Fußball | 3. Liga Halle gewinnt Acht-Tore-Spektakel gegen Jena

35. Spieltag

Was für ein wichtiger Sieg für den Halleschen FC im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga. In einem turbulenten Saalestadt-Derby gegen Jena feierte der HFC den zwölften Saisonerfolg - und setzte sich etwas von der Abstiegszone ab.

HFC gegen Carl Zeiss Jena 4 min
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Der Hallesche FC hat im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga einen wichtigen Sieg eingefahren. Gegen den bereits feststehenden Absteiger Carl Zeiss Jena bejubelte das Team von HFC-Coach Florian Schnorrenberg am Mittwochabend (24.06.2020) ein 5:3 (2:2). Drei Spieltage vor dem Saisonende hat Halle als Tabellen-15. nun fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Schlusslicht Jena kassierte dagegen die dritte Niederlage in Serie und wartet nun schon seit zwölf Spielen in Folge auf einen Sieg.

Aufregendes Hin und Her

Halle und Jena lieferten sich eine packende, mitreißende und verrückte Partie in der die Führung immer wieder wechselte und die Entscheidung erst kurz vor dem Abpfiff fiel. Halle kam mit viel Tempo aus der Kabine und zwang Jena mit hohem Pressing zeitig zu Fehlern. Der offensive Hallenser Beginn wurde belohnt: Nach einer Ecke köpfte Pascal Sohm bereits nach acht Minuten das 1:0.

Doch das Tor brachte den Gastgebern keine Sicherheit. Im Gegenteil. Jena spielte nun plötzlich frisch auf, und die Hallenser zogen sich weit zurück. Nur fünf Minuten nach dem 0:1 glich Rene Eckardt für die Gäste aus Thüringen aus: Nach schöner Vorarbeit von Joy Lance Mickels vollendete Eckardt aus Nahdistanz (13.). Mit einem mutmaßlichen „Volltreffer der Woche“ brachte Daniele Gabriele den Drittliga-Absteiger sogar in Führung: Der Deutsch-Italiener traf aus zwölf Metern per Seitfallzieher (31.). Noch vor der Pause allerdings der erneute Ausgleich: Nach Flanke von Florian Hansch und Kopfballverlängerung von Terrence Boyd traf Sohm zu seinem zweiten Tor (36.).

Torjubel beim HFC
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Sohm und Boyd treffen doppelt

Nach dem Wechsel begann erneut Halle hellwach: Erneut nach einer Ecke sprang Sebastian Mai am höchsten und drehte das Spiel für den HFC (49.). Die Jenaer Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Aytac Sulu glich per Kopf erneut aus (57.). Kurz darauf wurde der Deutsch-Türke dann aber zum tragischen Helden. Bei einem Rückpass versprang ihm der Ball, HFC-Angreifer Boyd spritzte dazwischen und traf zum 4:3 (63.). Auch für die Entscheidung sorgte Boyd, der vor zwei Wochen noch von Ex-Coach Ismail Atalan aussortiert wurde. Nach einem Konter über Toni Lindenhahn und Julian Guttau schob Boyd aus Nahdistanz zum umjubelten zwölften Saisonsieg ein.

Tor zum 5:3 durch Terrence Boyd, HFC
Boyd trifft zum finalen 5:3. Bildrechte: imago images/VIADATA

75. Duell - eine Partie für die Geschichtsbücher

Das 5:3 von Mittwochabend ohne Zuschauer hatte übrigens historische Dimensionen. Halle gewann erstmals seit April 1991 wieder ein Heimspiel gegen Jena. Die 75. Auflage des Saalestadt-Duells war zudem die torreichste Partie in der Geschichte. Die bisherige Bestmarke stand bei einem 6:1-Sieg für Jena aus dem Jahr 1978.

