Fußball | DFB-Sportgericht Carl Zeiss Jena zieht wegen Pyro-Strafe vor Zivilgericht

Seit mehr als einem Jahr befindet sich der FC Carl Zeiss Jena im Rechtsstreit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Es geht um Strafzahlungen, die wegen Pyrovergehen von FCC-Anhängern verhängt wurden. Nach der Niederlage in der letzten juristischen DFB-Instanz zieht Jena nun vor ein ordentliches Gericht.

Fußbllfans und ihre Pyrotechnik. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR aktuell 17:45 Uhr Do 19.12.2019 17:45Uhr 01:28 min

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Der FC Carl Zeiss Jena bleibt auf Konfrontationskurs mit dem Deutschen Fußball-Bund - zumindest, was dessen Strafenkatalog betrifft. Im Pyro-Streit der Thüringer mit dem DFB hatte das Ständige Schiedsgericht, die letzte juristische Instanz auf Ebene des Verbands, einen Einspruch des FC Carl Zeiss Jena gegen die Strafzahlungen abgelehnt. Der Drittligist will die Summe, nach Angaben von FCC-Geschäftsführer Chris Förster inzwischen "annähernd 100.000 Euro", nicht zahlen und hatte sich deshalb durch alle Instanzen geklagt. Ursprünglich war eine Strafzahlung von 24.900 Euro verhängt worden. Nach Abstimmung mit den vereinsinternen Gremien geht der Club nun den erwarteten Schritt vor ein Zivilgericht.

FCC-Geschäftsführer Förster: "Keine Strafe ohne Schuld"

Das Grundproblem bei den bisher verhängten Strafen, so argumentiert der FC Carl Zeiss: Ein Verein haftet und wird für ein Vergehen bestraft, für das er keine Schuld trägt. In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gelte aber das Prinzip: "Keine Strafe ohne Schuld". Jena selbst ist davon überzeugt, alles versucht zu haben, um das Abbrennen von Pyrotechnik, beispielsweise im Spiel gegen Großaspach (28.07.2018), zu unterbinden. Solche Vorfälle komplett zu verhindern, sei allerdings nicht möglich, sagte Chris Förster bereits im Jahr 2018. Deshalb würde den Verein auch keine Schuld treffen. Förster verweist zudem auf die Endspiele im DFB-Pokal, wo es dem DFB selbst wiederholt nicht gelungen war, Pyrotechnik zu verhindern.

Der Gang vor ein ordentliches Gericht ist nun also die logische Konsequenz aus Sicht der FC Carl Zeiss Jena. "Wir haben eine ganz andere Rechtsauffassung als der DFB in dieser Sache. Wir sind der Auffassung, dass das der richtige Weg ist und unsere Argumente in dem Fall stichhaltig sind", so Förster gegenüber "Sport im Osten". Außerdem würden die Chancen vom FCC größer eingeschätzt, als die Risiken der zusätzlich drohenden Prozesskosten.

Chris Förster im Interview 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Do 28.11.2019 18:39Uhr 00:53 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-360022.html

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Strafen in der Übersicht 

Die ursprüngliche Summe von 24.900 Euro war entstanden, weil der FC Carl Zeiss gleich für mehrere Vergehen seiner Fans verurteilt worden war. Es ging dabei um die unten aufgelisteten Fälle. Inzwischen seien nach Angaben von Chris Förster aber weitere Strafen hinzugekommen.

  • Beim Drittligaspiel FC Carl Zeiss Jena gegen die SG Sonnenhof Großaspach (28. Juli 2018) hatten FCC-Anhänger Pyrotechnik gezündet. Der DFB verurteilte den Verein zu einer Geldstrafe von 3.500 Euro.

  • In der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Union Berlin (19. August 2018) brannten Jenaer Anhänger Pyrotechnik ab und warfen Papierrollen in Richtung des Schiedsrichter-Assistenten. Die DFB-Strafe: 20.500 Euro.

  • Beim Drittligaspiel gegen Eintracht Braunschweig (14. September 2018) warfen Jenaer Fans Gegenstände zur Eckfahne. Dafür wurden 900 Euro Strafe verhängt.

Fans aus Jena in der Südkurve brennen Feuerwerk ab.
Bildrechte: imago/Matthias Koch

Solidarisierung mit Carl Zeiss Jena

Carl Zeiss Jena ist nicht der einzige Verein, der den aktuellen Strafenkatalog des DFB, bzw. die mutmaßliche Willkür bei der Verteilung der Strafen, kritisch sieht. Einer von ihnen ist der Hamburger SV. Nach Angaben des Hamburger Abendblatts wurde der HSV seit 2011 zu insgesamt 1,214 Millionen Euro Strafe vom DFB verdonnert. Der Konfrontationskurs des FC Carl Zeiss Jena dürfte in der Hansestadt also gut ankommen. Nach Angaben von Chris Förster stehe man mit dem HSV in Kontakt, auch Hansa Rostock habe sich mit Carl Zeiss Jena solidarisiert. "Man spürt auch bei anderen Vereinen, dass das ein Thema ist, das unter den Nägeln brennt und viele jetzt zufrieden sind, dass diese Thematik einmal geklärt wird", so Förster gegenüber "Sport im Osten".

Aus dem Archiv (November 2018)

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. Dezember 2019 | 17:45 Uhr

9 Kommentare

normaler Zeitgenosse vor 44 Wochen

Danke für eure sachliche Rückinfo.Richtig ist ,wer Fackeln zündet ist schuldig.....
Diese Chaoten stehen alle mit im Fanblock und zündeln und niemand erkennt diese oder will sie nicht erkennen......vor dem Zaun die Sicherheitskräfte,,,auf dem Zaun die Capos und hunderte Fans und Beauftragte und Verein alle gucken weg. Warum???? wissen wir doch alle!!!!!

ein Dynamo vor 44 Wochen

Wünsche Jena viel Glück und vor allem Erfolg. Ich sehe es genauso. Wie kann man einen Verein bestrafen, wenn Andere (Chaoten - sogenannte Fans) Pyrotechnik abbrennen? Die Täter müssen bestraft werden, aber nicht der Verein! Der DFB will nur Geld abkassieren.

karl RWE vor 44 Wochen

Dann erklären sie doch mal wie sie bis zu 80000 Zuschauer auf kleinste Gegenstände kontrollieren wollen ohne dabei persönlichkeits Rechte zu verletzten???? Geschweige dessen das ein Sicherheitsdienst dies garnicht annähernd darf!? Also falls sie da Ideen oder besser die patentlösung haben sind bestimmt alle Fussballvereine in Deutschland brennend daran interessiert!!!

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