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Fußball | 2. BundesligaSind Geldstrafen gegen Pyrotechnik wirkungsvoll?

Stand: 20. April 2022, 11:42 Uhr

Viele Millionen Euro haben Fußballklubs bereits an den Deutschen Fußball-Bund überwiesen, weil ihre Fans unter anderem Pyrotechnik abgebrannt haben. Lohnen sich diese Strafen? Das hat ein Wissenschaftler untersucht.

Immer wieder müssen Fußballklubs für das Fehlverhalten ihrer Fans tief in die Tasche greifen. Zweitligist Erzgebirge Aue musste erst im Dezember 2021 wegen des Abbrennens von Pyrotechnik eine Geldstrafe zahlen, auch der FSV Zwickau oder Dynamo Dresden mussten im vergangenen Jahr mehrere tausend Euro an Strafe zahlen – unter anderem wegen Pyrotechnik.

Sorgen diese Strafen dafür, dass weniger bengalische Feuer abgebrannt oder weniger Raketen gezündet werden? Nein, meint Wissenschaftler Philipp Winskowski. Der Dresdner hat für seine Doktorarbeit mehr als 1000 Strafen analysiert und 27 Personen aus der Fanszene sowie von Verbänden und Vereinen interviewt.

"Geldstrafen haben so gut wie keinen Einfluss"

"Geldstrafen haben so gut wie keinen Einfluss auf das Verhalten der Fans, solange sie nicht weitergegeben werden. Allerdings meinen die befragten Sportrichter, dass die Strafen die Vereine zumindest zum Nachdenken und zum Dialog mit den Fans anregen", sagte der 33-jährige Betriebswirt in einem Interview der "Sächsischen Zeitung" (Mittwochausgabe).

Dresden und Frankfurt führen Strafentabelle an

Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt führen mit jeweils rund 1,5 Millionen Euro Strafen durch Bußgelder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Zuschauerausschluss die Strafentabelle an. Dabei müssen die Klubs teilweise Gelder in sechsstelliger Höhe zahlen. In einem Strafenkatalog des DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) sind die Vergehen klassifiziert. Darunter zählt auch das Zünden von Pyrotechnik, das für die Ultras ein wichtiges Element ihrer Fankultur ist.

Pyrotechnik von Eintracht-Frankfurt-Fans beim Spiel im März in Leipzig. Bildrechte: MDR/Hofmeister, Dirk

Strafen und ihr besonderer Anreiz

Die Strafen des Verbandes, so Winskowski, würden anders als beabsichtigt sogar einen besonderen Reiz für die Ultras ausmachen. "Vertreter einer aktiven Fanszene, mit denen ich gesprochen habe, meinten, dass sie gern Randalemeister werden wollten. Ihr Verein hatte in einer Saison sehr viele Strafen erhalten und war in diesem Ranking sehr weit oben. Deswegen haben die Fans dann noch einmal Strafen verursacht. Geldstrafen können also auch einen Negativ-Anreiz setzen", so der Wissenschaftler, der dafür plädiert: "Man sollte die Strafen und ihre Wirkmechanismen zumindest hinterfragen."

Vereine legen sich mit Fans nicht an

Zudem dulden einige Vereine das Verhalten ihrer Anhänger. "Ich denke, dass die Vereine für das Fehlverhalten der Fans vor allem bestraft werden, um den Medien und der Politik zu zeigen, dass man als Verband doch etwas dagegen unternimmt. Die Strafen sind dabei aber so moderat, dass alle Seiten damit gut leben können. Es wirkt wie ein Agreement", sagte der Betriebswirt zu seiner Vermutung. Zudem lohne es sich für Traditionsvereine wie Dynamo oder auch Eintracht Frankfurt "ökonomisch nicht, sich mit den eigenen Fans anzulegen".

Carl Zeiss Jena wegen Pyro-Strafen vor Gericht

Einen anderen Weg geht dabei übrigens Regionalligst Carl Zeiss Jena. Die Thüringer wollen sich mit den Kollektivstrafen des DFB nicht abfinden und wehren sich seit längerem auf juristischem Weg. Als letzten rechtlich möglichen Schritt hat der FCC aim März Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegt. Soweit ist im deutschen Fußball bisher noch kein Verein gegangen.

dh/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 20. April 2022 | 11:40 Uhr

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