Symbolbild: Euroscheine, Trillerpfeife und Fußball liegt auf dem grünen Rasen.
Bildrechte: imago/Michael Weber

Fußball | Reform Reformvorschläge sorgen für Wirbel

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) plant Veränderungen im deutschen Profifußball und hat deswegen einen Vorschlag für eine Strukturreform an die Vereine der 1. und 2. Liga geschickt. Diese gehen nicht allen Vereinen weit genug, weswegen diese eigene Konzepte entwickeln und publik machen. Das von Union Berlin hat dabei für den meisten Wirbel gesorgt. MDR-Experte Lutz Lindemann schätzt die Situation ein, sieht einiges Positives, glaubt aber nicht an große Veränderungen.

Symbolbild: Euroscheine, Trillerpfeife und Fußball liegt auf dem grünen Rasen.
Bildrechte: imago/Michael Weber

"Mir gefällt erstmal, dass man sich generell wieder Gedanken über den Fußball macht, um den Kommerz ein kleines bisschen einzuschränken", so Lindemann zu den Vorschlägen von Union Berlin. In diesen stecke viel Positives, die Umsetzung aber sei bei einigen Punkten nicht machbar. Beispiel Einführung von Gehaltsobergrenzen: Diese seinen sinnvoll, um den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. "Der Normalbürger – also Leute, die jeden Tag arbeiten gehen, ihr Bestes geben und dann diese Unsummen lesen – kann das schon gar nicht fassen", erklärt der ehemalige Fußball-Lehrer. Dass die Einführung kommt, glaubt er nicht, weil die Top-Klubs Widerstand leisten werden: "Es wird weitergehen, bis es einen Knall gibt. Es lässt sich heutzutage niemand mehr regulieren."

Lindemann: "Verein gehört den Mitgliedern"

Lutz Lindemann auf der Tribüne des Erfurter Steigerwaldstadions
Lutz Lindemann auf der Tribüne des Erfurter Steigerwaldstadions (Archiv) Bildrechte: Karina Hessland-Wissel

Eine Eingliederung der 3. Liga unter das Dach der DFL hält Lindemann für wenig wahrscheinlich, weil er dort nicht an ein großes Interesse glaubt. Sollte es dennoch passieren, wäre dies "ein Desaster für den DFB." Um dieses abzuwenden, sollte der Deutsche Fußball-Bund bessere finanzielle Rahmenbedingungen für die Drittligisten schaffen. "Der DFB muss darum kämpfen, dass diese Liga ein Premiumprodukt unter seiner Obhut bleibt."

Beim heißdiskutierten Thema "50+1-Regel" ist Lindemann klar auf der Seite der Köpenicker. Die aktuelle Variante, dass der Verein die Gestaltungshoheit behält, findet er zu 100 Prozent richtig. "Den Mitgliedern, die die Vereine gegründet haben, jedes Jahr Beiträge zahlen und mit Herzblut dabei sind, gehört der Verein", so der MDR-Experte.

Gemischte Meinungen im deutschen Fußball

Mark Zimmermann, Trainer von Drittligist Carl Zeiss Jena, sah vor allem in der Aufstiegsregelung und der stufenlosen Ausschüttung der TV-Gelder positive Ansätze. Und auch FCC-Geschäftsführer Chris Förster äußerte sich: "Ich würde diese Reform in Teilen unterstützen. Drei Profiligen mit gleicher Anzahl an Mannschaften erscheint durchaus logisch, wenngleich nicht zwingend." Hannover-96-Manager Horst Heldt konnte dem Papier "den einen oder anderen guten Ansatz" abgewinnen, verwies jedoch auf die Verantwortung gegenüber den Anhängern: "Wichtig ist: Was gefällt den Fans? Wenn Fans sich nicht mit einer Idee identifizieren können, macht es überhaupt keinen Sinn."

Ralf Rangnick
Ralf Rangnick Bildrechte: Picture Point

RB-Leipzig-Coach Ralf Rangnick hält eine Obergrenze, wie sie in vielen amerikanischen Profiligen vorherrscht, als nicht "besonders wahrscheinlich". "Wenn man sich ansieht, was in Europa passiert und dazu im Vergleich in der Bundesliga, weiß ich nicht, ob wir gut beraten wären, wenn wir die ersten wären, die einen Salary Cap beschließen würden", betonte Rangnick: "Da würden sich die anderen vier Topligen in Europa ins Fäustchen lachen."

Aber es gab auch Kritik an der Vorschlägen: Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach, etwa nannte sie "kontraproduktiv" und setzte stattdessen auf gemeinsame Ideen und Lösungen. Auch in Bezug auf die Gehaltsobergrenzen hatte Eberl Bedenken: "Im Fall der Gehaltsobergrenze müssen wir uns fragen, ob wir in unserem Mikrokosmos Fußball eigene Gesetze einführen, die vor ordentlichen Gerichten vielleicht nicht standhalten."

Weitere Reaktionen von mitteldeutschen Vereinen sehen Sie am Samstag ab 16:30 Uhr bei "Sport im Osten".

Union sieht dringend benötigten notwendigen Kurswechsel

Union Berlin möchte mit seinem Positionspapier einen "Kurswechsel für den deutschen Profifußball" zur Diskussion stellen. Damit reagiert der Zweitligist auf einen von der DFL auf den Weg gebrachten Vorschlag für einen Strukturreform und will eigene Lösungsvorschläge vorstellen. Dazu benennen die Vereinsverantwortlichen zwei Thesen und liefern entsprechende Maßnahmen zur Erreichung der Ziele.

