Fußball | 1. bis 4. Liga Initiative "Im Osten geht die Sonne unter" fordert Aussetzung der Abstiegsregel

Eine neue Initiative mit ehemaligen Fußballern aus dem Osten fordert von DFB und DFL eine Aussetzung der Abstiegsregel. Das wäre in aktuellen Zeiten gerade für die Ost-Vereine gelebte Solidarität. "Fakt ist! Aus Erfurt" beschäftigt sich Anfang Juli mit dem Zustand des Ost-Fußballs.

 Hans-Jürgen Dixi Dörner, Aufsichtsrat SG Dynamo Dresden
Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Eine von Ex-Fußballern und -Funktionären wie Hans-Jürgen "Dixie" Dörner, Jürgen Sparwasser, Peter Ducke und Ansgar Brinkmann unterstützte Initiative fordert die Aussetzung der Abstiegsregel von der Bundesliga bis in die Regionalligen. Dies geht aus einem am Mittwoch (24. Juni) veröffentlichten offenen Brief der Initiative "Im Osten geht die Sonne unter" hervor, der an die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerichtet ist.

Positives Signal für den Osten

Hans-Jürgen „Hansi“ Kreische
Hans-Jürgen "Hansi" Kreische Bildrechte: IMAGO/Robert Michael

Die Initiative wünscht sich eine "Abänderung der bisherigen Abstiegsregel (...), dass es bis zur 4. Liga in der laufenden Saison keine Absteiger geben wird". Die ausgespielten Aufsteiger dürften jedoch "selbstverständlich aufsteigen". Dies führe "zwar zu einer Vergrößerung" der Ligen, könne aber "in der nächsten bzw. übernächsten Saison wieder rückgängig gemacht werden".

Weiter heißt es: "Wir sind uns bewusst, dass damit einige nicht unerhebliche Änderungen vorgenommen werden müssten. Dieser Aufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zu dem positiven Signal, welches davon ausgeht und den regionalökonomischen Effekten für die ohnehin strukturschwachen Regionen des Ostens", wird argumentiert. Man fordert von DFB und DFL "Fairness, Chancengleichheit und Gerechtigkeit".

Dynamo, Jena oder FCM über die Klinge springen lassen

Ehemaliger Fußballspieler Ansgar Brinkmann Eintracht Frankfurt auf Tribüne Gestik
Auch Dynamos Kultspieler Ansgar Brinkmann unterstützt die Initiative Bildrechte: imago/Michael Weber

Die Verfasser werfen der DFL und dem DFB vor, "offenbar gedankenlos dazu bereit zu sein, die Ost-Vereine wie Jena, Magdeburg oder Dynamo Dresden über die Klinge springen zu lassen". Zweitligist Dresden musste aufgrund einiger positiver Coronatests zunächst in Quarantäne und dann ein besonders hartes Programm mit Spielen im Dreitagesrhythmus absolvieren. Der Abstieg in die 3. Liga ist nur noch äußerst theoretisch zu vermeiden.

Die Initiative stellt dazu die Frage, ob man in einem solchen Fall von "Fairness oder Chancengleichheit" sprechen könne. "Jeder Sportmediziner und jeder Trainer wird bestätigen, dass Leistungssport unter diesen Bedingungen nicht möglich ist", heißt es weiter. Den Abstieg auszusetzen, sei ein Bekenntnis zur Bedeutung des Ostfußballs. Mit Hilfe einer Online-Petition soll dem Anliegen Nachdruck verliehen werden. Hier geht es zur Petition:

Die 13 Unterzeichner:

  • Hans-Jürgen Dörner (Dynamo Dresden) Olympiasieger, 100 Länderspiele
  • Jürgen Sparwasser (1.FC Magdeburg), Europapokalsieger 49 Länderspiele
  • Peter Ducke (FC Carl Zeiss Jena), 68 Länderspiele
  • Reiner Ernst (BFC Dynamo), 56 Länderspiele
  • Klaus Sammer (Dynamo Dresden), 17 Länderspiele
  • Gerd Kische (Hansa Rostock) Olympiasieger, 63 Länderspiele
  • Ronald Kreer (1. FC Lokomotive Leipzig), 65 Länderspiele
  • Hans-Jürgen Kreische (Dynamo Dresden), 46 Länderspiele
  • Hartmut Schade (Dynamo Dresden) Olympiasieger, 31 Länderspiele
  • Gerd Weber (Dynamo Dresden Olympiasieger, 35 Länderspiele
  • Detlef Irrgang (Energie Cottbus)
  • Ansgar Brinkmann (Dynamo Dresden)
  • Dieter Krein (ehem. Präsident Energie Cottbus)

er leere Gästefanblock von SG Dynamo Dresden zeigt einen Banner mit der Aufschrift: Ihr habt gekämpft und gebissen. Am Ende vom Verband dezent beschissen. Unsere Werte stolz vertreten. Dynamo wird es immer geben. Kopf hoch, Jungs
Protest von Anhängern von Dynamo Dresden beim Zweitliga-Spiel am Sonntag (21.06.20) in Sandhausen. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Fans zweifeln an Reformbereitschaft

In die Veränderungsbereitschaft der Verbände haben die Fans derzeit kein großes Vertrauen: Manuel Gaber, Mitorganisator des Bündnisses "Unser Fußball", sagte dem "Kicker": "Wir sehen die Gefahr, dass es sich dabei um leere Worthülsen handelt." Zuvor hatten sich zahlreiche Fanszenen zu der Initiative zusammengeschlossen.

