Fußball | 2. Bundesliga Bock von Aue-Ikone Männel entscheidet Sachsenderby

17. Spieltag

Wie bitter für Martin Männel und Erzgebirge Aue: Ein schlimmer Patzer des Rekordspielers hat das Sachsenderby zugunsten von Dynamo Dresden entschieden. Es war das leiseste Derby aller Zeiten.

Jörg Röhrig spricht in ein Mikrofon. 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dynamo Dresden hat das prestigeträchtige Sachsenderby in der 2. Fußball-Bundesliga am Sonntag (12.12.2021) beim FC Erzgebirge Aue mit 1:0 gewonnen. Ransford Königsdörffer erzielte im leeren Erzgebirgsstadion das Tor des Tages und profitierte dabei von einem schlimmen Fehler von Martin Männel. Während Aue nach der dritten Niederlage in Folge tief im Keller bleibt, befreit sich Dresden und kämpft sich auf den 11. Tabellenplatz vor.

Aue: Zwei Sachsen und eine Dreierkette

FCE-Teamchef Marc Hensel überraschte schon vor dem Spiel und begann mit zwei waschechten Sachsen in der Startelf. Erik Majetschak (aus Leipzig) und Tom Baumgart (aus Chemnitz) rückten für Sören Gonther (Corona-Quarantäne) und Omar Sijaric in die Anfangself. Dynamo begann im Vergleich zum 3:1-Sieg gegen Karlsruhe nur mit einer Veränderung: Luca Herrmann begann für Julius Kade.

Die personellen Wechsel waren aber nicht der einzige Überraschungseffekt der Gastgeber. Hensel setzte erstmals auf eine Dreierkette und stellte den Dynamo-Angriff damit vor Probleme. Top-Torschütze und Ex-Auer Christoph Daferner fand in der ersten Halbzeit quasi nicht statt. Und auch sonst ließ Aue mit Ausnahme von einem Distanzschuss von Yannick Stark nichts gefährliches zu. So spielten die Schwarz-Gelben zwar den feineren Ball, gefährlicher war aber Aue.

Nazarov - ein Unruheherd

Dimitrij Nazarov (10, Aue v.l.) und Torwart Kevin Broll (1, Dresden)
Bildrechte: Picture Point

Schon nach wenigen Minuten hatte Dimitrij Nazarov das 1:0 auf dem Fuß, scheiterte aber nach einer feinen Pass-Stafette an Kevin Broll im Tor der Dynamos. Die zweite Großchance im Spiel versiebte Baumgart. Vom dribbelstarken Nicolas Kühn traumhaft in Szene gesetzt, schoss er aus zehn Metern kläglich am Tor vorbei (21.). Viel mehr Alarm herrschte in dem fairen Sachsenderby vor den Toren aber nicht. Dafür hielten sich beide Teams zu sehr an das taktische Konzept und waren darauf bedacht, keine Fehler zu machen.

Königsdörffer nutzt Männel-Geschenk

Sicherheit statt Risiko hieß es auch nach der Pause, aus der Aue besser herauskam, aber zwei Konterchancen kläglich liegen ließ. Dynamo hatte Mühe, kam nicht mehr zu Chancen. Ein Tor für Schwarz-Gelb lag wahrlich nicht in der Luft, fiel aber, weil ausgerechnet "Mister Aue" - Martin Männel ein Bock passierte. Der Keeper passte direkt in den Lauf von Ransford Königsdörffer, der die Einladung abnahm und allein vor Männel aus spitzem Winkel zur Führung traf. Königsdörffer jubelte über seinen dritten Treffer innerhalb einer Woche. Schon gegen den KSC hatte er doppelt getroffen.

Martin Maennel (Torwart, FC Erzgebirge Aue, v.l.) und Dirk Carlson (FC Erzgebirge Aue) sind frustriert.
Martin Männel und Dirk Carlson frustriert am Boden. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Mit dem Gegentreffer war das Auer Konzept über den Haufen geworfen worden. Allein auf lange Bälle und Konter zu setzen, funktionierte nun nicht mehr. Dynamo beschränkte sich auf das Verwalten und hegte keinerlei Ambitionen auf das zweite Tor. So blieb das Spiel bis zum letzten Atemzug spannend und mit noch einem großen Aufreger. Nach einem Kühn-Schuss blockte Dynamos Michael Sollbauer den Ball mit dem Arm. Schiedsrichter Felix Brych (München) entschied auf Weiterspielen, auch aus Köln gab es kein Signal. Verdient wäre ein Remis, doch darum geht es im Fußball nicht - auch nicht im Sachsenderby.

