Fußball | 2. Bundesliga Dynamo Dresden ist irritiert von der Darstellung der Polizei

Am Donnerstag haben Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Dresden eine Öffentlichkeitsfahndung nach 20 Rädelsführern der Fußball-Randale vom 16. Mai gestartet. In diesem Rahmen wurde auch Kritik an Dynamo Dresden laut. Dagegen hat sich der Verein nun zur Wehr gesetzt. Auf einem eigens einberufenen Pressegespräch legte Jürgen Wehlend, kaufmännischer Geschäftsführer der SGD, die Vereinssicht dar. Bei Dynamo kann man die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

"Wir waren kalt erwischt und waren irritiert von diesen Aussagen", erklärte Dynamo Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend am Donnerstagabend. Noch am Morgen gab es einen Termin im Stadion mit dem Oberbürgermeister, bei dem gesagt wurde, dass man bei der Aufarbeitung des Themas miteinander und nicht übereinander reden wolle.

Wehlend zeigte in dem Pressegespräch noch einmal die verschiedenen Gespräche und Treffen auf, die der Verein umgehend nach den Vorfällen geführt hat. "Dynamo Dresden spielt eine aktive Rolle in dem Prozess, deswegen kann ich nicht nachvollziehen, warum wir keinen Schulterschluss machen würden", erklärte Wehlend zum ersten Vorwurf. Dennoch gebe es auch bestimmte Interessenslagen zu beachten.

Dynamo Dresden spielt eine aktive Rolle in dem Prozess.

Jürgen Wehlend Kaufmännischer Geschäftsführer Dynamo Dresden

Dynamo kann über Anbringen von Plakaten nicht entscheiden

Ein weiterer Kritikpunkt etwa war, dass Dynamo den Vorschlag, am Stadion ein Plakat der Öffentlichkeitsfahndung anzubringen, nicht angenommen habe. Darüber könne der Verein aber gar nicht entscheiden, sagte Wehlend: "Dynamo ist nicht Eigentümer des Stadions. Aber Anfragen diesbezüglich hat es weder bei der Stadion-Betreibergesellschaft noch beim Lizenznehmer des Fan-Shops gegeben. Hätten die uns darüber informiert, hätten wir uns nicht entzogen, sondern das Vorhaben unterstützt." Zudem habe die SGD die Behörden bereits wenige Tage nach den Vorfällen unterstützt und Aufrufe gestartet, dass die Fans ihre Erfahrungen des Tages teilen. "Ich finde es schade, dass dem Verein vorgeworfen wird, er würde sich verweigern", so Wehlend weiter.

Jürgen Wehlend wird auf einer virtuellen Pressekonferenz offiziell als neuer kaufmännischer Geschäftsführer der SG Dynamo Dresden vorgestellt.
Jürgen Wehlend Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Stadionverbote beruhen auf Regelprozessen des DFB

Die Forderung der Polizei, Teil der Stadionverbotskommission zu sein, kann Wehlend ebenfalls nicht nachvollziehen. Er erklärte, dass von der Landespolizei 60 Anträge auf Stadionverbot eingegangen seien. Diese werden vom Verein bearbeitet, die Verfahren könnten sich aber auf unbestimmte Zeit ziehen, abhängig davon wie die Betroffenen auf die Anhöhrungsbögen reagieren und ob diese sich Rechtsschutz holen. Dann liege die letzte Entscheidung bei der Kommission, die nach den Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufgebaut ist.

"Es ist Natur der Sache, dass die Polizei nicht Teil der Stadionverbotskommission ist", fügte Wehlend hinzu. Das sei nichts, worüber man diskutieren müsse.

Wehlend will noch engere Verzahnung

Daher sei man bei Dynamo auch so irritiert über das Vorgehen: "Was dort im Raum steht, stimmt einfach nicht", bekräftigte Wehlend. Er betonte auch noch einmal, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Behörden gut klappe und es bei der Aufarbeitung keine zwei Meinungen gebe.

Was dort im Raum steht, stimmt einfach nicht.

Jürgen Wehlend Kaufmännischer Geschäftsführer Dynamo Dresden

Wehlend räumte zugleich ein, dass der Verein in den letzten Wochen nicht so aktiv gewesen sei, was auch mit den Geschehnissen rund um die abgebrochene Mitgliederversammlung am 12. Juni zusammenhänge. Diese Kommunikation sei aber "keine Einbahnstraße".

Der SGD-Geschäftsführer hofft, dass die ganze Sache eine Fehlinterpretation: "Scheinbar gibt es Unkenntnis bei einigen Personen, was die Verantwortlichkeiten betrifft. Es braucht wohl eine noch intensivere Verzahnung für einen besseren Austausch."

