Fußball | 2. Bundesliga Situation "fast" aussichtslos - noch acht Endspiele für Erzgebirge Aue

Acht Spiele noch bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Bei Erzgebirge Aue haben die Planungen für die 3. Liga begonnen. Bis Mai soll der neue Trainer präsentiert werden. Und diesmal muss der Schuss sitzen.

Leonhardt und Dotchev (Erzgebirge Aue)
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Die Abschiedstour des FC Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga hat noch acht Spiele. Bei aktuell 19 Punkten, neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und der zweitschlechtesten Tordifferenz gehen nur die kühnsten Optimisten davon aus, dass die Veilchen den Kopf noch aus der Schlinge ziehen können.

Neuer Cheftrainer noch vor Saisonende

"Wir dürfen nicht aufgeben. Es sind noch acht Spiele zu absolvieren", erklärte Präsident Helge Leonhardt in der "Bild". Und versprach, in der kommenden Saison viele Dinge anders machen zu wollen. Dazu gehört auch, dass Pavel Dotchev den Platz auf der Trainerbank räumen wird, ein neuer Cheftrainer soll noch vor Saisonende für die nächste Spielzeit präsentiert werden. Der soll die "Spielphilosophie für die Zukunft vorgeben". Als Vorbild nannte Leonhardt den SC Freiburg mit Kultrainer Christian Streich. Die Fehler aus dem Vorjahr sollen unbedingt vermieden werden. Heißt auch: Der neue Coach wird kein No-Name sein, der in Aue seine erste Profistation erlebt.

In der Ära Leonhardt, der seit 2014 an der Spitze des Vereins steht, waren die Halbwertszeiten der Trainer bisher meist sehr überschaubar. Dass es mit etwas mehr Kontinuität besser geht, bewiesen u.a. Gerd Schädlich und Rico Schmitt und zwischen 2015 und 2017 auch Dotchev.

Die Tabellensituation

Mannschaft Spiele Punkte Tordifferenz
13. Fortuna Düsseldorf 27 32 - 1
14. Hannover 96 27 31 - 15
15. SV Sandhausen 27 30 - 14
16. SG Dynamo Dresden 27 28 - 10
17. FC Erzgebirge Aue 26 19 - 27
18. FC Ingolstadt 27 15 - 30

Auch die Kaderplanung wird für den FC Erzgebirge Aue nicht einfach. Zwar besitzen viele Leistungsträger noch einen Vertrag über die Saison hinaus. Allerdings gelten bei den meisten Ausstiegsklauseln im Falle eines Abstiegs. Wichtig für den Verein: Keeper und Ikone Martin Männel hat seinen Kontrakt unabhängig von der Liga um ein Jahr verlängert. Viele andere werden, so ist das im Profigeschäft, weiterziehen. Die große Frage wird sein: Können diese Abgänge einigermaßen adäquat ersetzt werden? Der Verein plan auch für die 3. Liga immerhin mit einem Etat von elf Millionen Euro. Allerdings würde Aue dort u.a. von Überbrückungshilfen aus dem Topf der 2. Liga von insgesamt 2,5 Millionen Euro profitieren. Der gilt aber nur für ein Jahr. Fehlschüsse könnte sich Aue also in der 3. Liga kaum erlauben. Dennoch, so Leonhardt, werde es auch "schmerzhafte Entscheidungen" geben müssen. Aue kann schlichtweg so manches Gehalt bei einem Abstieg nicht mehr zahlen.

Was spricht für die Rettung?

Ehrlich gesagt nicht viel. Klar ist: Die Mannschaft wird bis zum letzten Spieltag um die Chance kämpfen, wird alles reinwerfen. Einzig es mangelt an Offensivpower, Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor. Dazu kommen individuelle Fehler, die der Gegner eiskalt bestraft.  Da Aue aber noch gegen die Kellerkinder aus Ingolstadt, Dresden und Hannover spielt, bleibt eine kleine Restchance. Pavel Dotchev: "Wir werden noch Punkte holen, da bin ich mir sicher. Für was es reicht, weiß ich nicht."

