Fußball | 2. Bundesliga Dynamo Dresden will raus aus der Liga 2.5

Zu schlecht für Liga zwei, zu gut für Liga drei: Dynamo Dresden hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt. Nach dem letzten Platz und dem Abstieg folgten prompt Meisterschaft und Wiederaufstieg. Nun hoffen die Sachsen, sich endlich in der 2. Bundesliga etablieren zu können.

Dresdens Christoph Daferner vor Rick Van Drongelen
Dresdens Christoph Daferner Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

So lief die vergangene Saison

Der bittere Abstieg aus der 2. Liga sollte sofort wieder korrigiert werden. Dynamo war zuvor im vierten Zweitliga-Jahr abgestiegen, weil die Personalpolitik nicht passte und dann auch noch Corona die Dresdner wie sonst kein deutsches Profi-Team traf. Man ging mit Wut im Bauch in die Saison.

Trainer Markus Kauczinski durfte den Wiederaufstieg in Angriff nehmen. Als neuer Sportdirektor wurde der Ex-Hamburger und Ex-Kieler Ralf Becker geholt. Der Nachfolger von Dynamo-Legende Ralf Minge stellte ein Team zusammen, das schnell funktionierte. Ein 4:1 im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV sorgte für viel Euphorie.

Am Ende des Halbjahres war die SGD Tabellenführer und das mit acht Punkten Vorsprung auf Rang drei. Die Verlängerung mit Kauczinski schien nur noch Formsache zu sein, ehe vier Partien ohne Sieg und Tor Dresden auf Rang vier zurückfallen ließen.

Sechs Spieltage vor Saisonende zog Becker die Reißleine und holte einen alten Bekannten aus Stuttgarter Zeiten, Alexander Schmidt, an die Elbe. Der kannte als ehemaliger Trainer von Türkgücü München die Liga und führte die Schwarz-Gelben im Endspurt, zwei Nachholspiele in der Hinterhand halfen, dann zum ersehnten Wiederaufstieg.

Dynamo Dresden: Meister der 3. Liga - Sebastian Mai mit dem Pokal
"Mission accomplished": Kapitän Sebastian Mai stemmt den Meister-Cup der 3. Liga in die Höhe. Im Trikot des verletzten Verteidigerkollegen Tim Knipping. Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Wer kommt, wer geht

Drei Routiniers mussten gehen: Ex-Kapitän, Identifikations- und Integrationsfigur Marco Hartmann (33) bekam nach acht Jahren kein neues Vertragsangebot. Zuletzt hatte er sich zunehmend mit Verletzungen herumplagen müssen. Auch der für die Rückrunde zurückgeholte Rechtsverteidiger Niklas Kreuzer (28) wechselt, zu Drittligist Hallescher FC. Marvin Stefaniak (26), aus der Dynamo-Jugend stammend und Aufstiegsheld von 2016, konnte die hochgesteckten Erwartungen bei der Rückkehr "nach Hause" nicht erfüllen. Er war von Bundesligist Wolfsburg ausgeliehen. "Für einige auch sehr verdienstvolle Spieler endet der Weg nach mehreren Jahren jetzt bei Dynamo Dresden. Es sind immer auch harte Entscheidungen, die mit der Kaderplanung verbunden sind", gab Sportchef Ralf Becker zu.

Marvin Stefaniak (SG Dynamo Dresden) liegt auf dem Spielfeld
Marvin Stefaniak fand im zweiten Anlauf bei Dynamo nicht in die Spur. Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Bei Mittelfeldakteur Julius Kade, den Union Berlin per Rückkauf-Klausel für 500.000 Euro zurück geholt hatte, hofft Dresden noch. Trainer Schmidt würde ihn "mit Kusshand" aufnehmen. Auch Ralf Becker will Kade wieder an die Elbe lotsen. Mittlerweile wurde der 22-Jährige fest verpflichtet.

