Fußball | 2. Bundesliga Gegnercheck Hannover 96 - das Auer Gegenmodell

24. Spieltag

Tradition trifft Tradition im Zweitliga-Mittelfeld. Das eint Erzgebirge Aue und Hannover 96. Sonst haben beide Klubs aber eher wenig gemeinsam. Der H96-Gegnercheck.

Genki Haraguchi 10, Hannover und Kenan Kocak Trainer, Hannover freuen sich nach dem Sieg.
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Ein Gast mit viel ganz viel Fußballtradition gibt sich zum Abschluss der Auer Jubiläumswoche die Ehre. Kurz nach dem 75. Geburtstag des FC Erzgebirge gastiert der fast 115-jährige Hannoversche Sportverein von 1896 im Erzgebirge. Die lange Fußballtradition und das Mittelfeld der 2. Bundesliga – das eint beide Klubs. Doch dann ist es mit den Ähnlichkeiten auch schon vorbei.

Hauptziel Wiederaufstieg

Während der FC Erzgebirge die mannschaftsgewordene Zweitliga-Identität verkörpert, strebt Hannover 96 nach Höherem. Und scheitert damit immer wieder. Vom eigenen Anspruch ist H96 klar ein Bundesligist. Mit 30 Jahren Erstligazugehörigkeit und Platz 15 der ewigen Bundesliga-Tabelle verorten sich die Norddeutschen klar in der Eliteliga. Zuletzt spielten die "Rothemden" 2019 in der 1. Liga.

Zurück nach Europa

Seither ist das kurzfristige Hauptziel Wiederaufstieg, längerfristig schielen die Fans des 23.000 Mitglieder-Vereins sogar nach Europa. Dort spielte der Klub zuletzt nach einem sensationellen vierten Bundesliga-Platz 2011.

Hannover fehlt Konstanz und Glück

Aktuell ist Trainer Kenan Kocak mit dem Projekt Wiederaufstieg betraut. H96 startete furios mit 11:3 Toren und vier Siegen aus den ersten fünf Spielen in die Saison. Seither holpert es aber, zwischenzeitlich fiel der Klub sogar bis auf Rang 14 (9. Spieltag) ab. Was fehlt bei Hannover ist Konstanz und Glück. Den Niedersachsen gelang nach dem Saisonstart nie eine richtige Serie. Partien wie gegen Düsseldorf (2:3 in Überzahl), Karlsruhe (0:1 durch ein Eigentor) oder St. Pauli (2:3 in der Nachspielzeit) wurden sehr unglücklich verloren. Hätte H96 diese Punkte nicht abgegeben, wären die Hannoveraner noch ganz dick drin im Aufstiegsgeschäft.

Schuster: "Müssen flexibel umswitchen können"

Aue-Trainer Dirk Schuster hat trotz der Holpersaison von Hannover einen Riesenrespekt vor dem Samstag-Gegner und seinem Gegenüber auf der Trainerbank, Kenan Kocak. "Hannover hat eine sehr große individuelle Qualität", sagt Schuster. Das kreative Coaching von Kocak erfordere zudem eine große Flexibilität seiner Mannschaft: "Wenn sie mit der Raute kommen, ist es ein anderes Spiel, als wenn sie 4-3-3 spielen. Mein Kollege spiegelt gern die gegnerischen Mannschaften, das würde auf ein 4-3-3 hindeuten. Er hat aber auch schon erfolgreich 4-2-2-2 gespielt. Wir sollten darauf eingestellt sein, flexibel umswitchen zu können, um die richtigen Antworten zu finden."

Hannover: Routiniers und junge Spieler

Hannover sieht sich zudem als "Gegenmodell zu Aue", wie es Kocak beschreibt. "Sie haben mit Florian Krüger einen hochtalentierten Spieler, aber sonst haben sie auf jeder Position brutal viel Erfahrung, sind im Altersschnitt sehr hoch angesiedelt. Das ist eine sehr abgebrühte, sehr gute Zweitligamannschaft", erklärt der 40-jährige Trainer. Während Aue die zweitälteste Mannschaft der 2. Liga stellt, hat Kocak Um erst- und zweitliga-erfahrene Routiniers wie den 34-jährigen Mike Frantz, den 32-jährigen Dominik Kaiser, den 33-jährigen Tormann Michael Esser oder den 29-jährigen Angreifer Genki Haraguchi eine junge Mannschaft formiert.

Dominik Kaiser von Hannover 96
Gibt dem Hannover Mittelfeld Stabilität: der Ex-Leipziger Dominik Kaiser. Bildrechte: imago images/Noah Wedel

Vorsicht vor Ducksch und Haraguchi

Herausragend dabei die Offensivspieler Marvin Duksch und Haraguchi. Für Duksch ist Aue zudem eine Art Lieblingsgegner. In sechs Begegnungen beider Klubs traf der Mittelstürmer fünfmal, gegen keinen anderen Verein schoss er mehr Tore. Haraguchi ist mit vier Distanztoren zudem der Weitschuss-Torschützenkönig der Liga. Überragend beim Japaner zudem die Laufwerte, die drittbesten der Liga, und seine Torqualitäten. In den vergangenen neun Spielen war er an sieben Toren beteiligt.

Genki Haraguchi ,Hannover96, am Ball
Haraguchi: Daurläufer und Top-Vorbereiter. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Prügelei im Training

Sportlich scheint Hannover mit einem jungen Trainer, einer motivierten Mannschaft und einem Konzept, das auf Nachhaltigkeit setzt, auf einem guten Weg zurück ins Fußball-Oberhaus. Ganz ohne Negativschlagzeilen scheint es bei Hannover aber nicht zu gehen. Erst kürzlich kam es im Training zu Handgreiflichkeiten zwischen Simon Falette und Haraguchi, Falette wurde daraufhin zunächst suspendiert und später begnadigt. Der Abwehrspieler könnte gegen Aue sein Comeback feiern.

Zoff zwischen Sportdirektor und Trainer?

Im Hintergrund scheint es vor allem um die Stimmung zwischen Sportdirektor Gerhard Zuber und Coach Kenan Kocak nicht immer bestens bestellt. Deutlich wurden die Meinungsverschiedenheiten bei öffentlich ausgetragenen Diskussionen um Wintertransfers. Der von Kocak gewünschte Mittelstürmer Serdar Dursun von Darmstadt 98 kam dann letztlich nicht. Für die Zukunft wünscht sich 98-Boss Martin Kind eine bessere Kommunikation und, "dass alle mal ehrlich ihre Meinung sagen", wie er der "Hannoverschen Allgemeinen" verriet.

Kind: Saison noch nicht abschreiben

Vom Aufstieg in dieser Saison muss man sich angesichts von neun Punkten Rückstand auf die Top 3 verabschieden – auch wenn Kind betont, er wolle die Saison noch nicht abschreiben. Aber: Im Hintergrund laufen schon die Vorbereitungen auf die neue Saison. "Es gibt die ersten Vorentscheidungen", sagte Kind der "Hannoverschen Allgemeinen".

Dirk Hofmeister

Lutz Lindemann und Jörg Emmerich 51 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. März 2021 | 14:00 Uhr

1 Kommentar

do it yourself vor 9 Wochen

Glückliches Remies geschafft und wenigstens nicht verloren.