Eduard Geyer
Bildrechte: imago images / VIADATA

Fußball Trainer Geyer über Stübner: "Mann für Spezialaufgaben"

Er trainierte Jörg Stübner in Dresden und im Nationalteam: Eduard "Ede" Geyer ist tief getroffen vom frühen Tod des Dynamo-Helden. Der 74-Jährige, mit Stübner 1989 DDR-Meister, war von dessen Einsatzbereitschaft angetan.

Eduard Geyer
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"Das war für mich schon ein Schock", sagt Jörg Stübners langjähriger Trainer Eduard Geyer im Gespräch mit "Sport im Osten", als er davon erzählt, wie er die Nachricht vom Tod des Dynamo-Helden der 80-er Jahre aufnahm. "Vor kurzem gab er einer Dresdner Zeitung ein längeres Interview und man dachte, er hätte sich etwas stabilisiert, zumal er ja auch wieder im Stadion war. Das tut mir unendlich leid. Mit 53 muss man nicht sterben", so der 74-Jährige, der mit dem Mittelfeld-Renner einst die DDR-Meisterschaft 1989 einfuhr und ihn auch im letzten DDR-Länderspiel 1990 in Belgien aufstellte.

Dynamos ehemaliger Spieler Jörg Stübner (unten 2.v.r.) sitzt auf der Tribüne neben Eduard Geyer.
Mitte Februar, bei Dynamos Zweitliga-Spiel gegen Jahn Regensburg, saß Jörg Stübner (unten, 2. v. re.) direkt neben Eduard Geyer (2. v. li.) Bildrechte: imago/Robert Michael

47 Länderspiele - das beste gegen Superstar Platini

"Ede" Geyer kannte Jörg Stübner schon viel länger, seit dem Juniorenbereich. Er erinnert sich an seinen Schützling, Typ pflegeleichter Teamplayer: "47 Länderspiele sprechen sicherlich für sich. Ihm brauchte man nicht viel zu sagen, ein aufgeschlossener Junge, er war ein Spieler, der konnte laufen ohne Ende. Er gab immer 100 Prozent und war der Mann für Spezialaufgaben. Ich denke da an ein Spiel gegen Frankreich, als er Michel Platini ausschaltete."

Im September 1985 stellte er den damaligen französischen Weltstar kalt. Zur Einordung: Platini war frisch gebackener Europameister 1984, EM-Torschützenkönig mit neun Treffern und von 1983 bis 1985 Europas Fußballer des Jahres - der damals beste Spieler der Welt schlicht und ergreifend. Und der junge Stübner ließ Platini nicht zur Entfaltung kommen. Das 2:0 vor 80.000 Zuschauern im Leipziger Zentralstadion ließ die Fußballwelt auf den damals gerade 20 Jahre gewordenen kleinen Mittelfeld-Renner aufmerksam werden. Auch der Stern eines gewissen Lothar Matthäus war, nur drei Jahre zuvor, aufgegangen, nachdem er als Jungspund innerhalb kurzer Zeit die Spielmacher Zico (Brasilien) und Diego Maradona (Argentinien) abmeldete. Wo hätte sein Talent Stübner hinführen können? Man mag es sich kaum ausdenken.

Jörg Stübner versucht den Schuß von Michael Platini abzublocken.
Spiel seines Lebens: Jörg Stübner 1985 im Duell mit dem damals besten Spieler der Welt, dem Franzosen Michel Platini. Bildrechte: Frank Kruczynski

Nur fünf Bundesliga-Spiele

"Solche pflegeleichten Typen braucht jede Mannschaft, Deshalb habe ich es auch nicht verstanden, dass er nach der Wende nicht Fuß gefasst hat", ist die Situation nach der Wiedervereinigung "Ede" Geyer immer noch ein kleines Rätsel. Während die einstigen Mitspieler wie Ulf Kirsten oder Matthias Sammer im vereinigten Deutschland und der Bundesliga Karriere machten, blieb Jörg Stübner irgendwie auf der Strecke. Fünf Bundesliga-Partien bestritt er lediglich für Dynamo Dresden, das letzte im Schalker Parkstadion am 2. November 1991. "Vielleicht hatte er nach der Wende mit 24 oder 25 keinen guten Berater. Er war in dieser Zeit aber wohl auch so verschlossen, dass er niemanden an sich herangelassen hat", sagt Kulttrainer Geyer.

