Letzte Aktion des Spieles. Torhüter Martin Männel / Maennel (1, Aue) hält den Handelfmeter der Nürnberger. Auer Jubeltraube.
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Fußball | 2. Bundesliga FC Erzgebirge Aue entscheidet irre Nürnberg-Partie für sich

10. Spieltag

Am zehnten Spieltag der 2. Bundesliga hat sich der FC Erzgebirge Aue mit 4:3 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg durchgesetzt. Dabei nahm die Partie am Freitagabend, den 18. Oktober 2019, vor allem im zweiten Durchgang ein unglaubliches Tempo an und hatte mit dem eingewechselten Florian Krüger und dem rettenden Aue-Keeper Martin Männel die entscheidenden Personalien auf dem Platz. Besonders nach dem Platzverweis von Asger Sörensen kamen die Hausherren ins Rollen.

von Tom Wohlrabe

Letzte Aktion des Spieles. Torhüter Martin Männel / Maennel (1, Aue) hält den Handelfmeter der Nürnberger. Auer Jubeltraube.
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Latte rettet Aue - Geis überzeugt

Im Erzgebirgsstadion sahen die Zuschauer unter strömenden Regen eine flotte Anfangsphase. Serientorschütze Pascal Testroet setzte sich nach rund 30 Sekunden auf der linken Außenbahn durch und flankte auf den im Zentrum lauernden und einschussbereiten Tom Baumgart. Schiedsrichter Daniel Schlager pfiff aber nach einer Abseitsposition ab (1.). Danach brachten die Nürnberger ihre Individualklasse immer besser auf den Platz und kamen zu aussichtsreichen Chancen. So streichelte Tim Handwerker die Auer Latte mit seiner Flanke (17.). Vor allem aber zog der Ex-Bundesligaspieler Johannes Geis gekonnt seine Fäden im offensiven Mittelfeld und setzte unter anderem Robin Hack sehenswert ein. Dieser scheiterte kurz darauf am mal wieder stark aufgelegten Aue-Keeper Martin Männel  (30.).

Die Erzgebirger hielten nachfolgend mit dem gesamten Team und vor allem mit aufzehrender körperlicher Arbeit dagegen, brachten aber offensiv selber wenig auf die Kette. Vor allem Philipp Riese glänzte auf der Doppel-Sechs der Hausherren und konnte so manche brenzlige Situation bereinigen. Jedoch nicht alle. Kurz vor dem Pausenpfiff schnappte sich Hack nach einer Ecke den Ball und zog aus 20 Metern. Der Ball krachte regelrecht an die Latte (43.). Am Ende gingen die Gastgeber mit einem glücklichen 0:0 in die Kabine.

Tom Baumgart (Aue, am Boden) im Zweikampf mit  Tim Handwerker (Nürnberg)
Im ersten Abschnitt hatten die Nürnberger klares spielerisches Übergewicht. Aue hielt gut mit Kampf und Leidenschaft dagegen. Bildrechte: Frank Kruczynski

Nürnberg erhöht das Tempo

Und die aktivere Mannschaft blieb auch im zweiten Durchgang der FCN. Handwerker luchste Baumgart den Ball auf dem linken Flügel ab und flankte sofort auf den mitgelaufenen Michael Frey. Die Fenerbahce-Leihgabe ließ sich die Chance nicht nehmen und erzielte die Nürnberger Führung (52.). Kurz darauf wäre es fast noch schlimmer gekommen. Behrens setzte sich im Zentrum durch und schob zum 0:2. Das Tor wurde jedoch durch eine knappe Abseitsstellung zurückgenommen (54.).

Die "Hochscheidt-Spiele"

Doch die Veilchen können in dieser Saison Comeback und das stellten sie auch am Freitagabend mal wieder unter Beweis. Nach einem Wahnsinns-Solo von Jan Hochscheid, wusste sich Asger Sörensen nur noch mit einem Handspiel vor der Torlinie zu helfen. Rote Karte für Sörensen (62.) und Elfmeter für Aue. Dimitrij Nazarov trat an und erzielte mit seinem fünften Saisontor den 1:1-Ausgleich (62.). Und Aue nutzte die spielerische Überzahl direkt weiter aus. Hochscheidt setzte sich nach einer Flanke von Calogero Rizzuto durch und drehte die Partie mit dem 2:1-Treffer auf den Kopf (75.).

