Fußball | 2. Bundesliga Aue: Dotchev wird im "Klassenkampf" zum Multifunktionär

An seinem ersten offiziellen Arbeitstag beim FC Erzgebirge Aue hat Rückkehrer Pavel Dotchev seine Aufgaben beim Vorletzten der 2. Fußball-Bundesliga skizziert. Lob gab es von seinen beiden neuen Chefs Hensel & Leonhardt.

Spitzentreffen bei Erzgebirge Aue: Teamchef Marc Hensel, Präsident Helge Leonhardt und Sportdirektor/Interimstrainer Pavel Dotchev (v.l.n.r.)
Gipfel beim Präsidenten (v. li.): Teamchef Marc Hensel, Präsident Helge Leonhardt und Sportdirektor Pavel Dotchev. Bildrechte: MDR/Jörg Röhrig

Rückkehrer Pavel Dotchev wird beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten FC Erzgebirge Aue zu einer Art Multifunktionär. Das sagte der 56-Jährige im "Sport im Osten"-Interview. Dem Ziel Klassenerhalt werde dabei zunächst einmal alles untergeordnet.

Schon 2019 wollte Leonhardt Dotchev zurückholen

"Es sind schon sehr, sehr viele Aufgaben, die ich abdecken muss", so Dotchev, der den FC Erzgebirge 2016 fast aus dem Nichts in die 2. Liga geführt hatte, aber dann Ende Februar 2017 nach sportlichem Misserfolg hinwarf. Seitdem war der Kontakt nie abgerissen, schon vor zweieinhalb Jahren buhlte Aue-Boss Helge Leonhardt um Dotchev, damals klappte es nicht.

"Krisenmanager" und "Bindeglied"

Nach der Entlassung bei Drittligist MSV Duisburg und den sportlichen Problemen beim FCE ist ist die Zeit also reif: "Ich habe Aue immer verfolgt, der Verein ist mir ans Herz gewachsen, ich habe hier eine sehr schöne Zeit gehabt. Nun steckt die Mannschaft in einer schwierigen Situation, ich bin froh, dass ich helfen kann." Dotchev kommt offiziell als sportlicher Leiter und Cheftrainer. Inoffiziell sieht er sich zunächst vor allem als "Krisenmanager" insbesondere für unzufriedene Spieler und "Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand".

Pavel Dotchev FC Erzgebirge Aue 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pavel Dotchev FC Erzgebirge Aue 7 min
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Vor allem aber soll er Teamchef Marc Hensel unterstützen: "Er ist ein Powermensch, der sehr viel Energie auf den Platz bringt. Ich kann ihm mit Erfahrung helfen. Wir werden uns ergänzen und ich werde ihn unterstützen, wenn ich gefragt werde." Die Rollenverteilung ist klar: Hensel (35), dem noch die Fußballlehrer-Lizenz fehlt, ist der Chef.

Leonhardt: Dotchev hat viel Erfahrung

Aues Präsident Helge Leonhardt sagt: "Pavel erkennt an, dass der Teamchef Marc Hensel ist. Die Arbeitsweise haben wir festgelegt." Er will den sportlichen Bereich mit der Verpflichtung von Dotchev "breiter aufstellen, es war notwendig, dass wir den hauptamtlichen Bereich verstärken". Am gebürtigen Bulgaren schätzt er "die sportliche Kompetenz, er hat vieles erlebt, sowohl als Mensch als auch als Fußballer, als auch als Trainer."

Es brauche jemand, der von früh bis abends da ist. Das könne er, Leonhardt ist Unternehmer, einfach nicht leisten. Kein anderer Zweitligist verzichtet auf einen Sportdirektor oder einen sportlichen Leiter - nur Aue bislang. Wichtig ist Leonhardt: "Wir brauchen kompetente Loyalität. Wir brauchen keine riesengroße Apparate."