Ulf Kirsten  (re.) und Jörg Stübner rennen hinter dem Ball her.
Jörg Stübner (li.) und Ulf Kirsten bei einer Partie aus der DDR-Oberliga im Mai 1990 beim 1. FC Magdeburg. Bildrechte: imago images / Rust

Mit Hilfe des Vaters wieder zu Geyer

Er selbst holte ihn 1993 zum damaligen FC Sachsen nach Leipzig-Leutzsch: "Sein Vater sprach mich an, ob ich Jörg nicht helfen könnte. Das war kein Problem. Er kam, aber dann ging es los in Leutzsch ... wir bekamen keine Gehälter mehr, und Jörg war schnell wieder von der Bildfläche verschwunden." Dieses Muster wiederholte sich. Ein hoffnungsvoller Anfang, aber kein gutes Ende.

Immer wieder einmal tauchte er bei Dynamos Traditionsmannschaft auf - zur Freude der Ex-Kollegen. Aber nach ein paar Einsätzen zog sich der ohnehin öffentlichkeitsscheue Stübner dann auch wieder zurück.

Fußballnationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik.
Jörg Stübner (2. v. re.) vor der Partie der DDR in Belgien 1990. Bildrechte: imago/Reporters

Stübner ist der erste Akteur aus der Startaufstellung der allerletzten DDR-Nationalmannschaft, der gestorben ist. Sein Ex-Nationaltrainer Eduard Geyer sagt: "Mich trifft es sehr, und es tut mir unheimlich leid."

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 25. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 18:46 Uhr

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6 Kommentare

27.06.2019 18:04 Schiedsrichter 6

Was mir zu denken gibt ist alle haben von den Umständen gewusst und nichts konkretes unternommen ,oder wollte er sich nicht helfen lassen

26.06.2019 13:46 saxon 5

Früher war es selbstverständlich einer älteren Person seinen Sitzplatz im Bus zu überlassen...all diese Werte Disziplin, Anstand...Hilfsbereitschaft..,sind abhanden gekommen...Leider. Ich erinnere mich gern an Jörg Stübner..., der total geile Spieler mit der Popper Frisur..Einfach nur traurig...R.I.P.

25.06.2019 21:04 Riesenberger 4

Wenn wir uns Mitte der 80er Jahre eine Mannschaft hätten bauen dürfen, meine Kumpels und ich, wären Leute wie René Müller, Kreer, Zötzsche, Döschner, Kirsten und Jörg Stübner dabei gewesen. Später dann noch Sammer, Mehlhorn und Steinmann. Klasse Fußballer, allesamt. Trainer wäre Geyer oder der alte Sammler geworden. So eine Truppe hätten wir gerne bei einem großen Turnier gesehen. Vielleicht wäre der belgische Sommer von 1986 ein sächsischer geworden. Ruhe in Frieden, Held unserer Kindheit.

25.06.2019 19:05 Rewi 3

Traurig sehr traurig. RIP Stübs. Tut einfach sehr sehr weh.

25.06.2019 18:41 Mal ne Anmerkung 2

Wieder ein "Dynamo Idol" was viel zu früh gehen muss."Stübs" wir werden dich nicht vergessen und beim ersten Heimspiel werden 30 000 Fans dir gedenken.Lebe wohl!

25.06.2019 18:08 Schiedsrichter 1

Ich denke er hat seinen Frieden mit sich selbst gemacht RiP Stübs Danke