Fußball | 2. Bundesliga Eine Erfolgsgeschichte: Ein Dreivierteljahrhundert Fußball in Aue

Höhen und Tiefen, große Siege und bittere Niederlagen: Der FC Erzgebirge Aue blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Heute feiern die Lila-Weißen 75 Jahre Fußball-Kult im Lößnitztal.

Nach Spielschluß stürmten die Aue Fans das Spielfeld, 3.Liga FC Erzgebirge Aue - FC Erzgebirge Aue - Eintracht Braunschweig 2:1 am 30.4.2010
Nach Spielschluss stürmen die Auer Fans das Spielfeld. Durch ein 2:1 gegen Eintracht Braunschweig feiern die Lila-Weißen am 30. April 2010 die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Bildrechte: Frank Kruczynski

Wir gegen den Rest der Welt

Mit normalen Maßstäben ist die Fußball-Kultur in Aue nicht zu messen. "Die Veilchen" sind irgendwie anders als alle anderen, im positiven Sinne. Schon Düsseldorfs Trainer Uwe Rösler wusste es, als er im SpiO-Talk (13. Januar) vor der Partie der Fortuna gegen Erzgebirge Aue (0:3) den Hut vor den Sachsen zog: "Ich habe immer das Gefühl, man spielt nicht nur gegen Aue, sondern gegen eine ganze Region. Es ist das Gefühl: Wir gegen den Rest der Welt." Und Rösler fasste zusammen: "Was da in Jahrzehnten passiert ist, ist erstaunlich. Man muss auch Präsident Leonhardt ein Riesenkompliment machen."

Der Mythos von der Macht aus dem Schacht lebte weiter

Während andere ostdeutsche Traditionsklubs nach der Wiedervereinigung in der Versenkung verschwanden, mischt der FC Erzgebirge Aue munter im Profigeschäft mit. Was zu großen Teilen auch den Leonhardt-Brüdern zu verdanken ist.

Von 1992 bis 2009 leitete Uwe Leonhardt als Präsident die Geschicke des Vereins, seit September 2014 steht Helge Leonhardt in der ersten Reihe und zieht die Register bei den Lila-Weißen. "Im Juni 1992 zog sich die Wismut GmbH, damals einziger Hauptsponsor und dazu noch Arbeitgeber für Spieler und Trainer, aus dem kompletten Fußballgeschäft zurück. Der Fußball in Aue stand nach dem Rückzug der Wismut vor dem Bankrott", erinnerte sich der 62-jährige Helge Leonhardt und ergänzte: "Wir haben damals quasi bei null angefangen. Der Mythos von der Macht aus dem Schacht lebte weiter. Wir wollten die jahrelange Tradition bewahren und an die sportlichen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen."

Helge Leonhardt (Präsident FC Erzgebirge Aue)
Führt den Verein mit starker Hand: Aues Präsident Helge Leonhardt. (Archiv) Bildrechte: imago images/Eibner

Anekdote mit viel Charme

Am 4. März 1946 soll der sowjetische Stadtkommandant die Erlaubnis zur Gründung eines Fußballvereins in Aue erteilt haben. Historische Belege dafür gibt es allerdings nicht. "Somit bleiben die Ereignisse an jenem Rosenmontag eine Anekdote mit viel Charme, welche auch gut zu unserem Kumpelverein passt“, heißt es in der Vereinschronik auf der Aue-Homepage.

Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga die erste Rakete gezündet

In den 1950er Jahren feierte die BSG Wismut Aue ihre größten Erfolge. 1956, 1957 und 1959 wurde die Mannschaft DDR-Meister, 1955 FDGB-Pokalsieger. 1993 wurde der Verein von FC Wismut Aue in FC Erzgebirge Aue umbenannt. "Den Namen hatten wir bewusst so gewählt, um die gesamte Region mit einzubeziehen und wieder für den Fußball zu begeistern", erklärte Helge Leonhardt. "Zehn Jahre später wurde mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga die erste Rakete gezündet."