HFC gegen CZJ 1 min
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Das sagten die Trainer

Teamchef Rene Klingbeil (Carl Zeiss Jena) 1 min
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Nach der 3:5-Niederlage beim Halleschen FC äußert sich Carl-Zeiss-Jena-Teamchef Klingbeil lobend und frustriert.

Sport im Osten Mi 24.06.2020 22:10Uhr 00:46 min

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Video

René Klingbeil (Teamchef Jena): "Das war ein sehr unterhaltsames Spiel. Wenn Du auswärts drei Tore schießt, dann müsste es eigentlich für uns reichen. Dass wir dann natürlich fünf reinkriegen, ist sehr sehr bitter. Es war ein unheimlich hartes und aktives Spiel von beiden Mannschaften. Wir haben uns beide nichts geschenkt. Es war ein brutaler Fight. Das vierte und fünfte schenken wird dann zu leicht her. So fahren wir mit leeren Händen nach Hause. Mit Voufack in der Abwehr und Dedidis als Stürmer hatten wir zwei sehr junge Spieler, Stanese und Zejnullahu haben seit Monaten nicht mehr richtig Fußball gespielt – dafür finde ich, haben wir es vor allem in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht und uns teuer verkauft. Dass es dann nicht reicht, ist manchmal schon sehr grausam. Es gibt nichts Schöneres, als 20:30 Uhr hier in Halle unter Flutlicht spielen zu dürfen. Das habe ich den Jungs mitgegeben: 'Habt Spaß beim Verteidigen, habt Spaß beim Nach-Vorne-Spielen.' Das haben sie über weite Strecken auch gemacht."

Trainer Florian Schnorrenberg (Hallescher FC) 1 min
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Florian Schnorrenberg (Coach Halle): "Natürlich leidet man mit. Es war ein sehr wichtiger Sieg, den wir hier eingefahren haben. Es war ein sehr aufregendes Spiel. Jeder hat irgendwie den Sieg von uns erwartet. Ich hatte den Eindruck, dass wir eine gewisse Nervosität im Spiel hatten. Das Führungstor hat uns nicht geholfen. Jena hat sich in den vergangenen Spielen schon sehr gut verkauft, ist nach Ballgewinnen sehr gut im Umschaltspiel. Sie haben uns richtig wehgetan. Trotz allem sind wir nach Rückstand wieder zurückgekommen. Meine Mannschaft hat trotzdem die nötige Ruhe bewahrt, auch nach dem 3:3, wo wir Suliu nicht verteidigen können. Hintenraus hatten wir noch ein, zwei Möglichkeiten mehr. Am Ende des Tages sind wir heute total happy, so ein verrücktes Spiel zu unseren Gunsten entschieden zu haben. Das ist noch nicht der Klassenerhalt. Es ist aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Wir haben jetzt noch drei schwere Spiele vor uns. Wir müssen jetzt einfach so weitermachen, an uns glauben und positiv sein."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 24. Juni 2020 | 21:45 Uhr

21 Kommentare

tobi vor 7 Tagen

Quatsch, das war kein Glückssieg. Ordentliches Spiel beider Mannschaften aber der Sieg war verdient. Erkämpft und erspielt. Wenn Jena die Truppe im Kern zusammenhält, ist das ausbaufähig und man ist bald wieder in der Spur Richtung 3.liga.

tobi vor 7 Tagen

Gerade gegen vermeintliche Spitzen teams sah die Mannschaft des öfteren gut aus und hat ordentlichen fussball gespielt. Ja und Duisburg ist derzeit nicht gerade die Überfliegermannschaft.... insofern

Dirk Brockhaus vor 1 Wochen

Ganz wichtiger Sieg, wird man am Ende noch sehen. Wenn es in Duisburg und Würzburg Niederlagen gibt, dann muss man zuhause gegen Klautern fast schon gewinnen um nicht noch eine böse Überraschung zu erleben. Vielleicht können wir auch hier und da ein Pünktchen ergaunern aber ausgerechnet gegen Aufstiegsanwärter? Warten wir's ab.

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