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Fußball | 2. BundesligaTransfers in Corona-Zeiten: Klubs setzen auf Risikominimierung

Stand: 17. Januar 2022, 11:02 Uhr

Weltweit haben die Fußball-Vereine mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die finanziellen Verluste beeinflussen auch die Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Dadurch rücken vor allem Leihgeschäfte und ablösefreie Verpflichtungen vermehrt in den Fokus.

Seit fast zwei Jahren hat die Corona-Pandemie den Fußball im Griff. Das wirkt sich auch auf die Transferaktivitäten der Klubs aus. Durch ausbleibende Zuschauereinnahmen und wegfallende Sponsoren sitzt das Geld bei vielen Vereinen nicht mehr so locker.

Weniger Ausgaben, kleinere Kader

Philipp Marquardt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Philipp Marquardt von "Transfermarkt" beobachtet einen klaren Trend. "Wenn man sich die vergangenen Transferperioden anschaut, fällt es auf, dass sich die Vereine zurückhalten. Die Kader werden klein gehalten, man hofft auf weniger Verletzte. Die ausfallenden Zuschauereinnahmen erschweren den Klubs die Planbarkeit", erklärt Marquardt im "SpiO"-Frühstück am Montag (17. Januar). Der Trend ist vor allem abwärts der Bundesliga zu bemerken. Während die Zweitliga-Vereine vor drei Jahren noch um die acht Millionen Euro für neue Spieler in die Hand nahmen, gaben die Klubs in dieser Transferperiode erst 550.000 Euro aus.

"Win-Win-Situation" durch Leihgeschäfte

"Die Vereine müssen ihre Kosten im Griff haben", so Marquardt. Deshalb sind Leihgeschäfte in Zeiten von Corona auch deutlich attraktiver geworden. Anstatt direkt eine höhere Summe auf den Tisch zu legen, kann sich der ausleihende Verein das Gehalt des Spielers mit dem verleihenden Klub teilen. Zudem eröffnet sich nach einer Leihe oft die Möglichkeit einer Kaufoption. Daraus ergibt sich nicht selten eine "Win-Win-Situation", meint Marquardt und spricht von einem "kostengünstigen und risikoarmen Modell".

Aue und Dynamo setzen auf kostengünstige Verstärkungen

Dynamo Dresden setzt mit der Leihe von Vaclav Drchal in diesem Winter unter anderem auf eben dieses Modell. Thomas Nahrendorf, Reporter bei der "Morgenpost", äußert sich positiv zu den ersten Auftritten des Tschechen. "Er hat sich gut eingefügt, wird sich aber auch noch steigern. Schon im Test gegen Aue hat man gesehen, was er kann."

Prince Owusu wurde von Erzgebirge Aue ablösefrei im Winter geholt. Bildrechte: IMAGO / pmk

Auch bei den Erzgebirgern, die aktuell tief im Abstiegskampf der 2. Bundesliga stecken, hat man im Winter vermehrt auf kostengünstige Verstärkungen gesetzt. Prince Owusu kam ablösefrei vom SC Paderborn und hinterließ bei seinem Debüt gegen St. Pauli einen vielversprechenden Eindruck.

Aue gehört zu den Teams mit den niedrigen Etats im Fußball-Unterhaus. Kostspielige Neuzugänge hängen meist auch von eigenen Transfereinnahmen ab. Diese hatte Aue im Winter aber nicht zu verzeichnen. Entsprechend "sitzt das Geld nicht locker", bemerkt Nahrendorf. Allein bei den letzten drei Heimspiele im vergangenen Jahr fielen die kompletten Zuschauereinnahmen weg. "Das tut dem Verein finanziell unheimlich weh."

3. Liga: Trend geht zu ablösefreien Spielern

Zwickaus Sportdirektor Toni Wachsmuth. Bildrechte: imago images/Picture Point

Auch beim FSV Zwickau hat man sich an die finanziellen Auswirkungen der Pandemie angepasst. Sportdirektor Toni Wachsmuth erklärt: "Wir verpflichten fast ausschließlich ablösefreie Spieler. Das Thema Ablösesummen wurde durch Corona stark beeinflusst." Generell geht der Trend in der 3. Liga eher zu ablösefreien Spielern, um das "Risiko für eventuelle Fehlgriffe zu minimieren. Die Vereine haben wenig Planungssicherheit, mit welchen Geldern sie rechnen können."

Noch ist das Transferfenster bis Ende Januar geöffnet. Die ein oder andere Verpflichtung, ob fest oder per Leihgeschäft, dürfte noch zu erwarten sein. Die ganz großen Beträge bleiben, abgesehen von wenigen Ausnahmen, aber wohl aus. Nahrendorf erklärt: "Die Krise hat vieles gestoppt. Am Anfang war noch viel Geld im Umlauf. Das wird sich auch in den nächsten ein, zwei Jahren nicht so schnell erholen. Auf der anderen Seite werden die Vereine dadurch vernünftiger."

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jsc

Dieses Thema im Programm:MDR+ | "SpiO"-Frühstück | 17. Januar 2022 | 09:00 Uhr

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