Fußball | 2. Bundesliga Hannover 96: Zu spät wie ein Aufstiegsaspirant

33. Spieltag

Mit dem eigentlich anvisierten, direkten Wiederaufstieg hatte Hannover 96 in einer lange Zeit ernüchternden Saison nie etwas zu tun. Doch unter Kenan Kocak stehen die Niedersachsen nach vermehrt guten Leistungen vor einem immerhin versöhnlichen Saisonende.

Genki Haraguchi 10, Hannover und Kenan Kocak Trainer, Hannover freuen sich nach dem Sieg.
Am Mittwoch beim 4:0 über St. Pauli durfte Trainer Kenan Kocak - hier mit Genki Haraguchi - den höchsten Hannoveraner Saisonsieg bejubeln. Bildrechte: imago images/Joachim Sielski

"Wir wissen, was auf uns zurollen könnte", hatte Dirk Schuster erst am Freitag beeindruckt zu Protokoll gegeben, als Erzgebirge Aues Cheftrainer allein die vorderste Offensivreihe im Kader von Hannover 96 aufzählte.

Bundesliga-Rückkehr frühzeitig verspielt

v.l. Marvin Duksch Hannover 96, Edgar Prib Hannover 96 beim Torjubel zum 1:2.
Marvin Duksch (li.) ist mit zwölf Toren und acht Vorlagen Hannovers Topscorer. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Marvin Duksch, Hendrik Weydandt, der schwedische Auswahlspieler John Guidetti oder Cedric Teuchert – "das sind für mich Bundesliga-Stürmer", präzisierte der 52-Jährige anerkennend. Jedoch – zumindest wenn die erwähnten Angreifer über das Saisonende hinaus an der Leine bleiben sollten – müssen sie sich ein weiteres Jahr mit dem Unterhaus begnügen. Der ambitionierte Erstliga-Absteiger hatte das eigentlich ins Visier genommene Rückkehrziel nach ganz oben frühzeitig verspielt.

Unter ihrem einstigen Erfolgstrainer Mirko Slomka war 96 bis ganz nah an die Abstiegszone gerutscht. Mitte November 2019 übernahm Kenan Kocak den Posten. Zwar brauchte die wankelmütige Mannschaft auch mit dem zuvor in Sandhausen Zweitliga-erprobten Fußballlehrer Anlaufzeit, doch insbesondere im letzten Saisondrittel treten die "Roten" vermehrt wie ein selbstverständlicher Bundesliga-Aspirant auf.

Schuster: "Das ist sehr respekteinflößend"

Hannovers Hendrik Weydandt trifft per Kopf zum 2:2
Im Hinspiel in Hannover kassierte Aue eine späte 2:3-Niederlage. Bildrechte: Picture Point

Jüngst war der FC St. Pauli den dominanten, in allen Belangen überlegenen Gastgebern nahezu hilflos ausgeliefert. Jenes 4:0 vom vergangenen Mittwoch bedeutete zugleich den bis dato höchsten Saisonsieg der Niedersachsen. "Hannover hat in den letzten Wochen sehr gut performt, das ist sehr respekteinflößend", wusste Dirk Schuster. Aus den neun Partien seit Anfang März holte 96 sechs Siege und ein Remis bei 23:11 Toren.

"Wir dürfen uns nicht blenden lassen von der Rückrunde. Ich bin kein Träumer, auch nicht bei Erfolgen", predigte Kocak vor dem Aue-Spiel aber vehement dafür, schön auf dem Teppich zu bleiben. "Es fehlt schon noch was zu einer Spitzenmannschaft. Wir dürfen nicht so viele Gegentore kassieren und müssen unsere Chancen noch eiskalter verwerten", begründete der 39-Jährige seine gebotene Zurückhaltung.

Ex-Erfurter Ratajczak hält in Aue

Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler am Ball.
Ex-Nationalkeeper Ron-Robert Zieler ist vorzeitig in der Sommerpause. Bildrechte: dpa

Kurzfristig könnten die zunehmend versöhnlichen Leistungen der Hannoveraner noch auf dem fünften Platz in der Abschlusstabelle führen. 96 ist geteilter Sechster mit dem VfL Bochum. Beide haben einen Punkt Rückstand auf Darmstadt 98. Trotz dieser statistischen Kosmetikmöglichkeiten hat sich Kocak entschieden, Stamm- und Ex-Nationalkeeper Ron-Robert Zieler vorzeitig in die Sommerpause zu schicken.

Dessen Ersatzleute Martin Hansen und Michael Ratajczak (2005 bis 2007) bekommen noch je ein Spiel als „Bonbon“ geschenkt. In Aue hält der 38-jährige Routinier und frühere Erfurter Schlussmann (2005 bis 2007) Ratajczak. Ob der angeschlagene Juniorennationalspieler Linton Maina und der zuletzt wegen einer Rippenverletzung ausgefallene Kapitän Marvin Bakalorz rechtzeitig fit werden, entscheidet sich kurzfristig.

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mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 21. Juni 2020 | 19:30 Uhr

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