Fußball | 2. Bundesliga Stößt Erzgebirge Aue zum Saisonabschluss den Auswärtsbock um?

34. Spieltag

Der FC Erzgebirge Aue hat zum Saisonabschluss den Auswärtsauftritt beim SV Jahn Regensburg vor sich (So., 15:30 Uhr im Liveticker in der SpiO-App und auf (sport-im-osten.de)). Durchaus ein Duell auf Augenhöhe, denn beide Mannschaften trennt nur ein winziges Pünktchen in der Tabelle. Für etwas Magengrummeln dürfte jedoch die miserable Bilanz der "Veilchen" in der Fremde sorgen.

Dirk Schuster
Bildrechte: Poolfoto/PICTURE POINT/Sven Sonntag

Elf lange Monate

Wenn Aue am Sonntag (28. Juni) in Regensburg antritt, dann wartet der FCE auf den Tag genau elf Monate lang auf einen Auswärtssieg. Am 28. Juli 2019 hatten die Veilchen zum Auftakt der laufenden Saison mit 2:0 in Fürth gewonnen. Seitdem gab es in der Liga keinen Dreier mehr auf fremdem Rasen. Schließt sich jetzt der Kreis mit einem Erfolg am letzten Spieltag? Aue-Coach Dirk Schuster gab sich diesbezüglich kämpferisch auf der Pressekonferenz: "Wir werden alles daran setzen, diese beschissene Auswärtsbilanz noch ein bisschen in die positive Richtung zu drehen. Uns ärgert und nervt es, dass wir in fremden Stadien nicht in der Lage waren, die teilweise guten Leistungen in Zählbares umzumünzen".

Dimitrij Nazarov jubelt mit Jan Hochscheidt
Ein Bild mit Seltenheitswert. Vor genau elf Monaten feierten Dimitrij Nazarov, Jan Hochscheidt & Co. zuletzt einen Auswärtserfolg. Bildrechte: Picture Point

Aktuell stellt der Schacht-Klub das schlechteste Auswärtsteam der Liga (1/5/10, 12:29 Tore, acht von 48 möglichen Punkten), könnte die Rote Laterne aber noch an den FC St. Pauli weiterreichen, der eine ähnlich desaströse Bilanz in der Ferne hat (1/6/9, 14:31 Tore, neun Punkte) und parallel beim SV Wehen Wiesbaden antritt.

Nummer drei im Osten

Vereinspräsident Helge Leonhardt (Erzgebirge Aue).
Aue-Präsident Helge Leonhardt kann stolz auf sein Team sein. Die Veilchen haben sich im Osten als Nummer drei festgespielt. Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Dennoch ist diese Saison für die Sachsen ein großer Erfolg. Vor allem im heimischen Stadion zeigte das Team von Dirk Schuster wahre Stärke und tütete letztes Wochenende den elften Sieg ein. Als Tabellenneunter können die "Veilchen" für die fünfte Zweitliga-Saison in Folge planen. Da Dynamo Dresden als Absteiger so gut wie feststeht, wären die Auer nach jetzigem Stand in der nächsten Spielzeit der einzige Ost-Klub im Bundesliga-Unterhaus - außer Hansa Rostock gelingt noch der Aufstieg aus der 3. Liga.

Präsident Helge Leonhardt fühlt sich, wie er selbst sagt, als letzter Mohikaner des Ostens: "So wie es aussieht, gibt es von Zinnowitz bis Oberwiesenthal keinen anderen Zweitligisten außer uns. Wir halten die Fahne hoch." Und weiter: "Dass wir seit dem Wiederaufstieg 2016 in die fünfte Zweitliga-Saison gehen, ist wahnsinn, - wenn man bedenkt, dass Ost-Klubs wie Halle, Magdeburg, Chemnitz und Zwickau darum kämpfen, nicht in die 4. Liga abzusteigen."