Tor für Aue. Marko Mihojevic (3, Aue) trifft zum 3:2.
Vermeintlicher Schlusspunkt der Partie. Marko Mihojevic netzt zum 3:2 ein (86.). Bildrechte: Picture Point

Doch das sollte noch nicht der Schlusspunkt sein. Eine wilde Endphase der Partie folgte. Die tapfer kämpfenden Nürnberger kamen in Unterzahl noch einmal zurück und erzielten durch den ehemaligen Schalker Johannes Geis den 2:2-Ausgleich (78.). Nur acht Minuten später schlug Aue jedoch noch einmal zurück und ging durch Marko Mihojevic mit 3:2 in Führung (86.). Der Vorbereiter war natürlich Hochscheidt. Doch auch das war noch nicht der letzte Akt im Auer Theaterspiel. Kurz vor dem Schluss schlug Testroet unabsichtlich mit seiner Hand in das Gesicht von Gegenspieler Frey. Es folgte ein Elfmeter für Nürnberg. Geis verwandelte sicher zum 3:3 (90.+2).

Krüger setzt den Schlusspunkt

Die Zuschauer im Erzgebirgsstadion dachten natürlich, dass es das jetzt war. Aber nicht mit dem Team von Dirk Schuster. Die "Veilchen" zogen noch einmal mutig an und kamen durch Einwechselspieler Florian Krüger zum viel umjubelten 4:3-Siegtreffer, denn eine Minute später hielt Männel einen fälligen Freistoß von Frey (90.+10.). Danach gab es nur noch puren Jubel auf Seiten der Hausherren. Für Aue erst der zweite Sieg im neunten Aufeinandertreffen mit den Franken und bereits der 18. Punkt in der aktuellen Saison. Wo soll das noch hingehen mit dem Kumpelverein?

Letzte Aktion des Spieles. Torhüter Martin Männel / Maennel (1, Aue) hält den Handelfmeter der Nürnberger.
Teufelskerl Martin Männel setzt den Schlusspunkt auf eine grandiose Partie und hält den Elfmeter von Michael Frey (90.+7). Bildrechte: Picture Point

Bilder zum Spiel FC Erzgebirge Aue - 1. FC Nürnberg

Fans von Erzgebirge Aue.
Schlechtes Wetter in Aue und dennoch kamen die Fans in Scharen in das Erzgebirgsstadion, um ihr Team zu unterstützen. Bildrechte: Picture Point
Fans von Erzgebirge Aue.
Schlechtes Wetter in Aue und dennoch kamen die Fans in Scharen in das Erzgebirgsstadion, um ihr Team zu unterstützen. Bildrechte: Picture Point
Jan Hochscheidt (7, Aue) und Asger Sörensen / Soerensen (4, Nürnberg).
Im ersten Abschnitt zeigten sich die Hausherren vor allem im kämpferischen Bereich von ihrer besten Seite und "nervten" die Nürnberger Spieler sichtlich. Bildrechte: Picture Point
Pascal Testroet (37, Aue) und Lukas Jäger / Jaeger (20, Nürnberg).
Spielerisch ging nicht so viel. Vor allem das Umschaltspiel funktionierte noch gar nicht. Bildrechte: Picture Point
Fans vom 1.FC Nürnberg zünden Pyrotechnik.
Die Nürnberger erzielten im ersten Abschnitt zwei Mal die latte des Auer Gehäuses. War das zu Beginn der zweiten Hälfte schon der Frust bei den Nürnberger Fans? Bildrechte: Picture Point
Tor für den 1.FC Nürnberg. Der Treffer zum 0:1.
Kurz darauf machten die Gäste aus Bayern Ernst und gingen durch einen Treffer von Michael Frey in Führung (52.). Danach wurde es deutlich wilder auf dem Platz und die Tore sollten so prasseln, wie der Regen vom Himmel runterfiel. Bildrechte: Picture Point
Trainer Dirk Schuster, Erzgebirge Aue
Aue-Coach Dirk schuster hadrte besonders in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit mit dem Spiel seiner Mannschaft. Mehr Offensivpower sollte es sein. Bildrechte: Picture Point
Tor für Aue.  Dimitrij Nazarov (10, Aue) trifft per Foulelfmeter zum 1:1.
Und die folgte auch. Nach einem Handelfmeter und einer Roten Karte für asger Sörensen trat Dimitrij Nazarov an und vollendete zum 1:1-Ausgleich (62.). Bildrechte: Picture Point
Tor für Aue.  Dimitrij Nazarov (10, Aue) trifft per Foulelfmeter zum 1:1 und jubelt mit Pascal Testroet (37, Aue).
Wieder war es Nazarov, der die Auer auf die Siegerstraße brachte. Schon der siebte Saisontreffer für den Top-Stürmer. Bildrechte: Picture Point
Tor für Aue. Marko Mihojevic (3, Aue) trifft zum 3:2.
Nach Toren von Jan Hochscheidt und Johannes Geis (75./78.), bekam Marko Mihojevic eine schöne Flanke von Hochscheidt und erzielte die erneute Führung (86.). Bildrechte: Picture Point
Tor für Aue. Florian Krüger / Krueger (11, Aue) trifft zum 4:3 Endstand und jubelt mit Clemens Fandrich (5, Aue).
Doch das Drama ging weiter. In der Nachspielzeit glich Geis erneut mit einem Elfmeter aus (90.+2). Doch den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Florian Krüger, der den 4:3-Endstand erköpfte (90.+4). Bildrechte: Picture Point
Letzte Aktion des Spieles. Torhüter Martin Männel / Maennel (1, Aue) hält den Handelfmeter der Nürnberger.
Den Sieg zu verdanken haben die Auer auch und besonders ihren Schlussmann. Denn für den finalen Akt sorgte der Auer-Schlussmann, der einen Elfmeter von Frey (90.+7) hielt. Bildrechte: Picture Point
Letzte Aktion des Spieles. Torhüter Martin Männel / Maennel (1, Aue) hält den Handelfmeter der Nürnberger. Auer Jubeltraube.
Danach gab es nur noch Ekstase auf Seiten der Auer. Das Erzgebirge schlug den 1. FC Nürnberg zum zweiten mal hintereinander vor heimsicher Kulisse und bleibt in der Tabellenspitzengruppe. Bildrechte: Picture Point
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Das sagten die Trainer

