Ex-Dynamo Jörg Stübner
Bildrechte: imago images / Steffen Kuttner

Fußball Dynamo-Legende Jörg Stübner tot

Dynamo Dresden verliert einen tragischen Helden: Jörg Stübner ist im Alter von nur 53 Jahren gestorben. Der Mitspieler von Ulf Kirsten und Matthias Sammer beendete mit der SGD eine Ära, stürzte nach der Wende aber ab.

Ex-Dynamo Jörg Stübner
Bildrechte: imago images / Steffen Kuttner

Dynamo Dresdens ehemaliger Mittelfeldspieler Jörg Stübner ist gestorben. Am Dienstag bestätigte Dynamo dem MDR eine entsprechende "Bild"-Meldung. Am Montagabend verstarb er im Alter von 53 Jahren in Dresden-Prohlis. Die Todesursache ist noch nicht bekannt.

SGD: "Gesamte Sportgemeinschaft verspürt einen großen Schmerz"

SGD-Präsident Holger Scholze sagte: "Die Nachricht von Jörg Stübners Tod hat uns alle tief erschüttert. Unser Verein trauert um eine seiner Legenden, einen begnadeten Fußballer. Vor allem aber trauern wir um einen Menschen, der einen langen persönlichen Kampf ausgefochten hat und nun viel zu früh gegangen ist. Die gesamte Sportgemeinschaft verspürt einen großen Schmerz."

Holger Scholze (Präsident) und Ralf Minge (Sport-Geschäftsführer)
Dynamo-Präsident Holger Scholze (li.) und Sportchef Ralf Minge. Bildrechte: imago images / Hentschel

"Der Verlust von 'Stübs' macht mich tief traurig", sagte Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge, der von 1983 bis 1991 mit Stübner zusammenspielte. "Wir alle wissen um Jörg Stübners herausragenden Stellenwert als Aktiver. Und wir wissen um die Geschichte des Menschen hinter dem Fußballer. 'Stübs' hatte seinen schwierigsten Kampf nicht auf dem Fußballfeld zu bestehen. Seit vielen Jahren wünschte er sich ein Leben ohne Medienöffentlichkeit – ein Wunsch, der viel zu selten respektiert wurde. Sein Schicksal ist deshalb auch eine Mahnung an uns alle. Dass ,Stübs‘ uns so früh verlassen hat, schmerzt unheimlich. Ich verneige mich vor seiner Lebensleistung und bin in Gedanken bei seiner Mutter und seinen engsten Angehörigen."

Im besten Fußballalter konnte sich Stübner in der Bundesliga nicht etablieren

Stübner galt als tragisches Schicksal. Er kickte in den Achtziger Jahren unter anderem mit Matthias Sammer und Ulf Kirsten bei der SGD. In diese Zeit fiel die legendäre DDR-Meisterschaft 1989, bei der die Schwarz-Gelben die Ära von Dauermeister BFC Dynamo beendeten. Auch im letzten DDR-Länderspiel 1990 in Belgien (2:0) stand Stübner in der Startelf. Nach der Wende bestritt er fünf Bundesliga-Partien für die Schwarz-Gelben - viel wenig für einen mit seinem Talent.

Ulf Kirsten (3.v.l. vorn), vorn links Torsten Gütschow, daneben Jörg Stübner, in der zweiten Reihe mit der roten Mappe Hans-Uwe Pilz.
1990 verteidigte Stübner (2. v. li. in Gelb, re. Ulf Kirsten, links Torsten Gütschow) die DDR-Meisterschaft mit Dynamo. Bildrechte: imago images / Camera 4

Und während Sammer und Kirsten zu gesamtdeutschen Fußballstars wurden, stürzte Stübner, 1990 erst 25 Jahre alt, regelrecht ab. Er bekam Alkoholprobleme und wurde zum Sozialfall. Zuletzt hatte es Hoffnung um den einst genialen Mittelfeldakteur gegeben, als er in der abgelaufenen Saison wieder zu Dynamo-Heimspielen kam. Es gab zudem Pläne, dass er in der Dresdner Nachwuchsschule mitarbeiten sollte.

Ulf Kirsten: "Bin unendlich traurig"

Sein ehemaliger Mitspieler Ulf Kirsten sagte der "Bild": "Ich bin unendlich traurig, kann es noch gar nicht fassen. Wir hatten so viele erfolgreiche Jahre bei Dynamo, Stübs gehörte immer zu den besten. Wir hatten die Hoffnung, dass er sich nach den schweren, letzten Jahren wieder zurück ins Leben kämpft, haben versucht ihm dabei zu helfen."