Mersad Selimbegovic im Fokus

Mersad Selimbegovic, Trainer von SSV Jahn Regensburg am Spielfeldrand.
Ein Mann mit vielen Talenten. Nicht nur mit den Bällen klappts, auch mit seinem Team läufts für Jahn-Coach Mersad Selimbegovic. Bildrechte: IMAGO

Noch vor der Saison hielten viele Experten den SSV Jahn Regensburg aus der Oberpfalz für den Abstiegskandidaten Nummer eins. Pustekuchen, denn das Team von Mersad Selimbegovic zeigte sich vor allem nach der Corona-Pause als sehr unangenehmer Gegner und musste in den letzten acht Partien nur eine Niederlage einstecken. Das liegt vor allem am 38-jährigen Fußballlehrer, der nach dem Abgang von Achim Beierlorzer vom Co- zum Cheftrainer aufstieg.

Trotz schmerzlichen Abgängen (u.a. Sargis Adamyan, Hamadi Al Ghaddioui und Philipp Pentke) schaffte es Selimbegovic, erneut ein Team zu bilden, das auch nach Rückschlägen (wie bspw. dem 1:4 gegen Heidenheim) wieder aufsteht. "Wir lassen uns von solchen Sachen einfach nicht unterkriegen und kämpfen weiter", beschrieb der gebürtige Bosnier die Jahn-Mentalität passend.

Aue gewann das Hinspiel knapp

Sšren Gonther (26, Aue) trifft zum 1:0 und jubelt mit  Louis Samson (13, Aue).
Sören Gonther bejubelt seinen Siegtreffer im Hinspiel. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Selimbegovic gibt seinen Jungs Vertrauen. Und er fordert sie weiter - auch wenn es mit 43 Punkten vor dem letzten Spiel gegen Aue eigentlich um nichts mehr geht. Aber diese Sichtweise gibt es für den Trainer nicht: "Für uns ist noch nicht Feierabend", sagte der Beierlorzer-Nachfolger bestimmt. "Es geht noch um Platzierungen in der Endtabelle und damit auch um jeden Euro." Die kann der Jahn als ein finanzielles Leichtgewicht im deutschen Profifußball gut gebrauchen.

An das letzte Aufeinandertreffen mit dem Jahn hat der FC Erzgebirge Aue noch positive Erinnerungen. Das Team von Dirk Schuster gewann in der Hinrunde vor heimischer Kulisse dank eines Treffers von Sören Gonther mit 1:0 gegen die Regensburger. Das möchten die Sachsen gerne am Sonntag wiederholen: "Die Saison ist für uns relativ sorgenfrei verlaufen. Diesen Erfolg wollen wir in Regensburg vergolden, um mit einem sehr guten Gefühl in die Sommerpause und den verdienten Urlaub zu gehen", sagte Schuster abschließend auf der Pressekonferenz.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. Juni 2020 | 15:30 Uhr

8 Kommentare

Gerhard vor 1 Wochen

Wir genießen diese, für uns so seltene Konstellation: einfach gemütlich zurücklehnen und entspannt zuschauen, was die Anderen machen.
Gönn es uns einfach.

Blauer Hund vor 1 Wochen

Auswärts sind wir eben grottenschlecht, lieber Ostsachse, nicht wettbewerbsfähig unter Schuster.
Daher womöglich das Desinteresse bei Auswärtsspielen.
Bei Führung stellen wir komplett das Fussballspielen ein (z. Bsp. Dresden), bei Mannschaften auf Augenhöhe laufen wir mutlos mit 7 defensiven Leuten auf. (Wehen 0:1, Osnabrück 0:0 etc.)
Wir haben also viele eigene Probleme, die man für die kommende Saison dingend beheben muss.
Auch ich habe natürlich euren Niedergang mitverfolgt und habe in euren Unterhaltungen gerade aus dem Schacht sehr viele vernünftige Kommentare gelesen.
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich wünsche keinen der Teams aus dem MDR-Sendegebiet Abstiege oder Insolvenzen.

saxonia vor 1 Wochen

Ach ja @Ostsachse.., und ob wir was besser machen als ihr,..wird die nächste Spielzeit zeigen...wird schwer genug. Man sieht sich wieder,..in irgend einer Liga.

Es lebe die BSG Wismut Aue!

Bergmännische lila weiße Grüße an Dich.

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