Fußball & Handball | 3. Liga und 1. BL Magdeburg – eine Stadt, zwei Welten

Die 1. Bundesliga im Handball ist abgebrochen worden, in der 3. Fußball-Liga wird weiter diskutiert. Oder: Der SC Magdeburg spielt nicht mehr, der 1. FC Magdeburg muss vielleicht noch ran… Irrsinn? Ein Vergleich.

Fußbälle 2 min
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MDR aktuell 19:30 Uhr Mi 22.04.2020 19:30Uhr 01:33 min

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Die Spielstätten des SC Magdeburg und 1. FC Magdeburg sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Bei den Handballern dreht sich in dieser Saison höchstwahrscheinlich kein Ball mehr. Die Bundesliga-Saison ist abgebrochen worden, beim EHF-Pokal wird das wohl noch diese Woche passieren. Einen Abbruch wünschen sich auch die Drittliga-Fußballer der Elbestadt. Die Entscheidung steht noch aus. Die Vereine hängen in der Luft. Der DFB hat öffentlich erklärt, die Saison fortsetzen zu wollen.

Zwei Verbände, zwei unterschiedliche Wege. Warum?

Auf den ersten Blick gleichen sich die Ligen. Der Etat ist ähnlich, lag beim FCM letzte Saison bei 10,6 Millionen Euro, wobei 4,5 Mio. Euro für die Lizenzspieler galten. Der SCM ging mit einem Etat von acht Millionen Euro in die Saison. Parallelen bestehen auch bei den Fans. Beide Ligen locken viele Zuschauer an, wobei die Drittligisten mit 8.132 Besuchern (Saison 18/19) auch aufgrund der Platzkapazitäten vorne liegen. Der größte und entscheidende Unterschied sind die TV-Gelder. Die Drittligisten bekamen in der letzten Saison 1,28 Millionen Euro pro Verein. Ein Handball-Bundesligist bekommt gerade einmal zirka ein Zehntel davon.

SC Magdeburg - 1. FC Magdeburg
Für den SCM (Matthias Musche) ist die Bundesliga-Saison vorbei. Christian Beck vom FCM weiß noch nicht, ob er in dieser Saison noch einmal auflaufen wird. Bildrechte: IMAGO

Die Entscheidung, die Saison nicht fortzusetzen, fiel im Handball mit nur einer Gegenstimme. In der 3. Liga ist die Gemengelage eine andere. Acht Mannschaften plädieren für einen Abbruch. Die Position zu "Geisterspielen oder Abbruch?" ist dabei fast immer am Tabellenstand abzulesen. Einige Mannschaften sind für die Fortsetzung der Saison, andere äußern sich öffentlich nicht. Bei noch elf ausstehenden Spieltagen - in der Handball-Bundesliga waren es nur noch sieben - könnte es für (fast) alle Teams de facto noch in alle Richtungen gehen.

Ohne Spielstätte kein Spielbetrieb

Der DFB würde den Spielbetrieb gern fortsetzen, ist sich aber bewusst, dass dafür die Voraussetzungen passen müssen. Wenn beispielsweise fünf von 20 Teams keine Spielstätte haben, weil die Stadt als Eigentümer diese sperrt, kann in der 3. Liga nicht gespielt werden. Aktuell ist das u.a. in Jena der Fall. Der Krisenstab plant dort eine Beschränkung des Alltags des FC Carl Zeiss über den 6. Mai hinaus. Auch die Frage nach den Sicherheitsmaßnahmen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, müssen geklärt werden. Die Kosten dafür dürften immens sein.

In der 1. und 2. Bundesliga hat die DFL den Hut auf und ist entsprechend Kleingeld vorhanden, um den Vereinen den Spielbetrieb mit all den kostspieligen Einschränkungen weiter zu ermöglichen. Dort stehen die Zeichen auf Fortsetzung. Doch hat der DFB so viel Geld, um die Klubs entsprechend zu unterstützen? Außerdem stellt sich die Frage nach der Haftung. Was passiert, wenn sich ein Spieler ansteckt und Regressklagen stellt?