Stimmen zum Sachsenduell:

Pavel Dotchev (Aue): "Das Spiel war sehr intensiv. Wir haben sehr gut angefangen und hatten in den ersten 20 Minuten einige gute Chancen. Nach den Umstellungen wurde Dresden dann besser und hat druckvoller gespielt. Dresden hat uns nur zum Ende der ersten Halbzeit Probleme bereitet, viele Torchancen sind aber nicht herausgesprungen. Auch in der zweiten Halbzeit hatten wir die besseren Chancen. Der individuelle Fehler hat das Spiel entschieden. Das tut mir leid für die Mannschaft. Der Fehler hat nichts mit den Platzverhältnissen zu tun. Wir müssen im letzten Drittel zielstrebiger werden. Das ist das einzige, was ich der Mannschaft vorwerfen kann."

Alexander Schmidt (Dresden): "Wir haben ein rassiges Derby gesehen. Vielleicht haben wir uns alle mehr Spielkultur gewünscht, aber Derbys sind oft etwas zerfahren. Beide Mannschaften haben gemerkt, dass viel auf dem Spiel steht. Uns hat es überrascht, dass Aue mit einer anderen Grundformation gespielt hat, darauf mussten wir uns erst einstellen. Das hat ein bisschen gedauert. Mit zunehmender Spieldauer haben wir in der ersten Halbzeit etwas mehr Kontrolle bekommen. Mir war es aber zu wild und zu offen. Es waren einige brenzlige Situationen für uns dabei. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Struktur gegen den Ball gehabt. Aue hat uns alles abverlangt und war der erwartet schwere Gegner. Wir haben durch Königsdörffer den entscheidenden Punch gesetzt und sind sehr erleichtert."

Mann 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Marc Hensel, Chefcoach FC Erzgebirge Aue, im Interview. 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sanny Stephan

Videos und Audios zur 2. Fußball-Bundesliga

Christian Titz, Trainer 1. FC Magdeburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufstellung der Mannschaft
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mannschaft bei der Besprechung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Der 1. FC Magdeburg kann sein Comeback in der 2. Fußball-Bundesliga in der heimischen Arena feiern. Zum Saisonauftakt geht es gegen Fortuna Düsseldorf.

MDR aktuell 17:45 Uhr Fr 17.06.2022 17:45Uhr 01:21 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Alle anzeigen (182)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 12. Dezember 2021 | 15:25 Uhr

127 Kommentare

FCE vor 28 Wochen

Bei der Szene gibt es keine zwei Meinungen. Da muss, nicht kann, es Elfmeter geben . Wenn das kein Handspiel ist , dann gibt es kein Handspiel mehr ! Wer geht denn schon absichtlich mit der Hand im Strafraum zum Ball ? Insofern kann ich der Argumentation von Herrn Brych nur schwer folgen ! Und wenn man dagegen den Hummelselfmeter letzte Woche sieht …. Da lache ich mich ja kaputt . Der wird geschoben und fällt mit dem Arm an den Ball . So ist die Handbewertung reine Willkür und macht keinen Sinn und verzerrt den Wettbewerb! Und wie Brych zum Weltschiedsrichter wird , erschließt sich mir nicht . Er hat immer wieder katastrophale Fehlentscheidungen drin , Siehe WM 2018 und EM 2021. An Denis Aytekin oder Manuel Gräfe kommt er bei weitem nicht ran. ……da fällt mir noch das Phantom Tor von Hoffenheim -Leverkusen ein , glaube 2014 . Das war auch Herr Dr. Brych nur mal so .
⚒️Glück Auf ⚒️

FCE vor 28 Wochen

1. klarer Elfmeter
2. wir jammern nicht, sondern kommunizieren unsere Meinung
3. die FIFA wird schon wissen wieso dieser Schiri damals zur WM nicht pfeifen durfte

Wenn jemand jammert, dann die Elbtalgemeinde - und zwar nach dem Abstieg vor 2 Jahren - da wollten einige ja sogar den DFB wegen Wettbewerbsverzerrung verklagen.........jaja, lang ist's her.

Die nächste "Wettbewerbsverzerrung" bei Dynamo kommt bestimmt, dann nehmt Eure Kommentare und ersetzt AUE durch Dynamo...

Alex Miamorsch vor 28 Wochen

Alles gut Harald, da hatten Sie wohl 3-4 Lühlein zu viel nach diesem so herrlich dreckschem Sieg. Aue hatte die Chancen und Dynamo machte das Tor. Da kann man ruhig mal ein paar Gläschen heben.
Die Ingos stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen eigentlich gewinnen, wollen sie in der Rückrunde überhaupt noch eine Chance haben. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich die 40 voll zu machen, was danach kommt, ist Zugabe. 1-2 Verstärkungen im Winter werden kommen und P. Weihrauch bekommt die Vorbereitung und die Testspiele, um wieder 100% fit zu werden und Spielpraxis zu sammeln. Er wird eine Bereicherung für unsere, sagen wir mal, schlecht besetzte technische Zentrale.
Bleiben Sie gesund Harald!

Dynasmische Grüsse
Muzzi

Aktuelle Meldungen aus der 2. Bundesliga