellt.
Dynamo Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Sportlich hat Dynamo Dresden am vergangenen Wochenende wieder zurück in die Spur gefunden. Auch dank der knapp 9.000 Fans, die ihre Mannschaft beim knappen Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf anfeuerten. Den kommenden Auftritten blicken die Verantwortlichen der SGD allerdings mit Sorge entgegen. Durch die seit Montag in Kraft getretene Corona-Notfallverordnung in Sachsen müssen die Dresdner ihr kommendes Heimspiel gegen Karlsruhe (5. Dezember) sowie das Sachsen-Derby beim Erzgebirge Aue (12. Dezember) in jedem Fall ohne Unterstützung von den Rängen bestreiten.

Wehlend kritisiert zögerliches Agieren der Politik

SG Dynamo Dresden - das leere Rudolf-Harbig-Stadion
Das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wird gegen den Karlsruher SC erneut zur Kulisse für ein Geisterspiel. Bildrechte: imago images/Dennis Hetzschold

Auch wenn die Maßnahmen der Landespolitik angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Corona-Lage zu erwarten waren, stoßen die verschärften Regeln in Sachsen bei Dynamos kaufmännischem Geschäftsführer Jürgen Wehlend auf Kritik. "Die Entscheidungen, so notwendig sie angesichts der mittlerweile entstandenen Situation sind, bringen Veranstalter wie die SG Dynamo Dresden erneut unverschuldet in wirtschaftliche und atmosphärische Schwierigkeiten", erklärte Wehlend in einer Vereinsmitteilung am Mittwoch (24. November).

Durch ein "frühzeitigeres und weitsichtigeres Agieren" seitens der Politik hätte ein erneuter Lockdown vermieden werden können. Es sei "ermüdend", so Wehlend, "dass weder funktionierende noch verschärfte Hygienekonzepte im Rudolf-Harbig-Stadion überhaupt keine Anwendung finden dürfen."

Becker: "Natürlich ist es ein Wettbewerbsnachteil"

Ralf Becker
Dynamo Dresdens Sportgeschäftsführer Ralf Becker. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sportgeschäftsführer Ralf Becker kritisierte in diesem Zusammenhang vor allem einen Wettbewerbsnachteil, den neben Dynamo Dresden auch Zweitliga-Kontrahent Aue sowie Bundesligist RB Leipzig im Vergleich zur bundesweiten Konkurrenz hinnehmen muss, die weiter vor eigenem Anhang spielen darf. "Wir hatten so sehr darauf gehofft, die Phase der 'Geisterspiele' hinter uns lassen zu können. Natürlich ist es sowohl sportlich als auch atmosphärisch und wirtschaftlich ein Wettbewerbsnachteil", unterstrich Becker.

Um bald wieder Normalität einkehren zu lassen, sei es nun "wichtiger denn je, Impfangebote flächendeckend anzunehmen und somit einen Beitrag für den eigenen Gesundheitsschutz sowie den unserer Mitmenschen zu leisten", appellierte Becker. Auch Wehlend betonte die gesamtgesellschaftliche Verantwortung. "Unsere oberste Aufgabe rund um die gemeinsame Bewältigung der Coronavirus-Pandemie ist es, Menschenleben zu retten."

Auch Leipzig kritisiert Landespolitik

Ähnlich kritische Töne in Richtung Landesregierung schlug bereits RB Leipzig an. "Fußball ohne Fans ist einfach ein anderes Spiel. Dazu kommt der sportliche Wettbewerbsnachteil, da wir derzeit der einzige Erstligist sind, der seine kommenden Heimspiele vor leerer Kulisse austragen muss", erklärte RB am vergangenen Wochenende. Die hohe Infektionsrate und die niedrige Impfquote hätten gezeigt, "dass die Politik es in Sachsen bislang nicht geschafft hat, tragfähige Konzepte umzusetzen, um die Pandemie wirksam einzudämmen."

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jsc/pm

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 24. November 2021 | 15:40 Uhr

23 Kommentare

Voice vor 1 Wochen

Der Vermutung, dass ein nicht geringer Teil wegen fehlender Impfung nicht kam, würde ich mich anschließen. Das ist die Thematik, die der Verein aufmachen sollte, anstatt alles auf die Politik zu schieben. Ne Impfaktion wäre super. Gemeinsam mit den geimpften Profis.
Und bevor gleich wieder kommt "die Impfung ist freiwillig, ich fühle mich als Ungeimpfter diskriminiert."
Ja, sie ist freiwillig. Nirgends steht aber geschrieben, dass alle Anderen das gut finden müssen. Ich kann aushalten, dass es Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen wollen. Aber ich verachte diese Einstellung zutiefst. Im Übrigen, komisch, dass die Geimpften alle noch leben. Hatten doch die "Schwurbler" noch vor Kurzem ganz Anderes prophezeit.

Beste Grüße aus der Messestadt!!

Kaputtke vor 1 Wochen

da stimme ich dem alten Dynamo Fan zu.
Ich habe sogar noch einen Vorschlag: eine ernstgemeinte Impf - Werbeaktion des Vereins mit dem Motte: "Wir wollen das Stadion wieder voll haben!"
Oder geht das nicht bei Dynamo? Hängt man am Ende zu sehr am Tropf der selbverherrlichenden Ultras, die aus einem Grund, den sie wahrscheinlich selber nicht so genau kennen, die Impfung mehrheitlich ablehnen?

Ostfussballfan73 vor 1 Wochen

... die haben wie ein bockiges (im Grunde dummes) Kind geschmollt, weil Sie etwas nicht durchsetzen konnten, was sie gern gewollt hätten. Dumm deswegen, weil sie Dynamo in Sippenhaft genommen haben, obwohl der Verein nix dafür kann. Eigentlich sind sie auch nicht besser als die Klatschpappen. Das ist die eigentliche Enttäuschung, vor allem wenn ich die anderen Stadien gesehen habe, wie die Fans ihre Mannschaften unterstützt haben.