Fußball | Bundesligen Aue-Boss Leonhardt beklagt Selbstmitleid im Ost-Fußball: "Mir wird zu viel gejammert"

Nach Dynamo Dresdens Abstieg ist Erzgebirge Aue der einzig verbliebende Ost-Vertreter in der 2. Bundesliga. Nicht ohne Stolz blickt Aues Präsident Helge Leonhardt daher auf die Leistungen seines Vereins. Gleichzeitig beklagt er das Selbstmitleid anderer Klubs.

Helge Leonhardt Praesident, FC Erzgebirge Aue
Helge Leonhardt ist seit 2014 Präsident des FC Erzgebirge Aue. Bildrechte: imago images/Eibner

So wirklich etwas zu feiern gab es für die ostdeutschen Traditionsklubs in der Saison 2019/20 nicht: Dynamo Dresden musste nach einem mehr als unglücklichen Re-Start den bitteren Gang in die 3. Liga antreten. Auch der Chemnitzer FC und Carl Zeiss Jena konnten die Klasse nicht halten und müssen im nächsten Jahr mit der Regionalliga vorliebnehmen. Gleiches gilt für den 1. FC Lok Leipzig nach dem verpassten Aufstieg in den Unterbau. Und auch dem FC Hansa Rostock gelang trotz guter Auftritte nicht die langersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga.

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Fakt ist! Mo 06.07.2020 22:10Uhr 58:10 min

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Leonhardt: "Mitunter wird zu viel gejammert"

Bleibt, neben RB Leipzig und Union Berlin in der Bundesliga, nur noch der FC Erzgebirge Aue, der als einziger Vertreter aus den neuen Bundesländern in die kommende Zweitliga-Saison starten wird. In den Worten von Aues Präsident Helge Leonhardt schwingt daher nicht ohne Grund eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mit: "Von der Ostsee bis nach Oberwiesenthal bleibt alles weiß. Bis auf Aue. Wir halten die Fahne des Ostens hoch."

Im Zuge dessen bemängelte der 61-Jährige auch das Bild, das einige Klubs in der Vergangenheit von sich selbst zeichneten. Es sei "einerseits schade", dass sich mit Carl Zeiss Jena und dem Chemnitzer FC zwei weitere Traditionsvereine aus dem Profifußball verabschiedet haben, "andererseits wird mir im Osten mitunter zu viel gejammert und sich zu sehr selbst bemitleidet", sagte Leonhardt.

"Zu uns ist auch keiner gekommen und hat einen Scheck ausgestellt"

Die regional bedingten begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten hiesiger Vereine, die in der Debatte oftmals angeführt werden, stellen für ihn keine verlässlichen Argumente dar. "Zu uns ist auch keiner gekommen und hat einen Scheck ausgestellt. Wir sind eher in einer strukturschwächeren Region angesiedelt, haben uns den Erfolg über Jahre selbst hart erarbeitet", so der FCE-Boss.

Tatsächlich spielt Aue seit 2003 fast durchgängig in der 2. Bundesliga und hat sich über die Jahre hinweg sowohl wirtschaftlich als auch sportlich im deutschen Profifußball etabliert. Man gebe "nur das Geld aus, was uns zur Verfügung steht", erklärte Leonhardt das simple Erfolgsgeheimnis. Außerdem "müssen der Verein und die Profiabteilung wie ein Wirtschaftsunternehmen knallhart geführt und nicht nur verwaltet werden."

Helge Leonhardt, Präsident FC Erzgebirge Aue (re.) und Dirk Schuster, Trainer FC Erzgebirge Aue (li.), mit dem Schachtergruss.
FCE-Cheftrainer Dirk Schuster an der Seite seines Vereinspräsidenten Helge Leonhardt. Bildrechte: imago images/Eibner

FCE-Trainer Schuster wünscht sich Traditionsvereine zurück

Die vergangene Saison schloss Aue auf einem äußerst soliden siebten Tabellenplatz ab. Auch in der kommenden Spielzeit wird der Fokus erst einmal auf dem Klassenerhalt liegen. Dass man als einzige Ost-Mannschaft in die Saison startet, bereitet aber auch FCE-Trainer Dirk Schuster Sorgenfalten. "Ich bin ein bisschen traurig darüber und hoffe, dass sich dieses Bild im Spieljahr 2021/22 wieder ändert", sagte der 52-jährige: "Man wünscht sich schon Vereine wie Rostock, Magdeburg oder Dresden. Das sind für mich vom Potenzial her Minimum Zweitligisten."

Wundertüte 3. Liga

Fakt ist, dass der Weg zurück in die 2. Bundesliga für Dresden, Magdeburg und Co. steinig wird. Die Konkurrenz schläft nicht, längst hat sich die 3. Liga zu einer qualitativ hochwertigen Spielklasse entwickelt. Wie eng sich der Kampf um die Aufstiegsplätze gestaltet, konnte in der abgelaufenen Saison bis zum letzten Spieltag beobachtet werden. Ob Aue also länger als ein Jahr auf "Verstärkung aus dem Osten" warten muss, darf gespannt beobachtet werden.   

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jsc mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 07. Juli 2020 | 14:40 Uhr

27 Kommentare

Wolfi vor 4 Wochen

B.S.B Aus Ihren Kommentar spricht der pure Neid und wenig Ahnung. Aue geht in die 15 2.Liga Saison und das ist kein Zufall. Unstrittig ist das wir mit den Leonhardt Brüder zwei Fußballverrückte Unternehmer die auch Sponsoren sind an der Spitze des Vereins stehen. Helge als Präsident leitet den Verein mit viel Sachverstand ob im sportlichen oder geschäftlichen Bereich (nach dem Motto "Ich kann nur das Geld ausgeben was ich habe"). Aber Aue ist nicht nur Leonhardt sondern es gibt insgesamt 7 Hauptsponsoren; 10 Premium- und 41 Co-Sponsoren dazu kommen noch über 100 Mitglieder im FCE Fördervereins sowie 32 Werbepartner und 9004 Vereinsmitglieder. Zum anderen hat der FCE keine aufgeblähte Geschäftsstelle wie manch anderer Vereine.

Fritz74 vor 4 Wochen

hört - hört !!

Nicht nur, dass die glücklichen Profiteure der ungleich verteilten TV-Gelder für Liga 1 und 2 auf Teufel komm raus von den zweistelligen Millionen-Beträgen nichts mehr hergeben mögen...
NEIN !!!
Jetzt wird auch noch müde herab gelächelt auf die "verarmte Nachbarschaft" aus lower eastside
...sind doch selbst Schuld, die Habenichtse !!!
=DDD
Dabei wissen wir doch ganz genau, wer im eigenen Falle langjähriger 3.-Ligazugöhrigkeit am herzzerreißendsten mit den anderen Wölfen heulen würde
... oder ?!?

wie dem auch sei, BWG von der Elbe an die BSG - stay tuned !!!
;))

Feldspieler vor 4 Wochen

Ich meinte mit „Klatsche“ beides, zu wenig Engagement und Interesse -speziell in Leipzigmuss erst Red Bull einsteigen... Mal ohne Vereinsbrille...: der VfB hätte nicht aus dem Register gestrichen werden müssen....
Da kann man nur vor dem Engagement in Aue den Hut ziehen!!!