Ulf Kirsten (li. DreamTeam) gegen Jörg Stübner (Dynamo Allstars)
Bei seinem Abschiedsspiel 2003 lauerte Jörg Stübner (re.) hinter Ulf Kirsten. Im Hintergrund ist Rudi Völler zu sehen. Bildrechte: imago/Dehlis

Zwei Tore in Pokal-Endspielen

Stübner absolvierte insgesamt 47 Länderspiele für die DDR und 249 Partien für Dynamo. Der Defensivmann markierte 24 Tore, legte 35 Treffer auf und kam in seiner gesamten Laufbahn ohne Platzverweis aus. Im April 1989 stand Stübner in den beiden UEFA-Pokal-Halbfinalspielen gegen den VfB Stuttgart auf dem Platz, ebenso beim Debakel in Uerdingen und beim Spielabbruch gegen Belgrad. Der Mann, der in den 80er Jahren in Fußball-Dresden den Status eines Popstars innehatte, feierte mit Dynamo zwei Meisterschaften und drei FDGB-Pokalsiege, in den Endspielen 1985 und 1990 trug er sich in die Torschützenliste ein. 1990 gewann Stübner das Double aus Meisterschaft und Pokal, 1991 war er Teil der Mannschaft, die die Qualifikation für die Bundesliga schaffte. Sein letztes Spiel für die Schwarz-Gelben machte Stübner in der Bundesliga am 2. November 1991 im Gelsenkirchener Parkstadion.

1993 holte ihn sein Ex-Coach Eduard Geyer zum FC Sachsen Leipzig, dieses Engagement war aber ebenso nur von kurzer Dauer wie die Zeit 1994 beim FC Neubrandenburg. Bereits vor zwei Jahren hatten einige ehemalige Dresdner Weggefährten versucht, Stübners Leben eine neue Richtung zu geben.

Fußballnationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik.
Beim letzten DDR-Länderspiel 1990 in Belgien stand Stübner (2. v. re.) in der Startelf. Mit dabei waren auch Matthias Sammer, Heiko Scholz, Uwe Rösler und Dariusz Wosz. Bildrechte: imago/Reporters

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 25. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 18:48 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

55 Kommentare

27.06.2019 18:20 Schiedsrichter 55

@52 RB hier ins Spiel zu bringen verbietet sich, Ihren Unmut über Äußerungen des Users SGDHarzer66 können Sie an anderer Stelle kund tun

27.06.2019 16:22 wicky 67 54

@52: erwin:

Sie vergleichen hier offensichtlich kleine Sticheleien mit der Respektlosigkeit eines Users (@45), gegenüber einer erst kürzlich verstorbenen Dynamo-Ikone!?!? Das kann doch nicht wirklich ihr Ernst sein???....

27.06.2019 15:18 wicky 67 53

Garnicht so einfach, bei so einer schmerzhaften Trauerbotschaft die richtigen Worte zu finden. Mir tut es für Jörg Stübner, aber auch für seine Familie unsterblich leid, daß dieser einst so begnadete Sportler, sowie auch Mensch, leider viel zu früh von uns gegangen ist. Das tut unbeschreiblich weh, und ist ganz sicher auch einer der traurigsten Tage für den gesamten Verein, sowie alle SGD-Fans, und nicht zuletzt speziell für jene Anhänger, welche ihn als Spieler selber noch bewundern durften. Schade, daß man ihn während seiner Krankheit nicht besser helfen konnte.
R.I.P., Lieber Jörg!

@45: 70er: Es gibt auch Beiträge, welche man sich lieber schenken sollte! Denn ihr Beitrag ist mehr als nur geschmacklos!!!...

27.06.2019 12:20 erwin 52

Zu Nr.48 : Bleiben auch Sie respektvoll,insbesondere was Ihre Beiträge zu den Roten Bullen angeht!

27.06.2019 10:00 70er 51

Ich hab keine Ahnung, was 47 und 48 mir meinen da andichten zu müssen. Wo gar soll es respektlos sein, wenn es mich mit Sorge erfüllt, dass wieder ein verdienstvoller Dynamo von uns gegangen ist.

27.06.2019 08:34 Volkspolizei Genosse 50

Ruhe in Frieden, Genosse Stübs.

27.06.2019 05:37 Zweitewelle 49

An „70er“ Beitrag 45

Wie war das mit bspw Sportsfreund Lauck in Berlin?
Zu diesem Thema pöbeln, wie arm

26.06.2019 20:39 SGDHarzer66 48

45., hier geht es um den tragischen Tod eines Menschen und darüber hinaus eines Idols des Dresdner Fußballs.
Bitte bleiben sie respektvoll....

26.06.2019 18:04 Schiedsrichter 47

@45 das ist alles traurig genug, da sollte man nicht noch Vermutungen durch die „Blume“ zum besten geben wobei das natürlich Ihr gutes Recht ist

26.06.2019 16:27 B 46

ja schlimm aber wahr, nicht jeder hat die Wende geschafft viele auch sind auf der Strecke geblieben man sollte mal die Aufarbeitung sich genehmigen beim MDR ,wieviele sich das Leben genommen haben ohne das sie sich was zuschulden haben kommen lassen, nicht nur stets die Mauertoden zu bringen ! aber das getraut man sich nicht ,