Bildergalerie: Kult aus dem Erzgebirge - "Veilchen" feiern 75. Geburtstag

Zwickaus Alois Glaubitz blockt den Ball gegen Konrad Schaller (Aue, links) ab. Punktspiel DDR-Oberliga Wismaut Aue - Sachsenring Zwickau 0:1, 16.3.1968
Große Kulisse und heiße Atmosphäre: Wenn Wismut Aue und Sachsenring Zwickau in der DDR-Oberliga aufeinander trafen, brannte die Luft. Hier blockt Zwickaus Alois Glaubitz den Ball gegen Konrad Schaller von Aue ab (0:1, 16. März 1968). Bildrechte: Frank Kruczynski
Zwickaus Alois Glaubitz blockt den Ball gegen Konrad Schaller (Aue, links) ab. Punktspiel DDR-Oberliga Wismaut Aue - Sachsenring Zwickau 0:1, 16.3.1968
Große Kulisse und heiße Atmosphäre: Wenn Wismut Aue und Sachsenring Zwickau in der DDR-Oberliga aufeinander trafen, brannte die Luft. Hier blockt Zwickaus Alois Glaubitz den Ball gegen Konrad Schaller von Aue ab (0:1, 16. März 1968). Bildrechte: Frank Kruczynski
Alfon Babik (Zwickau, links) im Kopfballduell mit Klaus Zink (Aue), weiter v.l. Söldner (Z), Schaller (A), Glaubitz (Z) und Henschel (Z), hinten Lippmann (Z) sowie Gerber (A), DDR-Oberliga Wismut Aue - Sachsenring Zwickau 0:1 am 16.3.1968
Noch eine Szene aus dem Derby am 16. März 1968: Der Zwickauer Alfons Babik (li.) im Kopfballduell mit Wismut-Spieler Klaus Zink. Mit im Bild (v.l.): Harald Söldner (Zwickau), Konrad Schaller (Aue), Alois Glaubitz (Zwickau) und Peter Henschel (Zwickau). Hinten: Gunter "Lippe" Lippmann (Zwickau) sowie Dieter Gerber (Aue). Bildrechte: Frank Kruczynski
Harald Mothes (Wismut Aue), Punktspiel DDR-Oberliga, Wismut Aue -FC Hansa Rostock 0:0 am 16.10.1982
Wismuts Offensivspieler Harald Mothes in der Oberliga-Begegnung der "Veilchen" gegen Hansa Rostock am 16.10.1982 (0:0). Bildrechte: Frank Kruczynski
Holger Erler (Aue, links) im Zweikampf mit Dresdens Hans-Jürgen Dörner, DDR-Oberliga Wismut Aue - Dynamo Dresden 0:3 am 22.8.1984
Motiviert bis in die Fußspitzen waren die Auer immer, gerade wenn es gegen Dynamo Dresden ging. Hier geht Holger Erler in den Zweikampf mit Dresdens Hans-Jürgen Dörner. Am 22.8.1984 hieß es dennoch 0:3 aus Wismut-Sicht. Bildrechte: Frank Kruczynski
Nach Spielschluss: Harald Mothes, der an diesem Tag nach 303 Oberliga-Einsätzen (mit 88 Toren) letztmalig in einem Punktspiel im heimischen Auer Stadion auflief. Oberliga Wismut Aue - Hansa Rostock 3:2 am 18.05.1990. Trotz des Sieges im letzten Saison-Heimspiel konnten die Auer nach 1019 Spielen und 38 Spielzeiten ununterbrochener Zugehörigkeit zur DDR-Oberliga  den Abstieg in die DDR-Liga nicht verhindern.
Wir schreiben den 18. Mai 1990. Nach 303 Oberliga-Einsätzen mit 88 Toren war es das letzte Spiel von Harald Mothes für die Erzgebirger. Trotz eines 3:2 über Hansa Rostock konnten die Auer nach 1.019 Partien und 38 Spielzeiten ununterbrochener Zugehörigkeit zur DDR-Oberliga den Abstieg nicht verhindern. Bildrechte: Frank Kruczynski
Betreuer bemühen  sich um Aues Michael Geßner, nachdem  dieser  vom Faustschlag eines randalierenden Fans getroffen wurde. Punktspiel Liga Nordost/Staffel B FSV Zwickau - FC Wismut Aue  22.5.1991, 1:4 vor Spielabbruch
Es wurde ein Skandalspiel: Am 22. Mai 1991 trafen der FSV Zwickau und der FC Wismut Aue in der Regionalliga Nordost (Staffel B) aufeinander. Beim Stande von 4:1 für Aue musste der Referee in der 66. Minute die Partie abbrechen, da Chaoten das Spielfeld stürmten und Auer Spieler sowie den Schiedsrichter angriffen. Das Spiel wurde mit 4:1 für Wismut gewertet. Im Bild: Betreuer bemühen  sich um Aues Michael Geßner, nachdem  dieser  von einem Faustschlag getroffen wurde. Bildrechte: Frank Kruczynski
Trainer Lutz Lindemann (links) mit Präsident Uwe Leonhardt (Erzgebirge Aue), Punktspiel Oberliga Nordost Staffel Süd Erzgebirge Aue - FSV Zwickau 0:1 am 26.3.1994
Am 26. März 1994 verliert Erzgebirge Aue das Oberliga-Punktspiel in der Nordost-Staffel Süd gegen Zwickau mit 0:1. Zu sehen: Trainer Lutz Lindemann und heutiger MDR-Fußballexperte mit Präsident Uwe Leonhardt, Bruder vom aktuellen FCE-Chef Helge Leonhardt. Bildrechte: Frank Kruczynski
