Fußball | 2. Bundesliga 2. Liga droht Insolvenzflut - Aue und Dynamo nicht betroffen

Alarmierende Zeichen aus der zweithöchsten Spielklasse: Sollte im Mai nicht gespielt werden, droht der Hälfte der Klubs die Insolvenz. Ein Grund seien die ausbleibenden Fernsehgelder. Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden sind nach MDR-Informationen nicht betroffen. Aue-Boss Helge Leonhardt erwartet aber harte Zeiten.

Das Wort Insolvenz, dahinter Fußballschuhe und ein Ball
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Droht der 2. Bundesliga eine Welle von Insolvenzen? Nach einem Bericht des Fachmagazins "Kicker" könnten im Fall einer noch längeren Spielpause bereits Ende Mai sieben Vereine die Kosten nicht mehr decken und müssten Insolvenz anmelden. Der "Kicker" beruft sich auf Zahlen, die auf der Video-Mitgliederkonferenz der Deutschen Fußball Liga am vergangenen Dienstag den Vertretern der Profivereine mitgeteilt worden sein sollen.

Die DFL hatte zuvor die Profivereine gebeten, eine Bestandsaufnahme zu hinterlegen. Ausgehend von diesen Zahlen gestalte sich die Situation in der 2. Bundesliga dramatisch. Neben den sieben Vereinen, die schon Ende Mai Insolvenz anmelden müssen, falls wegen der Nichtaufnahme des Spielbetriebs die vierte Rate der Medienpartner nicht fällig wird, wären zwei weitere Vereine im Juni zahlungsunfähig. Nach MDR-Informationen sind die beiden sächsischen Zweitligisten SG Dynamo Dresden und FC Erzgebirge Aue nicht betroffen.

Aue-Boss: Angstsolidarität der Vereine

Helge Leonhardt, Präsident FC Erzgebirge Aue (re.) und Dirk Schuster, Trainer FC Erzgebirge Aue (li.), mit dem Schachtergruss.
Helge Leonhardt, Präsident FC Erzgebirge Aue (re.) und Dirk Schuster, Trainer FC Erzgebirge Aue (li.) Bildrechte: imago images/Eibner

Helge Leonhardt, Präsident des FC Erzgebirge Aue, hatte bereits vor drei Wochen die großen wirtschaftlichen Probleme auch für die Zweitligisten kommen sehen. Aktuell spricht der starke Mann im Erzgebirge von einer "Angstsolidarität" der Vereine. "Die DFL wurde beauftragt, mit den Mediengesellschaften zu verhandeln, um an die Mediengelder, egal in welcher Höhe, zu kommen und damit das Überleben einiger Vereine bis Saisonende zu sichern", sagte Leonhardt "Sport im Osten".   

Helge Leonhardt sieht "harte Zeiten"

Der FC Erzgebirge Aue hat das noch fällige TV-Geld nicht an Dritte verpfändet oder in ähnliche Transaktionen  gesteckt. Das solide Wirtschaften der letzten Jahre, so Leonhardt, zahle sich nun in der Krise aus. Dennoch komme eine ganz harte Zeit auch auf die Veilchen zu. Deshalb habe man eine sofortige Restruktuierung eingeleitet. Mit einem Plan, der ständig den Gegebenheiten angepasst werde.

Helge Leonhardt, Präsident Erzgebirge Aue, macht dicke Backen.
Aue-Präsident Helge Leonhardt - Einschnitte sind unerlässlich. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

"Die erste Phase läuft bis zum Saisonende. Im Mai, Juni oder Juli, ohne Zuschauer, oder wird die Saison abgebrochen? Die zweite Phase, das wird noch viel schwieriger, betrifft die neue Saison. Da geht es um eine generelle Restruktuierung des Profigeschäftes und Neuanpassung an die dann noch vorherrschenden Marktgegebenheiten. Der FC Erzgebirge Aue wird vor allem auch getragen durch viele mittelständische Unternehmen. Die sind tatsächlich gegenwärtig in großen Nöten. Es drohen Insolvenzen und Arbeitslosigkeit. Das heißt, die Einnahmen werden bedeutend weniger."

