Fußball | 2. Bundesliga Dynamo Dresden: Ex-Kapitän Hartmann glaubt an "50:50-Geschichte"

Vor der Relegation

Dynamo Dresden liegt vor den beiden wichtigsten Saisonspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern am Boden. Selbst Trainer Guerino Capretti äußerte nach dem desolaten Auftritt im Derby gegen Erzgebirge Aue Zweifel am Klassenerhalt. Ex-Dynamo-Kapitän Marco Hartmann sprach im SpiO-Frühstück über eine Saison zum Vergessen und Druck, den beide spüren.

Westkurve mit Lautern Fans, 1.FC Kaiserslautern vs TSV Havelse, Fussball, 3. Bundesliga, 12.03.2022 1 min
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17 Spiele in Folge ohne Sieg, noch kein Dreier unter Trainer Guerino Capretti und zuletzt ein emotionsloser Auftritt im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue: Dynamo Dresden steckt tief im Schlamassel und dennoch könnte die Saison noch versöhnlich enden. Geht die SGD als Sieger aus den beiden Relegationsspielen am Freitag (20:30 Uhr in der Pfalz) und am Dienstag (24. Mai/20:30 Uhr vor heimischer Kulisse) hervor, interessiert die sieglose Halbserie keinen mehr, sagt Marco Hartmann im Gespräch mit "Sport im Osten".

Hartmann war viele Jahre der Kapitän der SGD, hat seine Karriere beendet und wird Lehrer. Als Referent am Sportgymnasium in Dresden unterrichtet er auch viele Dynamo-Anhänger. Denen "den Klassenerhalt versprechen" könne er nicht, sagte Hartmann: "Dazu bin ich viel zu rational. Ich sehe es als 50:50-Geschichte". Aber: Kaiserslautern habe genauso viel Druck. "Die haben so viel Geld investiert, um direkt aufzusteigen. Sie wollten den Umweg Relegation nicht", ist Hartmann überzeugt.

Hartmann: "Der Rucksack wird immer schwerer"

Auch wenn er mit seinen früheren Teamkollegen nur noch flüchtig in Kontakt steht, hat er das Geschehen und die "Saison zum Vergessen" intensiv miterlebt. An eine derart schlechte Rückrunde konnte auch er sich nicht erinnern. Dabei war der Defensivspezialist in der kurzen Weihnachtspause vom Klassenerhalt überzeugt: "Ich war sicher, dass sie nicht mehr absteigen werden."

Doch seitdem hat Dynamo kein Spiel gewonnen. "Der Kopf ist gehemmt. Die Jungs schleppen einen riesigen Rucksack mit sich, der gefühlt von Woche zu Woche schwerer wird", so Hartmann, der das Gefühl kenne. Die Mannschaft müsse versuchen, die bisherige Saison aus den Köpfen zu bekommen. "Wenn du die Relegation meistert und die Klasse hältst, interessiert das keinen Menschen mehr."

Spielidee passte zu Verl, aber nicht zu Dynamo

Doch dafür braucht es mindestens einen Sieg. Es wäre der erste unter Capretti. Der Trainerwechsel hat sechs magere Punkte gebracht. Mehr nicht. Dynamo muss sich ankreiden lassen, dass das Experiment mit einem unerfahrenen Zweitliga-Trainer schief gegangen ist. Unabhängig vom Ausgang der Relegation. Auch Hartmann äußerte sich kritisch über dessen Spielidee, die er in Verl umsetzen konnte, die aber nicht zu Dynamo passe. "Er hat mit Verl sehr mutigen Fußball spielen lassen. Das funktioniert in Dresden und im Abstiegskampf nicht."

Ex-Dynamo Kapitän Marco Hartmann 1 min
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Capretti: "So haben wir keine Chance"

Capretti wirkte als Trainer nicht nur einmal ratlos, wurde nach dem 0:1 gegen Aue aber zumindest deutlich: "So dürfen wir in Kaiserslautern nicht auftreten, dann haben keine Chance", sagte er "Sport im Osten". Er brauche Jungs auf dem Platz, die wissen, "worum es geht. Das muss ich von allen einfordern, gerade von den erfahrenen Spielern. Die Dinge müssen jetzt kommen", so der Coach.