Eine jubelnde Auer Fangemeinde überflutete nach Spielende den Stadion-Innenraum, Regionalliga Nord FC Erzgebirge Aue - Borussia Dortmund/Amat. 2:1, 8.6.2003, damit schaffte Erzgebirge Aue den Aufstieg in die 2.Bundesliga
Die "Veilchen" sind wieder da, die jubelnde Auer Fangemeinde ist nicht zu bremsen. Nach dem 2:1 gegen Dortmunds Amateure am 8. Juni 2003 gelingt Erzgebirge Aue der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Bildrechte: Frank Kruczynski
Kurz vor Spielschluss: Aues Trainer Gerd Schädlich winkt noch ab - während sich im Hintergrund Aues Spielerbank-Reigen formiert. Regionalliga Nord FC Erzgebirge Aue - Borussia Dortmund/Amat. 2:1, 8.6.2003. Aue schaffte damit den Aufstieg in die 2.Bundesliga.
Stets bescheiden, aber erfolgreich: Vater des Erfolges beim Aufstieg 2003 war Trainer Gerd Schädlich.   Bildrechte: Frank Kruczynski
Die Auer Dino Toppmöller, Tomasz Kos, Torschütze Andrzej Juskowiak und René Trehkopf (v.l.n.r.) nach dem 1:0., 2.Bundesliga FC Erzgebirge Aue - TSV 1860 München 3:1, 13.4.2004
Die Auer Dino Toppmöller, Tomasz Kos, Torschütze Andrzej Juskowiak und René Trehkopf (v.l.n.r.) nach dem 1:0 in der Zweitliga-Begegnung gegen den TSV 1860 München. Am Ende hieß es am 13. April 2004 3:1. Bildrechte: Frank Kruczynski
Andrzej Juskowiak (FC Erzgebirge Aue), 2.Bundesliga FC Erzgebirge Aue-MSV Duisburg 2:1,  9.5.2004
Andrzej Juskowiak zieht wuchtig ab. Der Pole in Diensten von Erzgebirge Aue im Zweitliga-Spiel gegen den MSV Duisburg am 9. Mai 2004 (2:1). Bildrechte: Frank Kruczynski
Nach Spielschluß stürmten die Aue Fans das Spielfeld, 3.Liga FC Erzgebirge Aue - FC Erzgebirge Aue - Eintracht Braunschweig 2:1 am 30.4.2010
Begeisterung pur: Nach Spielschluss stürmen die Auer Fans das Spielfeld. Durch ein 2:1 gegen Eintracht Braunschweig feiern die Sachsen am 30. April 2010 die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Bildrechte: Frank Kruczynski
Aues Piere Le Beau (3.v.l.) erzielt per Kopf den Siegestreffer zum 2:1, links Sebastian Glasner, die Braubschweuger Danir Vrancic,Tim Danneberg und Mirko Boland (v.r.) haben das Nachsehen. 3.Liga FC Erzgebirge Aue - FC Erzgebirge Aue - Eintracht Braunschweig 2:1 am 30.4.2010
Vor der großen Aufstiegs-Sause hatte Piere Le Beau (3.v.l.) per Kopf den Siegtreffer zum 2:1 gegen die "Löwen" erzielt. Mit im Bild: Aues Sebastian Glasner und die Braunschweiger Damir Vrancic, Tim Danneberg und Mirko Boland. Bildrechte: Frank Kruczynski
Siegestorschütze Skerdilaid Curri (Aue) nach Spielschluß, 2.Bundesliga Erzgebirge Aue - VfL Bochum 2:1 am 6.5.2012, durch den Sieg sicherten sich die Auer den Klassenerhalt
Insgesamt zehn Jahre schnürte Skerdilaid Curri die Töppen für Erzgebirge Aue. Am 6. Mai 2012 erzielte der Publikumsliebling beim 2:1 gegen den VfL Bochum den Siegtreffer. Aue hatte den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft. Bildrechte: Frank Kruczynski
Torhüter Martin Männel (Aue, hinten im orangen Trikot) überwindet Torhüter Jan Zimmermann (Heidenheim) in der 88.Spielminute zum 2:2-Ausgleich, was aber letztlich Aues Abstieg nicht verhinderte. Fußball 2.Bundesliga 2014/15 1.FC Heidenheim - FC Erzgebirge Aue 2:2 am 24.5.2015
Bittere Stunde für Erzgebirge Aue. Trotz des 2:2-Ausgleichstreffer von Torhüter Martin Männel (hinten im orangefarbenen Trikot) in der 88. Minute in Heidenheim konnten die Lila-Weißen in der Saison 2014/15 den Abstieg aus dem Fußball-Unterhaus nicht verhindern (24. Mai 2015). Bildrechte: Frank Kruczynski
Domenico Tedesco auf dem Weg zum ersten Einsatz als neuer Trainer des FC Erzgebirge Aue , im Hintergrund die Karlsruher Fans, die schon vor Spielbeginn mit Pyrotechnik auffielen. Fußball 2.Bundesliga 2016/17 Erzgebirge Aue - Karlsruher SC 1:0 am 10.3.2017
Domenico Tedesco auf dem Weg zum ersten Einsatz als neuer Trainer des FC Erzgebirge Aue. Im Hintergrund die Karlsruher Fans, die schon vor Spielbeginn mit Pyrotechnik "glänzten". Schließlich gewann Aue am 10. März 2017 die Zweitliga-Partie mit 1:0. Bildrechte: Frank Kruczynski
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Nächstes Jubiläum: 500. Zweitliga-Spiel