"Es gibt notwendige Einschnitte"

Das Erzgebirgsstadion in Aue
Das Erzgebirgsstadion in Aue muss noch länger auf Fans verzichten. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Gegenwärtig habe man die Lage im Griff, es gebe aber knallharte Vorgaben. "Alle machen hier mit, alle wollen den Verein retten, haben natürlich auch Angst.“ Nach anderen Vereinen, die im Mai/Juni von Insolvenz bedroht sind, will Leonhardt nicht schauen: ""Was hier in der Welt passiert ist, waren keine Management-Fehler, deshalb kann man erstmal niemand einen Vorwurf machen, auch wenn er in Insolvenz gehen muss, wie es das Gesetz vorschreibt." Die Ursache dieser Misere sei grausame höhere Gewalt mit dem Namen Corona. Denn auch in Aue werde es eine harte Zeit geben. "Wir können aber durchkommen, alle müssen ihren Beitrag leisten. Es sind notwendige Einschnitte, die auf alle im Verein, auch Spieler und Trainer, zukommen. Das A und O sind Disziplin und die Einsicht in die Notwendigkeit." 

Die zeigen auch die Aue-Fans. Viele wollen bereits Karten für die neue Saison kaufen. In der kommenden Woche werden auch Aktionen öffentlich gemacht, um den Verein zu unterstützen.  

Ein wenig Bauchschmerzen hat der starke Mann des FC Erzgebirge Aue mit Blick auf die Ostertage. Das werde ein Kulminationspunkt, wenn die Leute alle raus wollen. Leonhardt spricht von einer "großen Gefahr". wenn man leichtfertig, ja unverantwortlich handelt.“

Michael Born: Zahlungsfähigkeit bei Dynamo nicht gefährdet

Auch Dynamo Dresden kann vorerst ohne große Sorgenfalten in die nächsten Wochen blicken. Der kaufmännischen Geschäftsführer Michael Born sagte Sport im Osten: "Die Zahlungsfähigkeit der SG Dynamo Dresden ist für das laufende Geschäftsjahr nicht gefährdet. Wir haben in den vergangenen Jahren mit kaufmännischer Vorsicht gewirtschaftet und uns ein Polster an Liquidität zurückgelegt, welches uns in der jetzigen Situation vorübergehend hilft. Zudem haben wir von unserem Hauptsponsor ALL-INKL-COM und einigen weiteren Top-Partnern bereits die Zusage erhalten, dass vor der Saison zugesagte Sponsorengelder nicht zurückgefordert werden, egal ob und wann die Spielzeit nach der Pause fortgesetzt werden kann."

Auch das sei eine wichtige Stütze in dieser herausfordernden Gesamtlage für den Fußball. "Kein Verein sollte sich in dieser Situation allerdings sicher sein, weil der Ausgang derzeit völlig offen ist, wann wieder Fußball gespielt werden kann." Das gemeinsame Ziel aller 36 Clubs laute deshalb, dass wir – wenn irgendwie möglich – gemeinsam die Saison unter fairen Wettbewerbsbedingungen fortsetzen möchten. Wann das sein wird, könne derzeit seriös allerdings niemand beantworten.

Michael Born
Michael Born Bildrechte: IMAGO

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. April 2020 | 19:30 Uhr

16 Kommentare

SGDHarzer66 vor 12 Wochen

Deine Worte sind Balsam auf meine nervöse Dynamo-Seele - ich grüße Dich herzlich und merke, das ich mit meinen Ansichten nicht so weit entfernt liege.
Bleib ebenfalls gesund und vital :-)!

Ostsachse vor 12 Wochen

Keine Geisterspiele aber Geisterspiel Tickets verkaufen, was die Massen bewirken können hat die Sonderumlage gezeigt z.B. 25000x20Eu sind 500000 x 4 Heimspiele sind 2mille

Ostsachse vor 12 Wochen

Frag mich gerade ob die Werbung letztendlich für die Firmen überhaupt etwas bringt , ich kaufe meine Bratwurst beim Fleischer meines Vertrauens und nicht bei einem Großkonzern ,nur weil der Werbung im Stadion macht