Einige Gruppen außerhalb des Dynamo-Leitbildes

Wehlend machte ebenso deutlich, dass der Verein die Vorfälle nicht relativieren wolle: "Es gibt keine Rechtfertigung für das, was dort passiert ist." Dynamo stehe gegen Diskriminierung jeder Art. Das ist im Leitbild und der Fancharta verankert. Wer sich darüber stellt, sei nicht Teil von Dynamo Dresden. Dennoch gebe es Personen, die auch die Sportgemeinschaft nicht mehr erreiche.

Es gibt auch Gruppen, die wir nicht erreichen! Das ist aber überall in der Gesellschaft so.

Jürgen Wehlend Kaufmännischer Geschäftsführer Dynamo Dresden

Massive Ausschreitungen - 185 verletzte Polizisten

Während und nach dem Drittliga-Spiel von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München (4:0) und dem damit verbundenen Aufstieg der Dresdner in die 2. Bundesliga war es zu massiven Ausschreitungen im Stadion-Umfeld gekommen. Dabei waren 185 Polizisten verletzt worden, aber auch Journalisten sowie unbeteiligte Fans, deren Zahl unbekannt ist. Die Randale war von rund 400 gewaltbereiten Personen ausgegangen, die zuvor mit tausenden Dynamo-Fans den sich anbahnenden Aufstieg verfolgt und gefeiert hatten. Die 20 nun per Öffentlichkeitsfahndung gesuchten Randalierer sollen sich des Tatbestandes Schwerer Landfriedensbruch schuldig gemacht haben. Sie sollen Steine und Flaschen auf Polizisten geworfen haben und Barrikaden gebaut haben.

82 Stunden Videomaterial - Kritik an Dynamo Dresden

In den vergangenen Wochen hatte die Polizei 82 Stunden Videomaterial ausgewertet und wird damit laut eigener Auskunft auch noch in den nächsten Monaten beschäftigt sein.

Der Sprecher der Polizeidirektion Dresden, Thomas Geithner, kritisierte die Zusammenarbeit mit dem Club. Einen Schulterschluss habe es bislang bei der Aufarbeitung der Ereignisse nicht gegeben. Weder wurde der Vorschlag angenommen, am Stadion ein Plakat der Öffentlichkeitsfahndung anzubringen, noch wurden die Stadionverbotsvorschläge bislang verfolgt. "Die Polizei fühlt sich allein gelassen", sagte Geithner. Er bemängelte auch, dass die Polizei nicht in der Stadionverbotskommission vertreten sei.

Fans errichten vor dem Stadion in Dresden eine Blockade aus Bauzäunen
Fans errichten vor dem Stadion in Dresden eine Blockade aus Bauzäunen Bildrechte: dpa

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red

Über Dynamo-Fans steigt Rauch auf. 4 min
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Exakt Mi 19.05.2021 20:15Uhr 04:06 min

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Fußballfans werfen Pyrotechnik auf Polizisten 4 min
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Sport im Osten Sa 22.05.2021 16:00Uhr 03:46 min

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Sebastian Mai kam gegen den 1. FC Nürnberg von der Bank und spielte dann in eriner eher ungewohnten Rolle. Nun gehe es darum, gegen die aktuelle Tendenz zu arbeiten.

So 17.10.2021 16:58Uhr 02:09 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-interview-dynamo-dresden-fc-nuernberg-sebastian-mai-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 24. Juni 2021 | 19:30 Uhr

37 Kommentare

Montezuma vor 16 Wochen

Ja, natürlich. Aber auch in Beamtenstuben und Gerichten menschelt es und gibt es Druck von oben. Kenne ich nach über 20 Jahren Beamtenlaufbahn selbst.
Es wäre beileibe nicht der erste mit Fotos garnierte Fahndungsaufruf, der sich nicht so ganz nur auf Fakten stützt. ;)

Fakt vor 16 Wochen

@Montezuma:

Fahndungsfotos werden erst veröffentlicht, nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Zur Veröffentlichung bedarf es einer Prüfung durch die Staatsanwaltschft und dann eines richterlichen Beschlusses. Ergo werden Fotos erst veröffentlicht, wenn man sich sicher ist, dass die Abgebildeten als Täter infrage kommen.

Semtex vor 16 Wochen

Wenn ich morgen in der Nähe meines Dönermannes wilde Sau spiele weil der so gute Döner macht ist er zwar Auslöser des Problems kann aber nichts dagegen machen