Fußball | 2. Bundesliga Vor Heidenheim: Aue schlägt Alarm und kämpft um Zuschauer

4. Spieltag

Vor dem Spiel gegen Heidenheim am Sonntag (13:30 Uhr) schlägt Fußball-Zweitligist Erzgebirge Aue Alarm. Ein Urgestein feiert ein besonderes Jubiläum. Der Gegner kommt ohne seinen wichtigsten Angestellten.

Brücke mit der Schrift Willkommen im Schacht 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Themen abseits von Corona gäbe es vor dem Zweitliga-Duell zwischen dem FC Erzgebirge Aue und dem 1. FC Heidenheim (So./13:30 Uhr/live in der SpiO-App) eigentlich genug. Aber die Covid-19-Pandemie ist auch im Erzgebirge allgegenwärtig. Der Verein kämpft um die Zulassung von möglichst vielen Zuschauern und ruft nach politischer Unterstützung.

"Werden unserer Erwerbsgrundlage beraubt"

Geschäftsführer Michael Voigt (Aue) und Präsident Helge Leonhardt
Aues Geschäftsführer Michael Voigt (li.) und Präsident Helge Leonhardt Bildrechte: Picture Point

Weil der Erzgebirgskreis mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von über 50 nun offizielles Corona-Risikogebiet ist, dürfen nur noch 500 Zuschauer ins Stadion. Zum ersten Heimspiel gegen Fürth waren es 999. Der vor der Saison genehmigte Hygiene-Plan des Klubs sah 4.4111 Zuschauer vor und damit sogar etwas mehr als die von der Politik empfohlenen 20 Prozent. Bei 11.600 lag der Besucher-Schnitt vor Corona. Aues Geschäftsführer Michael Voigt sagt der "Bild": "Rund 150.000 Euro fehlen uns pro Heimspiel." Und deshalb schlägt er nun Alarm. "Wir werden als Wirtschaftsunternehmen unserer Erwerbsgrundlage beraubt. Während andere Firmen, auch Großbetriebe, ihre Produktion fortführen dürfen, werden wir massiv eingeschränkt. Da muss die Frage erlaubt sein, inwiefern die Landesregierung hier eingreifen kann", sagte er der "Chemnitzer Morgenpost" (Freitag).

Zuschauerhinweise im Stadion zu Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen bezüglich des Coronavirus
Die Hygiene-Regeln im Auer Stadion auf einer Anzeigetafel Bildrechte: imago images/Picture Point

"Die verordneten Maßnahmen sind teils nicht mehr nachvollziehbar", erklärte Voigt, "im Stadion herrschen klare Hygiene- und Abstandsregeln. Die Kontaktnachverfolgung ist gewährleistet. Und es sollte nicht vergessen werden, dass es sich um eine Freiluft-Veranstaltung handelt", betonte er. Aues Geschäftsführer verwies außerdem auf fehlende Einnahmen aus den Bereichen Catering, Hospitality und Vermarktung. "Da in geschlossenen Räumen nur noch 50 Personen zusammenkommen dürfen, können wir den VIP-Raum zusperren."

Kapitän Männel vor dem 400. Spiel

Torwart Martin Männel (1, Aue).
Aues Schlussmann Martin Männel Bildrechte: PICTURE POINT / Sven Sonntag

Wegen Corona geht ein tolles Jubiläum unter: Aues Kapitän und Torwart-Urgestein Martin Männel steht vor seinem 400. Pflichtspiel für die Veilchen. Seit 2008 ist er beim FCE und damit gemeinsam mit Marc Schnatterer von Gegner Heidenheim der dienstälteste Zweitliga-Profi. Und der 32-Jährige, der einen Abstieg (nach einem 2:2 in Heidenheim mit einem eigenen Treffer!), zwei Aufstiege und neun Jahre 2. Liga erlebte, hat noch nicht genug. Der Vertrag des "Buffons vom Erzgebirge" läuft bis 2022. Und der Italiener Gianluigi Buffon ist mit 42 Jahren immer noch bzw. wieder bei Juventus Turin ...