Die Chance, mit einem Derbysieg Selbstvertrauen zu tanken, hat Dynamo verpasst. Wird auch die Chance liegen gelassen, die Saison mit einer erfolgreichen Relegation gerade zu rücken, wären die Auswirkungen gravierender. Doch wie sagt es Lehrer Hartmann doch so schön: Zeugnisse gibt es erst am Schluss. Wenn dann der Stempel "versetzt" auf den Giftzetteln klebt, fragt eine Woche später keiner mehr, nach dem miserablen Schul-(Spiel)-Jahr.

Sanny Stephan

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Christian Titz, Trainer 1. FC Magdeburg
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Aufstellung der Mannschaft
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Mannschaft bei der Besprechung
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Der 1. FC Magdeburg kann sein Comeback in der 2. Fußball-Bundesliga in der heimischen Arena feiern. Zum Saisonauftakt geht es gegen Fortuna Düsseldorf.

MDR aktuell 17:45 Uhr Fr 17.06.2022 17:45Uhr 01:21 min

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Dieses Thema im Programm: MDR+ | Sport im Osten | 16. Mai 2022 | 09:00 Uhr

43 Kommentare

Dynamokralle vor 6 Wochen

Danke für‘s Feedback. Ob Brunnen oder Butterfass, wenn man drin ist, hilft nur Strampeln oder man gibt sich auf. Ich stimme Ihren Ausführungen zu, aber diese Zustände sind doch inzwischen gut be- bzw. erkannt. Mein Ansatz war ein anderer, nämlich von irgendwoher etwas Positives zu nehmen und in die Köpfe der Spieler zu pflanzen ( und dazu kann der Verweis auf die jeweils knappen Resultate mMn dienen). Ist nicht meine Aufgabe, aber nur Schimpfen und penetrant die gemachten Fehler wiederholen, finde ich auch nicht gerade hilfreich. Wie schon mal geschrieben, ich hoffe, es gibt im Umfeld der Mannschaft jemanden mit dem nötigen Gespür und Geschick, die Spieler entsprechend der Situation einzustellen und sattelfest zu machen. Dazu noch die Hoffnung, dass alle gesund und fit sind, es gerecht zugeht, davor, während und danach friedlich bleibt und das ganze (von einigen Medien wieder hochgekochte) Drumherum ausgeblendet werden kann. Dann kann‘s losgehen!

Vollstrecker vor 6 Wochen

Genau, wenn es geklappt hätte, dann würden Spiele mit einem Tor gewonnen werden. Oberes Drittel und wahrscheinlich Aufstiegschancen. So schnellebig ist das Fußballgeschäft.
Es ist aber nicht das erste Mal, daß Dynamo in eine Spannungssituation kommt. Letzte Saison war am Schluß der Aufstieg in Gefahr. Der Trainer wird gefeuert! Puh!
Diese Saison ... Abstiegsgefahr... der Trainer wird gefeuert. Zeichen setzen! Impuls!
Wir als Fans tragen da die Mitschuld, oder?
Meckern? Wie ist die Situation? Der Verein weiß nicht, ob er für Dritte oder Zweite Liga planen muß. Die Vorbereitung wird kurz sein. Konkurrenten sind schon wesentlich weiter in den Planungen. Wie Sie es wenden, Fakt ist, Dynamo geht mit einem riesigen Wettbewerbsnachteil in die neue Saison. Shit!
Verantwortlich? Der sportliche Geschäftsführer.
Für mich ist die Relegation vollkommen irrelevant. Das Kind ist schon jetzt im Brunnen. Schreien tun nun viele.
Beckers Job war: Brunnenloch abdecken. Hat er nicht gemacht.

Ostfussballfan73 vor 6 Wochen

Natürlich kann jeder meckern wie er will und ich hoffe, dass sich die GF nicht beeinflussen lässt. Aber mich würde schon mal interessieren, wer für Sie ein geeigneter Trainer wäre. Capretti ist es auch meiner Meinung nach nicht, aber wer würde denn passen?

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