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Fußball | 3. Liga

3. Liga: Rettung durch Saisonabbruch?

von Max Zeising

Stand: 02. April 2020, 12:37 Uhr

Weil die Vereine in der 3. Liga auf Einnahmen durch Zuschauer angewiesen sind, scheinen Geisterspiele keine Option. Ein Saisonabbruch scheint denkbar. Derweil spielt der DFB weiter auf Zeit.

Nach MDR-Informationen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in seiner Präsidiumssitzung vom Mittwoch beschlossen, den Spielbetrieb bis auf weiteres auszusetzen. Demnach orientiere man sich grundsätzlich an den staatlichen und behördlichen Vorgaben im Umgang mit der Krise. Dem Vernehmen nach soll aber - ähnlich wie in der 1. und 2. Liga - ein Saisonabbruch möglichst vermieden werden. Damit spielt auch der DFB weiter auf Zeit und zieht offensichtlich Geisterspiele auch für die 3. Liga in Erwägung.  

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FSV Zwickau gegen Geisterspiele

Zwickau fürchtet Insolvenz

Zwickaus Vorstandssprecher Tobias Leege. Bildrechte: imago images / Picture Point

Viele Drittligisten sind da anderer Meinung - insbesondere die mitteldeutschen. "Geisterspiele, um die Saison zu Ende zu bringen, sind für uns überhaupt keine Option. Sollte dieser Fall eintreten, ist der Gang zum Insolvenzgericht unumgänglich", sagte Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau, jüngst dem Nachrichtenportal "Tag 24": "Mit Rückkehr zum Spielbetrieb gehen wir aus der Kurzarbeit heraus, hätten die vollen Personalkosten zu tragen, gleichzeitig aber keine relevanten Einnahmen, die dem entgegenstehen."

In der Tat könnten Geisterspiele ein dickes Loch im Portemonnaie zur Folge haben: Wie aus dem Drittliga-Bericht der vergangenen Saison hervorgeht, machen Einnahmen aus dem laufenden Spielbetrieb durchschnittlich 21 Prozent der Gesamterträge eines Vereins aus. Diese Einnahmen würden im Falle von Geisterspielen in jedem Falle wegfallen.

Demgegenüber steht ein relativ hoher Anteil Personalkosten, der dann wieder vollständig vom Verein zu tragen wäre: Durchschnittlich 34,7 Prozent der Ausgaben eines Drittliga-Vereins gehen für das Personal Spielbetrieb, also vorrangig die Mannschaft drauf. Hinzu kommen 8,8 Prozent für das Personal Handel und Verwaltung.

Kaum Einnahmen aus TV-Topf

Anders sähe es, so Leege, bei einem Abbruch der Saison aus. Zwar würde dann auch das TV-Geld wegfallen, aber: "Rechnerisch ist ein Abbruch für uns bei wirtschaftlicher Betrachtung die beste Option, da die Kosten des Personals vom Kurzarbeitergeld getragen werden, keine Spieltagskosten entstehen und die sonstigen Fixkosten, wie Stadionmiete erlassen oder gestundet werden können."

Auch an dieser Stelle lohnt ein Blick in den Drittliga-Bericht der vergangenen Saison. Nur durchschnittlich 10,8 Prozent der Gesamterträge eines Drittliga-Vereins stammen aus Medieneinnahmen. Jeder Klub erhält pro Saison 842.000 Euro von "Magenta Sport" als TV-Partner. Zum Vergleich: In der 2. Bundesliga sind der SV Wehen Wiesbaden und der VfL Osnabrück mit je 7,3 Millionen Euro Fernsehgelder noch die Geringverdiener. Der FC Bayern München erhält in dieser Saison 67,9 Millionen Euro - allein aus dem TV-Topf.

Das Fersehgeld macht in der 3. Liga noch den geringsten Anteil aus. Bildrechte: imago images/Jörg Schüler

Würde also bei einem Saisonabbruch neben den Zuschauereinnahmen auch die letzte Zahlung der Fernsehgelder Ende Mai wegfallen, dann wäre das aus Sicht des FSV Zwickau weniger dramatisch, als wenn man bei Geisterspielen wieder die vollen Personalkosten zu tragen hätte.

HFC forderte Abbruch, FCM bleibt vorsichtiger

Auch andere mitteldeutsche Drittliga-Vereine haben sich bereits intensiv mit möglichen Szenarien beschäftigt. Bereits vor zwei Wochen hatte der Hallesche FC in einem offenen Brief einen Saisonabbruch gefordert. "Wir sehen zum Abbruch der Saison in der 3. Liga keine Alternative. Dieses 'Hin und Her', diese Salami-Taktik, all die Theorien und Eventualitäten sind in den vergangenen Tagen zu Recht kritisiert worden", hatte HFC-Präsident Jens Rauschenbach geschrieben.

FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. Bildrechte: imago images/Picture Point

Der 1. FC Magdeburg wagt sich nicht ganz so sehr in die Offensive, geht aber in die gleiche Richtung. "Meisterschaftsspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind für uns überhaupt keine Option", sagt Geschäftsführer Mario Kallnik. Über einen möglichen Saisonabbruch will er zwar "zu diesem Zeitpunkt" noch nicht nachdenken - doch auch Kallnik kommt bei seinen Berechnungen auf ein eindeutiges Ergebnis: "Bei Geisterspielen würden uns Zuschauereinnahmen in sechsstelliger Höhe fehlen."

Kallnik, der als einziger Vertreter eines ostdeutschen Drittliga-Vereins im Ausschuss 3. Liga sitzt, nimmt eine "kontroverse Diskussion mit bisher gemeinsam getragenen Ergebnissen" innerhalb des Ausschusses wahr. Am Mittwoch, nach dem Gespräch mit dem MDR, fand eine weitere Konferenz mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Ausschuss statt - ganz unter dem Eindruck der Entscheidungen, welche die Deutsche Fußball-Liga (DFL) tags zuvor für die 1. und 2. Fußball-Bundesliga verkündet hatte. "Es ist immer interessant, was die DFL beschließt", so Kallnik, "denn geht um den Profifußball in Deutschland. Und dazu zählen nun einmal die ersten drei Fußball-Ligen, auch wenn es finanzielle Unterschiede gibt."

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Fußball | BundesligaBundesliga-Zwangspause verlängert sich

Jena fordert schnelle Entscheidung

Auch Carl Zeiss Jena will sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. "Wir sind gegen Geisterspiele, weil wir Fußball nicht in leeren, sondern möglichst in vollen Stadien spielen wollen. Wir spielen Fußball für die Leute", sagt Geschäftsführer Chris Förster nur. Nur eines ist ihm wichtig: "Wir brauchen eine schnelle Entscheidung, um Planungssicherheit zu haben in jeglicher Hinsicht: für Fußballer, für Sponsoren, für finanzielle Maßnahmen und so weiter."

Jenas Geschäftsführer Chris Förster. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Die Frage ist natürlich, wie eine schnelle Entscheidung überhaupt aussehen kann - angesichts der Tatsache, dass sich die Corona-Lage tagtäglich verändert. Auch die Bundesligisten wissen noch nicht, ob die Überlegung, die Saison ab Mai mit Geisterspielen zu Ende zu bringen, überhaupt umsetzbar ist. Eine schnelle Entscheidung für die 3. Liga könnte momentan also nur ein Abbruch sein.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 05. April 2020 | 15:30 Uhr

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