Damir Canadi (Nürnberg): "Es ist schwer, so ein Spiel zu analysieren. Die Rote Karte war der Schlüssel, danach ist das Spiel gekippt und richtig Spannung aufgekommen. Wir sind gut reingekommen in die Partie und hatten gute Chancen. Auch nach der Pause sind wir aktiv gestartet. Nach dem Platzverweis war es dann Dramatik pur. Wir haben nach den Gegentoren immer wieder Mentalität gezeigt und es versucht. Jeder, der heute dabei war, wird von der letzten halben Stunde noch lange sprechen. Ich bin schon lange dabei, so ein Spiel habe ich noch nicht erlebt."

Dirk Schuster (Aue): "In den letzten 30 Minuten war es ein irres Spiel. In der ersten Halbzeit hatte Nürnberg die besseren Chancen. Wir haben bei Nürnberger Ballbesitz zwar gut verteidigt, die Nürnberger durch eigene Fehler aber immer wieder eingeladen. Mit dem 0:0 zur Pause waren wir gut bedient. Das erste Tor hat dem Spiel dann einen Punch versetzt und es wurde wild. Wir haben in Sachen Mentalität alles reingefeuert. Normal muss das Spiel durch den späten Elfer 4:4 ausgehen. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen, dass wir Nürnberg da nochmal zurückkommen lassen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 19. Oktober 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 11:00 Uhr

22 Kommentare

wicky 67 uncut vor 7 Wochen

Bei den Dusel-Bayern waren es auch schon oft 8/9 oder sogar 10 Minuten über die Neunzigste hinweg, obwohl nur 3/4 oder 5 Minuten Nachspielzeit vorgeschlagen wurden... Das passierte natürlich immer nur in solchen Fällen, wo die Dusel-Bayern nicht in Führung lagen... In DDR-Zeiten gab's das regelmäßig beim BFC Dynamo... Beim Freitagspiel in Aue gab's diese lange Nachspielzeit sicher wegen den vielen Videobeweisen.

wicky 67 uncut vor 7 Wochen

Ohja, allen Glückwünschen an diesen historischen Sieg der Veilchen möchte ich mich sehr gerne mit anschließen! Das war ein Fußballfestival der aller ersten Sahne, welches ganz sicher auf ewig unvergesslich bleiben wird. Wenn die eigene Mannschaft so einen Krimi am Ende durch so eine Weltklasse-Tat eines Martin Männel für sich entscheiden kann, so fühlt sich das wie ein Pokalsieg an! Es ist schon aller Ehren wert, welch großes Herzblut dieser Verein seit Jahren schon, aber speziell in dieser Saison an den Tag legt. Bravo Erzgebirge Aue! Da können sich so manch große Vereine echt eine Scheibe dran abschneiden... Macht weiter so und ihr landet am Ende ganz weit vorne. Ich würde es euch von ganzem Herzen gönnen, zumal ihr es euch endlich auch einmal verdient hättet! Soviel Leidenschaft muss nämlich auch irgendwann einmal belohnt werden!
Der Fußballosten darf sich ruhig vor dem kleinen Städtchen Aue ehrfürchtig verneigen!! Sport frei und ein schönes Wochenende allen fairen Fußballfans!! ⚽🥇

Omsewitzerin vor 7 Wochen

Ich kann mich dem Glückwunsch nach Aue gern anschließen...liebe SGD so geht Fußball!!! Bin auch angefressen...aber Aue Ihr macht das echt gut..
Hat Vorbildcharakter:

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