Helge Leonhardt 2 min
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Was spricht gegen die Rettung?

Eigentlich alles. 24 erzielte Tore in 26 Spielen, 51 Gegentreffer und schmale 19 Punkte. Aue hat erst vier Siege eingefahren. Das 0:3 gegen den Karlsruher SC war symptomatisch für die Auer Saison. "Durch das erste Tor brach die Mannschaft auseinander. Wenn wir nicht in Führung gehen, dann glaubt die Mannschaft nach einem negativen Erlebnis nicht mehr an sich. Wir müssen unser Gesicht bewahren, seriös spielen", sagte Pavel Dotchev. Klang schon ein wenig desillusioniert.

Sport

Pavel Dotchev, Trainer Erzgebirge Aue 6 min
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Das Schlussprogramm des FC Erzgebirge Aue:

1. April: FC Ingolstadt – Erzgebirge Aue
5. April: Hamburger SV – Erzgebirge Aue
9. April: Erzgebirge Aue – Hannover 96
17. April: 1. FC Heidenheim – Erzgebirge Aue
24. April (vorläufig): Erzgebirge Aue – Hansa Rostock
30. April (vorläufig): SV Darmstadt 98 – Erzgebirge Aue
8. Mai (vorläufig): Erzgebirge Aue - SV Werder Bremen
15. Mai: SG Dynamo Dresden – Erzgebirge Aue
   

Ein Fazit

Wunder gibt es ja immer mal wieder, aber dieses hier wird nicht passieren. Was man Aue wünschen muss: Kluge Personalentscheidungen, die über einen längeren Zeitpunkt greifen. Einen Trainer, der die 3. Liga kennt und einen entsprechend kampfstarken Kader zusammenstellt. Rückbesinnung auf die alten Tugenden. Die Gegner müssen wieder ungern nach Aue fahren. Ganz wichtig: Alles muss passen, wie nach dem letzten Abstieg 2015, dem der sofortige Wiederaufstieg folgte.

rei

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Dominik Reimann
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Tim Walter
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 26. März 2022 | 14:00 Uhr

8 Kommentare

BSG der Echte vor 35 Wochen

Falsch.Wenn es optimal läuft, kommen wir auf 32 Punkte. Ein Sieg am letzten inbegriffen und Pflicht. Doch selbst das wird nicht reichen, da Dünamo auch nach einer Niederlage gegen uns den Relegationsplatz schaffen wird.

Maza vor 35 Wochen

Wünsche Aue und natürlich Dynamo den Klassenerhalt!! Wird schwer genug!
Aber auf welcher Grundlage erhält der Absteiger der 2. Liga
" Überbrückungshilfe " in Höhe von 2,5 Millionen Euro? Ist doch gleich wieder ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Drittligisten.

Barrackler vor 35 Wochen

"Die Fehler aus dem Vorjahr sollen unbedingt vermieden werden" und im nächsten Atemzug ankündigen, der neue Trainer möge die künftige Spielphilosophie vorgeben.
Nun, hoffen wir das Beste!
Wenn HL schon auf sportliche Vorbilder verweist, dann sollte er wissen, dass andernorts das Personal nach der Philosophie ausgewählt wird, die sich der Verein auf die Fahnen schreibt. Für derlei Hexenwerk bedarf es allerdings sportlicher Kompetenz in den Gremien und der Bereitschaft eines neutralen Aufsichtsrates zu unangenehmen Fragen und 'blasphemischen' Personalentscheidungen im Rahmen seiner Satzungspflichten.

Gespannt darf man zudem auf die künftige Rolle eines PD sein. Hier wird sich zeigen, ob der Zampano im bezahlten Ehrenamt machen lässt oder weiter permanent den Egomanen mimt.

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