Helge Leonhardt FC Erzgebirge Aue 4 min
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Helge Leonhardt FC Erzgebirge Aue 4 min
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Hensel: "Die Chemie stimmt"

Und so gab es den ersten "Führungsgipfel", wie es der Klub selbst nannte, dann auch am Montag in einem kleinen, aber stylischen "Büro Florida" von Leonhardt: Mit ihm, Dotchev und Teamchef Hensel. Der sagte: "Dadurch, dass Pavel den Verein auf dem Effeff kennt, ist das für mich eine sehr, sehr angenehme Situation, auch von seinem Erfahrungsschatz zu partizipieren." Mit der Hypothek des schlechten Starts habe man keine Zeit für ewige Einarbeitungszeit. Der erste Kontakt mit Dotchev, den er bisher nur flüchtig kannte, habe gepasst: "Die Chemie stimmt, es hat super gefunkt."

Marc Hensel FC Erzgebirge Aue 4 min
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Marc Hensel FC Erzgebirge Aue 4 min
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Dotchev: Notfalls über die Relegation

Sportlich hält Dotchev den Klassenerhalt für machbar: "Absolut. Bei einigen Spielen haben nur die Ergebnisse nicht gestimmt. Ob das der HSV war, Regensburg oder zuletzt in Hannover. Die Mannschaft ist konkurrenzfähig." Die Meisterschaft sei wie ein Marathon: Da könne man nach einem schlechten Start auf noch aufholen. Dabei schaue man auf die unmittelbare Konkurrenz, drei, vier Teams, vor einem. Und: " Wenn es sein muss, dann auch über die Relegation."

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cke

Videos und Audios zur 2. Fußball-Bundesliga

Ralf Becker
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Dirk Schuster (Trainer 1. FC Kaiserslautern)
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Guerino Capretti (Trainer SG Dynamo Dresden)
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1 min

Reine Nervensache: Dynamo Dresdens Trainer Guerino Capretti sieht in den beiden Relegationspartien gegen den 1. FC Kaiserslautern sein Team vor allem auch mental "in der Pflicht".

Mi 18.05.2022 14:41Uhr 01:29 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-guerino-capretti-vor-kaiserslautern-gegen-dynamo-dresden-102.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 01. November 2021 | 19:30 Uhr

18 Kommentare

Schachter vor 28 Wochen

Sorry Gernot, das stimmt so nicht!
Nach der überstandenen Relegation haben wir uns Jahr für Jahr stabilisiert und den Klassenerhalt relativ früh klargemacht (unter Meyer und auch Schuster).
Ob Pavel eine "Marionette" oder ein Strohmann ist, wage ich zu bezweifeln. Er bringt zumindest Kompetenz auf den SD-Posten. Das kann natürlich auch schief gehen, muss es aber nicht.
Das Problem ist bzw. war ein "neues System" von dem sich Leo hat blenden lassen und nichts anderes.
Wir sollten/wollten "attraktiveren" Fußball spielen und es wurde völlig verkannt, dass es dazu auch die entsprechenden Spieler bedurfte. Gute Leute für wenig Geld ist halt schwer zu bekommen.
Deshalb: Back to the roots!
Glück auf!

Bonus vor 28 Wochen

Es muß doch möglich sein, dass man diesen Scharlatan, wie du ihn nennst, befragt und seine Aussage veröffentlicht. Ich glaube aber, dass das weder der Verein, noch Fans wie du wünschen.

Gernot vor 28 Wochen

Sorry Aue, ihr kam bei mir immer sympathisch rüber und obwohl ich blau/weiß bin, habe ich mich über eure Erfolge gefreut.
Leider habt ihr, hauptsächlich der Leo., die Entwicklung im Profisport etwas verpennt. Was 16 Jahre erfolgreich war..... ehrlich, es geht doch schon 2 bis 3 Jahre leicht abwärts...... reicht in den 20igern des 21 Jahrhunderts nicht mehr. Euer Boss will es aber nicht wahr haben - ein Oligarch mit Interesse für Fußball- kann keinen Proficlub mehr allmächtig anführen. Dafür ist die ganze Sache zu kompliziert und vielfältig geworden. Es bedarf ein starkes Team, welches in allen Belangen nicht gut, sondern Spitze ist. Spitzenkräfte muss man aber auch agieren lassen und Erfolge teilen. Und ,keine Strohmänner oder Marionette installieren. Etwas anderes ist Dotchev nicht. Kohle mitnehmen und nach ein bis zwei Jahren weiterziehen.
Ich meine ,ihr müsst gewaltig aufpassen, in den nächsten Jahren im Profifußball zu überstehen. Auch wenn ihr wirklich etwas Besonderes seid.

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