Heidenheims Trainer fehlt erkrankt

Im Bild von links:  Trainer Frank Schmidt, 1.FC Heidenheim und Trainer Dirk Schuster, Erzgebirge Aue.
Herzliche Begrüßung: Aues Trainer Dirk Schuster (re.) und Heidenheims Frank Schmidt (Archivbild) Bildrechte: PICTURE POINT/ Sven Sonntag/ Poolfoto

Kurios: Auch bei den Trainern würden sich mit Dirk Schuster und Heidenheims Frank Schmidt die erfahrensten der Liga gegenüberstehen. Schmidt aber ist mit einer Entzündung im Bauchraum im Krankenhaus und wird von Co-Trainer Bernhard Raab vertreten: "Frank Schmidt und ich sind täglich in telefonischem Kontakt. Wir sind uns aber auch einig, dass derjenige, der während der 90 Minuten an der Seitenlinie steht, die Entscheidungshoheit haben muss. Das ist eine außergewöhnliche Situation, aber das kriegen wir in diesen 90 Minuten auf jeden Fall hin." Der Ex-Bundesliga-Spieler des Karlsruher SC sagt über Gegner Aue: "Nach der Niederlage im DFB-Pokal gegen Ulm haben sie ihre Grundordnung geändert und spielen jetzt in einem 3-4-1-2. Das ist eine absolut stabile Mannschaft, die vor allem zu Hause aggressiv auftritt, früh presst und den Gegner zu Fehlern zwingen will, um selber relativ schnell nach vorne zu kommen. Wie immer in Aue wird das eine schwierige Aufgabe für uns."

Aue-Verteidigr Breitkreuz könnte zurückkehren

Fehlen werden den Auern nur die verletzten Gaetan Bussmann und Fabian Kalig. Hinter Stürmer Philipp Zulechner steht noch ein Fragezeichen. Verteidiger Steve Breitkreuz könnte nach einer langwierigen Knieverletzung wieder zum Kader gehören. Er hatte im Mai 2019 sein letztes Spiel gemacht. Mit Heidenheim erwartet Coach Schuster "einen starken Gegner" und eine "kampfkräftige Mentalitätsmannschaft, die nie aufgibt und systemflexibel spielen kann". Der 52-Jährige fordert daher einen mutigen Auftritt seines Teams: "Wir müssen defensiv stabil arbeiten und wollen den Heidenheimern die eine oder andere Aufgabe stellen." Für Aue ist es nach der wegen eigener Corona-Fälle abgesagten Partie in Hamburg das dritte Saisonspiel in der Liga.

cke/dpa/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 18. Oktober 2020 | 15:30 Uhr

14 Kommentare

Gerald vor 1 Wochen

Sorry, ich habe schon zu Zonen-Zeiten höchsten Respekt für diesen Verein! Aber da bin ich eine andere Meinung! Das ist Jammern auf höchsten Niveau! Andere Sportarten haben garantiert viel, viel schlimmere Sachen durchzustehen!

Mal ne Anmerkung vor 1 Wochen

Nur mal so ne Frage an "normaler(das ist schon anzuzweifeln)Zeitgenosse,was hat dein "Beitrag" mit dem Spiel Aue gegen Heidenheim zutun?Kann es sein ,dass sie sich einfach im Beitrag geirrt haben?Oder ist es schlimmer?

Mal ne Anmerkung vor 1 Wochen

Einem Torwart ,der 400 Spiele für EINEN Verein absolviert und mit zu den Besten in der 2.Liga gehört,muss einfach Respekt gezollt werden.Man sollte da mal seine Befindlichkeiten zurückstellen und Martin Männel aus vollem Herzen zu dieser Leistung gratulieren.Grüße aus dem "Schwarz-Gelben" Elbtal!