Gegnercheck: Hannovers harte Zweitliga-Landung

Hannover 96 hat ein enttäuschendes Jahr 2019 hinter sich. Erst der Bundesliga-Abstieg, dann die verkorkste Zweitliga-Hinrunde. Zwischenzeitlich drohte der Absturz in die 3. Liga. Trainer und Sportchef wurden ausgetauscht. Es ging mit zehn Punkten aus fünf Spielen Anfang des Jahres bergauf. Doch dann kam der Corona-Stillstand und seitdem sind die "Roten" trotz eines Kaders mit Star-Potential irgendwie immer noch ein bisschen im Abstiegskampf drin - wenn auch mit Abstand.

Hannovers Julian Korb (4.v.l.) jubelt nach seinem Tor zum 0:1 mit seinen Mitspielern Waldemar Anton (l-r), Genki Haraguchi, Edgar Prib, Cedric Teuchert und Marvin Ducksch.
Das Hinspiel in Dresden gewann Hannover 2:0. Gelingt Dynamo am Mittwoch die Revanche? Bildrechte: dpa

Tabelle

36 Punkte nach 28 Spielen, Platz 11 – und damit schnödes Mittelfeld. Weit weg vom Aufstieg, sechs Punkte entfernt vom Abstiegs-Relegationsplatz. Mit einem Sieg im Nachholer (Mi., 18:30 Uhr) gegen Dynamo Dresden könnte das Traditionsteam  aber einen großen Sprung machen. Sollte Hannover mit mehr als fünf Toren Differenz gewinnen, wäre sogar Rang sechs drin.

Ergebnisse nach dem Re-Start

4:2-Sieg in Osnabrück, 1:1 zu Hause gegen Karlsruhe, zuletzt eine 1:3-Niederlage in Sandhausen. Hannover ist nach der Zwangspause eine Wundertüte, die zuletzt v.a. in der Defensive Schwächen zeigte.

Aktuelles Ziel

Punkten, punkten, punkten. Hannover darf sich nicht zu sicher sein, braucht noch den einen oder anderen Zähler, um am Ende nicht doch zittern zu müssen. Auch wenn der Fall in die kritische Zone des prominent-besetzten Teams unwahrscheinlich erscheint. Winter-Neuzugang und Ex-RB-Leipzig-Spieler, Dominik Kaiser, angesprochen auf die Verfassung nach dem 1:3 in Sandhausen: "Ich bin überzeugt, dass uns das nicht komplett umwirft."

Dominik Kaiser
Dominik Kaiser stieß im Winter zum Team. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Marcel Franke - ein Ur-Dresdner

Für Marcel Franke wird es ein besonderes Spiel. Der Innenverteidiger ist ein waschechter Dresdner, wurde am 5. April 1993 in der sächsischen Landeshauptstadt geboren, begann als Knirps bei der SGD und debütierte 2011 bei den damals drittklassigen Profis. Über verschiedene Stationen – u.a. Halle, Norwich City und Darmstadt – landete der heute 27-Jährige in Hannover. Nach monatelanger Verletzungspause gab er am letzten Wochenende sein Comeback – und dürfte auch am Mittwoch auflaufen. So etwas nennt man dann wohl Punktlandung.  

Marcel Franke, Kevin Ehlers, Cedric Teuchert und Jannis Müller beim Spiel SG Dynamo Dresden - Hannover 96, 2019
Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Personalsituation

Mit Franke ist also ein gesetzter Abwehrspieler zurück. Dafür wird der Kapitän ausfallen. Marvin Bakalorz erlitt gegen Sandhausen eine schwere Brustkorb-Prellung. Nach zwölf Minuten war er mit Teamkollege Kaiser zusammengerasselt und konnte nicht weitermachen.

Torschützen

Besonders gefährlich sind zwei echte Brecher im Angriff. Hendrik Weydandt und Marvin Ducksch, die zuletzt überraschend auf der Bank schmoren mussten, haben jeweils acht Mal getroffen und 16 der 40 Hannoveraner Tore erzielt. Auch auf Genki Haraguchi (5 Tore) und Topvorlagengeber Linton Maina (7) sollten die Dynamos ein besonderes Auge haben.

Kenan Kocak - der Trainer

Kenan Kocak übernahm im November 2019 die schwierige Aufgabe, Hannover zurück in die Spur und zumindest ins gesicherte Mittelfeld zu bringen. Der  Zweitliga-erfahrene Kocak löste dabei Mirko Slomka als Coach ab, der nach nur drei Siegen in den ersten zwölf Partien gehen musste. Unter Kocak legten die Niedersachsen bessere Auftritte hin, einzig die Konstanz fehlt.  

Kenan Kocak
Kenan Kocak löste Mirko Slomka ab. Bildrechte: Picture Point

Der direkte Vergleich

Der Direktvergleich geht an Hannover: 4-0-2. Zweimal gewannen die "Roten" in der 2. Bundesliga, zweimal im DFB-Pokal. In der Saison 16/17 knöpfte Dynamo Hannover beim 2:0 drei Punkte ab, 1994 gewannen die Elbestädter das erste Duell gegen Hannover im DFB-Pokal mit 3:2. Seitdem war es stets knapp. Beim turbulenten Hinspiel (2:0 für Hannover) erlebten beide Teams den Abpfiff nicht vollzählig. Trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer für Dynamo: Beide Siege fuhren die Elbestädter auswärts ein. Und auch in dieser Saison ist Hannover das zweitschwächste Heimteam der Liga…

Schiedsrichter Christian Dingert (3.v.l.) zeigt Dynamos Niklas Kreuzer (r) die Rote Karte.
Schiedsrichter Christian Dingert (3.v.l.) zeigt Dynamos Niklas Kreuzer (r) die Rote Karte. In der gleichen Szene sah der Hannoveraner Albornoz Gelb-Rot. Bildrechte: dpa

sst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKtuell | 03. Juni 2020 | 21:45 Uhr

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