Michael Sollbauer
Michael Sollbauer Bildrechte: SGD/ Steffen Kuttner

Bei den Zugängen setzt Dynamo vor allem auf talentierte Akteure. Gespannt sein darf man auf Morris Schröter (25), der bei Drittligist Zwickau ein Leistungsträger war. Bei Erstligist Freiburg nicht richtig zur Geltung kam Rechtsaußen Brandon Borrello. Und dann wäre mit Innenverteidiger Michael Sollbauer (31) noch ein Österreicher vom FC Barnsley (2. Liga England). Schmidt hält große Stücke auf ihn, wie er dem "Sportbuzzer" erzählte: "Er war ein Wunschspieler von uns. Ich kenne ihn vom Wolfsberger AC, da war er Kapitän. Jetzt in England war er auch eine Führungspersönlichkeit. Er ist ein Mentalitätsspieler, sehr wichtig für eine junge Mannschaft, er kann eine junge Mannschaft führen und verkörpert all das, was wir uns von der Spielweise her wünschen, das aggressive Vorwärtsverteidigen." Er war Kapitän der Wolfsberger Elf, die in der Europa League ein legendäres 4:0 in Gladbach schaffte.

Der Trainer

Ähnlich wie Dynamo selbst weiß man auch bei Coach Alexander Schmidt noch nicht, wo er wirklich hingehört. Der gebürtige Augsburger verfügt über ein selbstbewusstes, in den heutigen Zeiten auch angemessenes Auftreten. Selbst einen Instagram-Auftritt hat der 52-Jährige.

Er steht auf aktiven Power-Fußball á la Jürgen Klopp und hat offenbar ein Auge für Talente: 2009 machte er in der U17 von 1860 München den jungen Julian Nagelsmann zu seinem Assistenten. Selbst als Chef trat er 2012 bei Zweitligist 1860 München erstmals in Erscheinung. Mehr als diese 26 Zweitliga-Partien hat Schmidt noch nicht. Später folgten Engagements bei Jahn Regensburg, den Junioren von RB Salzburg, St. Pölten (Österreich) und zuletzt Investorenklub und Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München. Dort formte er Enfant terrible Sercan Sararer zum zeitweise besten Drittliga-Kicker. Fast wäre Sararer nun wieder bei Schmidt gelandet, aber der Wechsel platzte überraschend doch noch. Der eloquente Schmidt muss zeigen, dass er auch einmal längerfristig für Erfolg sorgen kann. Er sagt: "Die Mannschaft ist sehr willig, jung und dynamisch. Das ist keine arrogante Mannschaft mit Spielern, die können und wissen schon alles. Wir wollen die Fans mitnehmen und schauen, dass wir diese Aufstiegseuphorie mitnehmen."

Alexander Schmidt 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alexander Schmidt 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erwartungen an die Saison

Dynamo ist kein Klub wie jeder andere: Das Wort "Europacup" geistert hier immer wieder herum. Zwei Partien fehlen noch zu 100 - das Ziel ist sogar in der Vereinssatzung drin.

Ein wichtiger Faktor sind die Fans. Sie fehlen den Dresdnern mehr als vielen anderen. Zum Saisonstart gegen den FC Ingolstadt dürfen 9.600 Zuschauer in die 32.000-Mann-Arena.

 Zuschauer mit Abstand und Maske im Stadion
Das Harbig-Stadion Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Die Eingespieltheit könnte ein Trumpf sein. Ansonsten baut Dynamo vor allem auf seine Defensive, die in der 3. Liga die beste war. Mit Sollbauer, Tim Knipping, Kapitän Sebastian Mai und Talent Kevin Ehlers entbrennt da ein schöner Kampf um die Stammplätze. Etwas drücken könnte der Schuh dagegen vorne. Insgesamt müssen sich die meisten Spieler in der 2. Liga erst noch beweisen. Ein Platz zwischen 12 und 15 scheint in dieser starken Klasse realistisch zu sein. Dazu müssen aber Team, Trainer und Fans gut miteinander können.

Walter-Fritzsch-Akademie
Die Infrastruktur bei Dynamo wächst trotz Corona: Hier die neue Jugend-Akademie des Klubs. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

cke

Videos und Audios zur 2. Fußball-Bundesliga

Martin Männel
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sport im Osten | 24. Juli 2021 | 13:30 Uhr

4 Kommentare

Dreibeiner vor 1 Wochen


Berlin - Da wurde einem nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen warm ums Herz: 3278 Fans in der Alten Försterei, die zu Beginn Nina Hagens "Eisern Union" lauthals sangen. Ein Stimmung, die so lange vermisst wurde! Einfach wunderschön. Das Spiel war es für Dynamo Dresden nicht. Union siegte 3:0 (2:0).

SGDHarzer66 vor 1 Wochen

Gute Einschätzung vom Autor. Muss man auch mal sagen.
Also, gehen wir es an.....

Udo841 vor 1 Wochen

Wenn es nach dem bisherigen Serien der 2.Liga geht, bleibt DD diesmal 5 Jahre .