Fußball | 2. Bundesliga Bye, bye, Liga zwei? Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden droht Abstieg

Wie war der Jubel groß, als im letzten Frühjahr die SG Dynamo Dresden und Hansa Rostock den Sprung in die zweite Bundesliga schafften, die Erzgebirge Aue zum fünften Mal in Folge gehalten hatte. Jetzt aber droht der Super-Gau aus sächsischer Sicht – Aue und Dynamo stehen vor dem Absturz. Klar ist bereits: Einen wird es auf alle Fälle erwischen. Und die Chancen des Anderen, der wohl in die Relegation gehen wird, stehen mit Blick auf die aktuelle Formkurve eher schlecht.

Dresdens Ransford-Yeboah Königsdörffer nach vergebener Chance
Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Sechs Jahre in Folge haben die stolzen Sachsen die 2. Bundesliga gehalten. Mit den typischen Tugenden, die den FC Erzgebirge Aue auszeichnen. Diesmal reicht es nicht und diesen Abstieg – auch wenn es theoretisch noch nicht zu 100 Prozent besiegelt ist – haben sich die Veilchen selbst zuzuschreiben.

Nazarov: "Das ist nicht unverdient in der Summe"

Gegen Hannover 96 sollte es nun – nach den verlorenen Endspielen gegen Karlsruhe und Ingolstadt, das HSV-Spiel mal ausgenommen – die ultimativ letzte Chance sein. Doch auch in diesem Spiel (Endstand 1:3) lief eigentlich alles schief. Ein Spiegelbild der Saison. Früh kassiert Aue den Rückstand, wirkt danach völlig von der Rolle, bettelt um die nächsten Treffer. Nach dem Wechsel beim Stand von 0:2 gibt es dank des Anschlusstreffers wieder etwas Hoffnung, die in diesem Fall durch einen abgefälschten und damit unhaltbaren Schuss im Keime erstickt wurde.

Entäuschung bei Aue nach dem Spiel.
Entäuschung bei Aue nach dem Spiel Bildrechte: IMAGO / Picture Point

1:3 – das Ende aller Träume. "Wir müssen nichts schönreden, das war es wohl. Das dritte Tor ist bezeichnend für die Saison. Knapp und eng und immer in die falsche Richtung", sagte Trainer Pavel Dotchev. Über die Gründe, die zu diesem Sturz auf den letzten Platz führten, wurde schon viel geschrieben. Dimitrji Nazarov brachte es nach dem Spiel treffend auf den Punkt: "Wir hatten so viele Spiele Zeit, haben so wenig Punkte. Das ist dann nicht unverdient, in der Summe."

Rückkehr muss im ersten Versuch klappen

Präsident Helge Leonhardt hatte bereits angekündigt, dass Aue möglichst im ersten Anlauf den Sprung zurück in die zweite Liga schaffen müsste. Im ersten Jahr gibt es noch Überbrückungshilfen für die Absteiger, die würden danach wegfallen. Doch zunächst gilt es, einen Trainer zu verpflichten, mit dem diese Rückkehr zu schaffen ist. Aus welchem Holz der geschnitzt sein muss? Sicher müsste er die 3. Liga kennen, eine gewisse Erfahrung mitbringen. Mit einem Nobody erneut baden gehen, das kann sich Erzgebirge Aue in doppelter Hinsicht nicht leisten.

Dynamo taumelt - Relegation sehr wahrscheinlich

Die SG Dynamo Dresden steht nach dem 1:2 im Kellerduell beim SV Sandhausen ebenfalls mit einem Bein in der 3. Liga, auch wenn man derzeit noch auf dem 16. Platz rangiert. Und die Schwarz-Gelben warten immer noch auf den ersten Pflichtspielsieg des Jahres, keine guten Aussichten mit Blick auf ein eventuelles Relegationsspiel. Denn rein psychologisch dürfte der aktuelle Dritte in Liga drei, Eintracht Braunschweig, im Vorteil sein.

Guerino Capretti, Trainer Dynamo Dresden 2 min
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Bleibt die große Frage: Wie sinnvoll war der Trainerwechsel von Alexander Schmidt zu Guerino Capretti wirklich? Der Neue holte in den letzten fünf Partien zwei Punkte, Schmidt war zuvor zugegebener Maßen auch nicht viel erfolgreicher. Spielerisch hat sich Dynamo verbessert, die Ergebnisse stimmen aber weiterhin nicht. Auffällig ist: Die drei Verpflichtungen in der Winterpause Oliver Bastista Meier, Vaclav Drchal und Adrian Fein haben das Team bisher nicht wirklich verbessert. Immer noch hängt zu viel in der Offensive an Christoph Daferner, Dynamo ist da zu ausrechenbar. Und 28 Tore in 29 Spielen, das ist nicht eben Furcht einflößend. Für die Schwarz-Gelben kann es jetzt nur heißen: Selbstvertrauen tanken für die anstehenden Überlebensspiele.

Dresdens Michael Sollbauer, Tim Knipping, Christoph Daferner und Morris Schröter Schroeter v.l.n.r. nach Abpfiff
Dresdens Michael Sollbauer, Tim Knipping, Christoph Daferner und Morris Schröter Schroeter v.l.n.r. nach dem Abpfiff Bildrechte: IMAGO/Dennis Hetzschold

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 11. April 2022 | 19:00 Uhr

33 Kommentare

Reisender vor 33 Wochen

Genau, er „durfte „ sich um die Ausbildung der Trainer und um die Nachwuchsförderung kümmern. Außerdem war er nicht DER Vizepräsident sondern einer von mehreren. Das war das Gnadenbrot für den ehemaligen Chef des DFV.
Er wollte mehr Vereine der EX-DDR in die Bundesligen, das hat man ihm verwehrt.
Also bitte…..

Blauer Hund vor 33 Wochen

Für einen Mance, Gueye, Owusu, George und Trujic hättest du mit Sicherheit mindestens zwei Spieler bekommen können, die eine Hilfe gewesen wären und 2. Liga können.
Nur mal so als Beispiel: Ein Schäffler in Nürnberg wäre gerne gekommen, da er dort die ganze Zeit nur Bankdrücker war!
Was wir als angebliche Verstärkungen geholt haben, ist ein Witz!
Da haben es Einige nicht mal auf die Ersatzbank geschafft, wenn ich an den Dicken aus Regensburg denke!

Dreiecker vor 33 Wochen

Du machst es dir aber sehr einfach mit dem Stadion. Dynamo konnte keine Bedingungen stellen bezüglich des Stadionbaues, das hat nach der Wende schon die Stadtpolitik verhindert. Den allergrößten Anteil des Neubaus hat die Fanszene. Was dann technisch möglich war ist ein anderes Ding. Von Fassungsvermögen ab 16 000 bis 25 000 waren die Vorschläge im Verbund mit Leichtathletik und du sagst Dynamo sollte Verträge abschliesen mit anschließender Übernahme, damals undenkbar. Der Neubau wurde der Stadt förmlich abgerungen.

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