SC Magdeburg - 1. FC Magdeburg
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Außerordentlicher Bundestag nötig

Der DFB gibt indes zu bedenken, dass unter einem Abbruch das Image der Liga leiden könne. Finanziell hatten die meisten Klubs schon vor Corona zu kämpfen. Einfach abbrechen geht dabei ohnehin nicht, weil dieser nicht satzungskonform wäre und von einem Außerordentlichen Bundestag abgesegnet werden müsste. Einen normalen Bundestag einzuberufen, dauert maximal sechs Wochen. Die Hürde abzubrechen ist also deutlich höher als die Saison fortzusetzen.

Es könnte auch passieren, dass die Liga fortgesetzt wird und so mancher Verein "streikt". Wenn nicht antreten wird, gilt das Spiel als verloren.

Die Meinung der Vereine
Verein                   Position     
     
MSV Duisburg Sportlicher Aufstieg  
Waldhof Mannheim  Abbruch     
SpVgg Unterhaching  Fortsetzung    
SV Meppen      Keine öffentliche Äußerung      
FC Ingolstadt  Fortsetzung         
1860 München  Fortsetzung      
Bayern München II  Fortsetzung  
Hansa Rostock    Fortsetzung        
Eintracht Braunschweig  Fortsetzung (unter Bedingungen)          
Würzburger Kickers    Fortsetzung    
KFC Uerdingen 05  Keine öffentliche Äußerung      
FC Viktoria Köln  Keine öffentliche Äußerung      
Chemnitzer FC  Abbruch         
1. FC Kaiserslautern   Keine öffentliche Äußerung      
1. FC Magdeburg    Abbruch       
Hallescher FC   Abbruch       
FSV Zwickau    Abbruch       
Preußen Münster  Abbruch       
SG Sonnenhof Großaspach Abbruch       
Carl Zeiss Jena   Abbruch       

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 22. April 2020 | 19:30 Uhr

13 Kommentare

na99sowas vor 27 Wochen

kann man nur zustimmen,warum ausgerechnet Herr Söder???
Er ist doch der jenige der am liebstendas "Fussvolk"weiter einsperren will(einige andere auch) oder lieg ich hier falsch?

Micha_MUC vor 27 Wochen

Solle sie doch spielen, wenn sie unbedingt wollen. Dann bitte aber ohne Tests, die bekommen andere Arbeiter und Angestellte auch nicht. Zur Fortsetzung der Saison braucht es auch keine Fernsehübertragungen, die könnte man sich sparen, obwohl es ja genau um die geht.
Zur Risikominimierung könnte ein abgesperrtes Gelände - etwa eine Bundeswehrkaserne - angemietet werden, wo dann der Rest der Saison mit allen Mannschaften stattfindet. Und die bei Bedarf auch abgeriegelt werden kann. Hotels sind noch geschlossen und quer durchs Land soll doch eigentlich auch nicht gefahren werden. Zumindest nicht das Fußvolk.

Thommi Tulpe vor 27 Wochen

Warum soll der normale Bürger möglichst zu Hause bleiben, sich an Abstands- und Maskenpflicht halten, wenn bei Geisterspielen mindestens 22 Mann plus Schiedsrichter, an den Seitenlinien Linienrichter plus Balljungen hin und her "hoppeln"? Der Fußball ist Teil unserer Gesellschaft - nicht aber der wichtigste Teil dieser! Wie wollen Sie bei Zuschauern im Stadion Mindestabstände einhalten? DFB-Bundestag ... der geht nicht einfach so einzuberufen? Was die ganze Diskussion einzig zeigt: Es geht um Geld - sehr sehr viel Geld. DFL und DFB versuchen der "Kohle" wegen eine Sonderrolle für Vereine der 1. und 2. BL zu erpressen. Und genau das ist der "normalen" Gesellschaft nicht mehr zu erklären. Viele Wirtschaftsunternehmen wird es nach Corona "einfach" nicht mehr geben. Und in erster Linie ist jeder Fußballverein auch "nur" ein Wirtschaftsunternehmen. Es geht in der Diskussion (meiner Meinung nach) nur noch um die Arroganz einiger Herren in oberen Etagen von DFB, DFL und Vereinen.