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Fußball | 3. LigaErzgebirge Aue: So geht es nach dem Rücktritt von Helge Leonhardt weiter

Stand: 19. September 2022, 10:43 Uhr

Es dürfte eine turbulente Woche beim FC Erzgebirge Aue werden. Nach dem Rücktritt von Vereinspräsident Helge Leonhardt sind Vorstand und Aufsichtsrat gefordert. Es braucht eine Interimslösung und eine Entscheidung in der Trainerfrage.

Helge Leonhardt hat mit seinem Rücktritt am Sonntag (18.09.2022) Platz für einen Neuanfang beim FC Erzgebirge Aue gemacht. Der Druck aus dem Umfeld war zu groß geworden. "Er musste sich auch selbst schützen", sagte SpiO-Experte Lutz Lindemann, der sicher ist: "Er wird den Verein nicht unordentlich zurücklassen. Leonhardt ist keiner, der den Verein taumeln lässt."

Heidrich als Sportdirektor nach Aue?

Auf einer Mitgliederversammlung im Herbst - der Termin steht noch nicht fest - muss nun ein neuer Präsident gewählt werden. Dringender ist aber die Frage nach der sportlichen Leitung. "Jetzt sind andere gefragt, man muss kluge Ideen haben", so Lindemann, für den zwingend ein Sportdirektor verpflichtet werden muss. "Das größte Defizit ist, dass es keinen Sportdirektor gibt. Es muss jemanden geben, der mit dem Präsidenten auf Augenhöhe das Sportliche abdeckt", sagte der 73-Jährige, der zweimal Trainer im Erzgebirge war, am Montagmorgen im MDR.

Matthias Heidrich, einst Spieler in Aue, dann im Nachwuchs vom 1. FC Köln, wäre für Lindemann einer, der es kann. Seit Jahren war Leonhardt Präsident und Sportdirektor in einem, die Verpflichtung von Pavel Dotchev letzte Saison war mehr eine Notlösung, ein Rettungsanker, der nicht griff. Die Verpflichtung des Drittliga-unerfahrenen Timo Rost und der ausbleibende Erfolg zwangen Leonhardt jetzt zum Rücktritt.

Noch keine Entscheidung in der Trainerfrage

Ob auch der Trainer gehen muss? Mit dieser Frage haben sich die Entscheidungsträger in Aue natürlich beschäftigt, "aber noch nicht abschließend entschieden", sagt Kay Werner dem MDR. Der Rechtsanwalt ist neben dem krank geschriebenen Geschäftsführer Michael Vogt, das einzig verbliebene Vorstandsmitglied. "Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und dem Ehrenrat wird der Vorstand jetzt Lösungen finden, um die weiteren Dinge in den nächsten Tagen vorzubereiten und zu entscheiden", so Werner.

Am Montagabend wird es ein Treffen Verantwortlicher um Aufsichtsratschef Bernd Keller geben, am Dienstag tagt dann der Vorstand. Hauptaugenmerk liege laut Werner auf der zukünftigen Besetzung der Gremien, der Vorbereitung der Mitgliederversammlung und auf der Frage, wie es mit dem Trainergespann weitergeht. "Das müssen die Gremien weise und in Ruhe entscheiden, um den Verein in ein gutes und sicheres Fahrwasser zu bringen", so der Anwalt.

Leonhardt - große Verdienste, unglückliche Trainerentscheidungen

Helge Leonhardt war seit 2014 Präsident des FC Erzgebirge, nahbar für Fans und Spieler mit markigen Sprüchen: "Wir gliedern nicht aus, wir lieben unseren Verein" oder zeugt "Kinder mit Wismut-DNA" am Muttertag.

Die Nähe kam an. Auch wenn er gleich in seinem ersten Amtsjahr 2015 abstieg. Bei der Auswahl der Trainer lag der Unternehmer, der nach der Entlassung von Steffen Ziffert viele Jahre Präsident und Sportdirektor in Personalunion war, zu oft falsch. Zwölf Trainerwechsel in acht Jahren sprechen Bände. Dabei war Aue immer dann am erfolgreichsten, wenn sie die Trainer kontinuierlich arbeiten ließen.

Kontinuität seit Jahren ein Fremdwort

So wie den leider dieses Jahr verstorbenen Gerd Schädlich von 1999-2007 oder Rico Schmitt von 2008-2012. Beide stiegen in die 2.Liga auf und hielten sicher die Klasse. Kontinuität ist seit Jahren ein Fremdwort in Aue. Das Trainerkarussell drehte sich rasant. Immer wieder sprachen No Names im Erzgebirge auf und schnell wieder ab. So holte Leonhardt nach der Entlassung von Falko Götz 2015 den unbekannten Tomislav Stipic. Später durften sich Trainernovizen wie Thomas Letsch, Hannes Drews, Daniel Meyer oder Spilewski versuchen.

19 neue Spieler, aber kein Team

Im Sommer gab Leonhardt mit Timo Rost dem nächsten unerfahrenen Trainer die Chance in der 3. Liga. Rost hatte bis dato erfolgreich Bayreuth trainiert, aber noch nie in der 3. Liga gewirkt. 19 neue Spieler durfte Rost holen. Dass die Auswahl nicht die beste war und die Qualität nicht zum Wiederaufstieg reichen sollte, war schnell klar.

Leonhardts Händchen bei der Trainerauswahl war kein gutes, dass, was er und sein Bruder Uwe für den Verein und die Region geschaffen haben, ist aber ein Verdienst, der ihnen nie genommen wird. Die Infrastruktur, das Stadion, das Internat sind erste Sahne. Nur braucht das in der Regionalliga keiner mehr. Deshalb musste Leonhardt den Weg frei machen und Aue die Chance für einen Neuanfang geben.

sst

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 19. September 2022 | 19:30 Uhr

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