Darin fordern die Anhänger, dass bereits die Sommerpause genutzt wird, um einen Wertewandel in der Fußball-Bundesliga einzuleiten. "Da uns das Stadion als Bühne derzeit fehlt, wollen wir durch die Initiative deutlich machen, dass viele Fans geschlossen mit einer Stimme sprechen", sagte Gaber. Mehr als 1.100 Fanklubs haben sich "Unser Fußball" inzwischen angeschlossen.

Fan Protest im Borussia Parks Spruchband: Für Borussia. Gegen Geisterspiele
Protest gegen Geisterspiele in M'gladbach Bildrechte: Maik Hšlter/team2sportphoto

Gegen Investoren und die aktuelle Verteilung des TV-Gelds

Als Haupt-Kritikpunkte nannte Gaber die ungleiche Verteilung der TV-Gelder, der zunehmende Einfluss von Investoren und die verbesserungswürdige Vorbildfunktion des Fußballs in der Gesellschaft "im Hinblick auf Korruptionsbekämpfung und ökologische Verantwortung". Gaber fordert, dass die Fans bei den Reformgesprächen gehört werden. "Klar ist, dass es Beteiligungsmöglichkeiten für uns Fans geben muss", sagte der Betriebswirt aus Freiburg.

6. Juli, 22:10 Uhr, im MDR: "FAKT IST!" zum Ost-Fußball

Dynamo Dresden steigt aus Liga zwei ab. Jena aus Liga drei, dazu wird noch mindestens ein Verein des Quartetts Zwickau, Chemnitz, Halle und Magdeburg kaum ungeschoren aus dem Abstiegskampf der 3. Liga herauskommen. Das bedeutet: In der nächsten Saison werden so wenige mitteldeutsche Vereine wie lange nicht mehr im Profifußball vertreten sein. In den ersten beiden Ligen bleiben RB Leipzig und Erzgebirge Aue. Zudem gelang Union Berlin als Traditionsklub aus der ehemaligen DDR sensationell der Bundesliga-Klassenerhalt. Dennoch drängt sich die Frage auf: Woran liegt es, dass der Ost-Fußball so chronisch erfolglos daherkommt? Darüber diskutieren am 6. Juli die Kollegen von "FAKT IST!" aus Erfurt. Und wir wollen Ihre Meinung dazu wissen!

Schreiben Sie uns unter faktist@mdr.de. Stichwort "Ost-Fußball". Wir freuen uns auf Ihre Ansichten und Analysen.

Die Moderatoren Andreas Menzel (li) und Lars Sänger (re)
Die Moderatoren Andreas Menzel (li.) und Lars Sänger freuen sich auf Ihre Analysen. Bildrechte: MDR/Mathias Heerwagen

sid/dpa/red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! Aus Erfurt | 06. Juli 2020 | 22:10 Uhr

70 Kommentare

Voice vor 6 Tagen

Lieber mdr, wieviele verschiedene Accounts darf man hier eigentlich haben? Ich meinte in den Richtlinien gelesen zu haben, dass Mehrfachpostings unter verschiedenen Nicknamen "unerwünscht" wären.

Beste Grüße aus der Messestadt!!

Thommi Tulpe vor 6 Tagen

Was soll T. T. schon machen? Zunächst erst einmal seinem Club die Daumen drücken. Sieht ganz gut aus, dass man Dynamo in der kommenden Saison wieder mal trifft. Was sollte ich auch sonst machen? Ich bin keine Berühmtheit - nicht mal eine vergessene. Beim DFB kennt mich schon mal niemand. Zumindest würde ich aber nur Aktionen starten, welche wenigstens halbwegs Aussicht auf Erfolg haben. Das Getue der alten "Fußballgrößen" erinnert mich sehr an die Wende 1989/ 90, als nicht wenige DDR-Bürger in westdeutschen Anzeigen-Blättern um irgendwelche Geschenke (TV`s, abgewrackte Autos, Geld) bettelten. Die Aktion der "alten Herren" ist auch eher nur peinlich.

wollisachse vor 6 Tagen

Hallo ich frage mich was hier für Menschen schreiben und was für Kommentare, es sollte doch immer zum Thema sein und nicht das blöde Ost - West Thema, einfach auch mal die Meinung sachlich schreiben, man muss doch froh sein das hier beim MDR das noch möglich ist.
Manchmal habe ich das Gefühl das bestimmte Personen die hier schreiben nur provozieren

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