Dirk Zingler (Präsident Union Berlin)
Bildrechte: IMAGO

Unsere Position ist sehr deutlich: Wir halten einen Kurswechsel, der den stufenlosen Wettbewerb der Vereine in Deutschland fördert und die unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Interessengruppen im Fußball wertschätzt und berücksichtigt, für dringend notwendig.

Dirk Zingler, Präsident Union Berlin Positionspapier des 1. FC Union Berlin
Thesen und Maßnahmen des 1. FC Union Berlin
  These Maßnahmen
  Ein stufenloser nationaler Wettbewerb aller deutschen Profivereine erhält die Popularität des Fußballs und stärkt seine internationale Wettbewerbsfähigkeit. 1.) Organisation und Vermarktung aller drei Profiligen (Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga) unter dem Dach der DFL

2.) Aufstockung der drei Profiligen auf jeweils 20 Teilnehmer

3.) 2. Bundesliga / 3. Liga / Regionalligen: direkter Aufstieg aller Meister / Play-offs mehrerer Mannschaften um den Aufstieg bzw. Klassenerhalt

4.) Festlegung von Obergrenzen von Gehaltsetats und Begrenzung der Anzahl von Leihspielern pro Verein

5.) Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende, stufenlose Verteilung der Vermarktungserlöse

6.) Drastische Erhöhung der bisherigen Ausbildungsentschädigungen

7.) Professionalisierung des Schiedsrichterwesens und der Sportgerichtsbarkeit
  Viele verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Interessen tragen zur Faszination des Fußballs bei und verleihen ihm gesellschaftliche Relevanz. Teilhabe und Mitbestimmung aller Akteure im Fußball sichern die angemessene Wertschätzung und Berücksichtigung der verschiedenen Positionen 1.) Vertreter aller Interessengruppen in den Gremien der DFL

2.) Fokussierung auf das Stadionerlebnis

3.) Beibehaltung der 50+1 Regel

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MDR um 2 Fr 28.09.2018 14:00Uhr 02:28 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 20. Oktober 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 19:02 Uhr

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8 Kommentare

19.10.2018 15:07 Udo841 8

Die erste Frage der Abstimmung sollte so gelten. Alle Vereine unter einem Dach.
DIe Aufstiegsfrage ist zwar wichtig aber nicht so wichtig. Viel wichtiger wäre eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsentschädigung.
Weiterhin würde ich mir wünschen, daß in einer Liga die selben TV-Gelder gezahlt werden.

19.10.2018 14:26 matthias 7

Servus!
wichtig ist direkter Aufstieg aus den Regionalligen in die 3.Liga.Man sollte darüber nachdenken über 4 Regionalligen dadurch 4 Aufsteiger bzw. 4 Absteiger aus der 2.Liga ohne Anpassungen bei 20 Vereinen 1.und 2.Bundesliga.Unter dem Dach des DFL gibt es in allen 3 Fußballligen die gleichen Fernsehrechte und damit auch Gleichstellung der 3.Bundesliga mit 1.und 2.Bundesliga bei denselben Fernseheinnahmen.

18.10.2018 15:22 Jugendtrainer 6

Die wichtigsten Punkte kann man in der Umfrage gar nicht auswählen: Deckelung der Gehälter, gleiche TV-Gelder für alle und vor allem: Beibehaltung der 50+1-Regel!

Von daher ist die Umfrage nutzlos.

13.10.2018 13:13 G. 5

Wenn der internationale Fussball dadurch gerechter und spannender wird nehmen ich gerne das europäische Mittelmaß in Kauf. Das sind wir doch eh, ausgenommen die Bayern. Und international wird auch nur im westlichen Teil der Republik gespielt. Und ist nur durch Bezahlfernsehen verfügbar. Und das sollte boykottiert werden.

13.10.2018 06:41 Bernd 4

Also ich denke es bringt nichts hier Aversionen gegen Lindemann loszuwerden. Der Vorschlag der Union-Verantwortlichen sollte diskutiert werden. - Aufstockung der Bundesliga - nach kommen ein paar Tage Winter wird das terminlich eng und am 26.12. ins Stadion (wie England) wäre nicht meins. Gehaltobergrenze, da glaube ich kaum dass England da mitmacht. Die können es sich leisten heißt dann nach Deutschland kommt kein Spitzenspieler mehr. Stadionerlebnis ja klar das kann kein Fernsehen ersetzen, aber von Montagsspielen weg wie kommt die DFL aus den Verträgen raus? Und kommt man raus dann hätte man weniger Geld was man stufenlos verteilen Könnte - heißt die Schere zwischen Bundesliga und Premierleague würde größer. Ergo die Vorschläge von Union führten dazu dass es national interessanter wird (Union dank Aufstockung) doch mal aufsteigt, es eventuell die Stadien füllt. aber wir international im Mittelmaß versinken. Professionalisierung der Schiris sehe ich als guten Ansatz.

13.10.2018 05:50 raus 3

Lindemann raus!!!
So einer gehört nicht in die Medien!!!
Eine Schlafmütze durch und durch!!!
Unkompetent!!!
Überfordert!!!
Für den MDR einfach nur peinlich!!!

12.10.2018 19:52 einfach ein Fußballfan 2

mit Verlaub.......aber Herr Lindemann ist nicht in der Lage.......diesen öffentlichen rechtlichen Beitrag im MDR darzustellen--dazu braucht es keinen weiteren Komentar.

12.10.2018 17:57 FCC 1

Der Mann hat den FCC fast in den Ruin (Trainer und Spielerverträge) getrieben und spielt sich hier als Mister Fußball Experte auf. Der MDR merkt es aber auch nicht!