Seitdem ist der Verein mit zwei kurzen Unterbrechungen fester Bestandteil im deutschen Fußball-Unterhaus. Die "Veilchen" haben inzwischen 499 Zweitliga-Spiele bestritten. Da  braucht man kein Rechenkünstler sein, um zu wissen, dass am kommenden Sonnabend (6. März) gegen Hannover das 500. ansteht. Schon wieder ein Grund zum Feiern.

jmd/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 04. März 2021 | 10:00 Uhr

6 Kommentare

isibitt vor 9 Wochen

Ich weiß nicht was hier manche Träumer über kleinen Verein und andere Ostvereine, haben bessere Vorraussetzungen schreiben. Fakt ist doch, das wir nicht irgendwelche Wahrsager oder sogenannte Investoren nach Aue reingelassen haben, sondern unser Geschickt selbst in die Hand genommen haben mit den großartigen Unternehmern Uwe und Helge Leonhardt. Die anderen Ostvereine, außer Union welche die gleiche DNA wie wir haben, lamentieren nur, lernen nichts dazu und halten an ihrer Tradition fest, welche schon lange verflogen ist. Und so klein ist unser Verein nicht, fast 10000 Mitglieder, RB hat 750.

revolvere vor 9 Wochen

meine ossi-lebensgefährtin, vor meiner zeit in sachsen verheiratet, hat mich über bad schlema zum fcaue gebracht und sozusagen draufgestossen. dieses jahr habe ich sogar wieder ein geburtstags-telegramm aus aue gekriegt.
ich bedanke mich recht herzlich,
bleibt so wie ihr seid, erzgebirger und sachsen aus aue.
euer revolvere

Gerald vor 9 Wochen

1.Herzlichen Glückwunsch für den 75. Jahrestag für den sympathischen kleinen Verein! Ich wünsche euch auch als nicht Aue-Anhänger weiter viel Erfolg! Hatte aber schon zu DDR-Zeiten größten Respekt, was der kleine Verein Jahr für Jahr auf die Beine stellt! Und das hat sich bis jetzt fortgesetzt! Ihr könnt Stolz sein! Da können andere Ost-Vereine mit viel, viel besseren Voraussetzungen eine Scheibe abschneiden!
2.Wer hätte das noch vor 30 Jahren gedacht, daß Eisern Union und Aue nach der Wende die neuen Leuchttürme im Ostdeutschland im Fußball werden? Ich glaube kaum einer! Auch ich nicht!